BHS Corrugated schickt 50 Mitarbeiter einen Tag in Urlaub
Freier Tag nach Massenstörung

Tatort Bahnunterführung in der Regensburger Straße: Nach dem Kabelcrash arbeiten Telekom-Techniker Tag und Nacht, um den Schaden zu beheben. Bild: Meister

Über einen Tag lang ohne Telefon und Internet: Vor allem die großen Betriebe in Weiherhammer sind die Leidtragenden. Die BHS Corrugated schickt sogar Mitarbeiter nach Hause.

Weiherhammer. Fast 30 Stunden sind bei der Firma Pilkington von Montag auf Dienstag alle EDV-Systeme ausgefallen. "So etwas haben wir noch nicht gehabt", weiß Werksleiter Reinhold Gietl. Wer von draußen anrief, hörte nur das Besetztzeichen. Die Rechensysteme stehen in der Zentrale in Gelsenkirchen. Durch den Kabelschaden in der Regensburger Unterführung in Weiden am Montagnachmittag riss die Direktleitung, und nichts ging mehr.

Großes Pech für den Flachglashersteller, der für solche Fälle eine Reserveverbindung hat. Aber: "Es gibt von Weiden nach Gelsenkirchen nur eine einzige Stelle, an der beide Leitungen parallel laufen, und das ist ausgerechnet die Bahnunterführung in der Regensburger Straße", verrät Gietl. Die Produktion sei zwar nicht betroffen gewesen. "Produzieren können wir immer", erklärt der Manager. Es sei daher kein finanzieller Verlust entstanden, allerdings hätten das Einlagern und der Versand des Glases enormen Mehraufwand erfordert. Alle Versandpapiere wurden - wie früher - per Hand geschrieben. Außerdem gab es die Möglichkeit, sich über Mobiltelefone in die Laptops einzuwählen. Von den 180 Mitarbeitern der Tagschicht musste aber niemand heimgeschickt werden. Gietl: "Jetzt müssen wir darüber nachdenken, wie wir uns in Zukunft gegen so etwas schützen können."

"Extrem behindert"

Auch bei der BHS Corrugated war die Fertigung nicht beeinträchtigt, bestätigt Prokurist Gerhard Kranz. Allerdings litt die SAP-Logistik sehr, Warenbewegungen waren nicht möglich. Rund 50 Beschäftigte hätten Urlaub genommen oder Überstunden abgefeiert. Die Firma müsse bestimmt finanzielle Einbußen verschmerzen, beziffern konnte Kranz diese allerdings auf die Schnelle nicht.

Die Stahl Spedition & Logistik GmbH ist über das Internet mit großen Firmen verbunden, die nachts die Aufträge für die 52 Fahrer ins System einspielen. Das war am Montag nicht möglich. "Wir waren blind", beschreibt Seniorchef Karl Stahl die stressige Situation. Handyleitungen seien überlastet gewesen, nach 10 oder 20 Sekunden sei die Verbindung abgebrochen. Geholfen habe man sich über Whatsapp. Dennoch war für 24 Stunden eine geordnete Planung nicht möglich. Stahl: "Wir waren extrem behindert." Den entstandenen Schaden beziffert er mit einigen 1000 Euro.

Kein Geld am Automaten

Das Hotel Witt Am See spricht in erster Linie von einem Imageschaden, nachdem es einen ganzen Tag lang telefonisch nicht erreichbar war. Gäste hatten Zugriff auf die Homepage und buchten über Booking.com oder das Hotelportal HRS. Doch Chefin Rita Witt konnte das auf dem Bildschirm nicht sehen. "Wir hingen völlig in der Luft." Am Abend standen tatsächlich Leute vor der Tür, die zum Glück untergebracht werden konnten.

Auch bei den Sparkassen-Filialen Weiherhammer und Mantel stand die EDV still. "Die Kunden bekamen ihr Geld aber am Schalter", berichtet Vorstandschef Josef Pflaum. Bei längerem Ausfall hätte die Bank am Mittwoch die fahrbare Geschäftstelle nach Weiherhammer geschickt. Andere Kreditinstitute berichteten von ähnlichen Problemen. (Angemerkt)
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