Betrugsverfahren gegen früheren ATU-Manager
Staatsanwalt fordert Haft

Am Mittwoch, 14 Uhr, verkündet das Schöffengericht im ATU-Betrugsprozess sein Urteil. (Foto: David Ebener/dpa)

Zwei schlaflose Nächte müssen die beiden Angeklagten noch durchhalten. Am Mittwoch, 14 Uhr, verkündet das Schöffengericht im ATU-Betrugsprozess sein Urteil. Der Staatsanwalt fordert am Montag für den ehemaligen Regionalchef (39) und einen externen Dienstleister (38) Haftstrafen ohne Bewährung wegen Betrugs und Untreue. Die Verteidiger plädieren auf Freispruch - und kämpfen mit harten Bandagen.

Staatsanwalt Christoph Krieger wirft den Angeklagten aus Oberbayern vor, ATU vorsätzlich um 90 000 Euro geprellt zu haben. Der Staatsanwalt sieht die 106 Fälle des gewerbsmäßigen Betrugs und der Untreue als erwiesen an. Der selbstständige 38-Jährige soll Rechnungen für Schulungen und Außenreinigungen von Filialen geschrieben haben. Sein Bekannter (39) war ATU-Regionalchef und soll die Gelder freigegeben haben. Innerhalb von zehn Wochen wurden 106 Rechnungen gestellt. Dann schlug der ATU-Revisor Alarm.

Was spricht gegen die Angeklagten? Angeblich hat der Dienstleister 75 Werkstatthöfe gereinigt, und das teils im tiefsten Winter. Das Gericht hat über 60 Filialleiter aus ganz Bayern vernommen. "Keiner konnte eine Reinigung bestätigen", sagt der Staatsanwalt. "Die Leistungen wurden nicht erbracht." Gleiches gelte für die Schulungen, angeblich "Pilotprojekt zur Potenzialerkennung von Dellen- und Glasreparaturen". Die Filialleiter hatten nie davon gehört.

Mögliches Motiv: Schulden

Den Regionalchef belastet zudem die Aussage seiner damaligen Assistentin. Sie hat über die Hälfte der Rechnungen "auf seine Anweisung" unterzeichnet. Dabei habe der Angeklagte die übliche Praxis abgeschafft, die Rechnungen vorher an die Filialleiter zu schicken. "Der Angeklagte hat diese Prüfung aktiv verändert", so der Staatsanwalt. Er spricht von einem "gemeinsamen Tatplan". "Einer schreibt Scheinrechnungen, der andere gibt sie frei." Motiv: private Schulden. Krieger fordert 2 Jahre 6 Monate für den Dienstleister, 2 Jahre 11 Monate für den Manager.

"Sprachlos" macht das Verteidiger Werner Winkelmeier. Staatsanwaltschaft und Kripo hätten nicht objektiv ermittelt, hätte sich nicht bemüht, Entlastendes zu finden. "Es ist skandalös." Unterm Strich trügen nur 36 Rechnungen den Namenszug des Ex-Regionalchefs. In diesen Fällen hatten ihm Vorher-Nachher-Fotos der Filialen vorgelegen. Alle weiteren Rechnungen seien von der Assistentin unterzeichnet. "Mein Mandant konnte gar nicht hunderte Rechnungen auf Richtigkeit prüfen, weil er gar nicht da war, sondern ständig unterwegs." Sein Mandant habe höchst engagiert den damaligen ATU-Chef Norbert Scheuch unterstützt und unter anderem für "exorbitante Steigerungen" des Glas-Umsatzes gesorgt.

Anwalt vermutet Absprache

Anwalt Markus Ott fordert auch Freispruch für den Dienstleister. Die Kripo habe auf den Konten keinerlei Kick-Back-Zahlungen gefunden. Ott beharrt zudem darauf, dass Leistungen erbracht wurden. Die Reinigung erfolgten sonntags. "Wie wollen Filialleiter das ausschließen, wenn sie sonntags nicht vor Ort sind?" Er zweifelt ohnehin an ihren Aussagen: "Man könnte den Eindruck bekommen, dass das abgesprochen war." Teilweise habe der 38-Jährige die Arbeiten an einen unzuverlässigen Helfer vergeben, was er bedauere. Die Schulungen seien zentral in vier Filialen in Südbayern erfolgt und nur kostenmäßig als "Pilotprojekt" auf alle umgelegt worden. Das Wort "Schulung" sei unglücklich gewählt. "Man sah sich Autos auf dem Parkplatz an." Der Dellenprofi zeigte, was an Aufträgen möglich gewesen wäre, allein in Rosenheim an 20 Tagen.

Letzter Zeuge am Montag war der damalige Personalchef, inzwischen wie Scheuch bei Heckler & Koch. Er hatte den Angeklagten im September 2014 für 12 000 Euro brutto im Monat eingestellt: ein "sehr aktiver" Mann, durch den sehr viel Personal ("low performer") ausgetauscht wurde. Als man dem 38-Jährigen ein halbes Jahr später aufgrund des Betrugsverdachts gekündigt habe, habe dieser "emotionslos" reagiert.
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