Bischof Voderholzer in der JVA
An der Seite Gefangener

"Sie haben es bisher am schönsten." Zitat: Bischof Rudolf Voderholzer über die JVA Weiden

Der Bischof kommt nicht als Richter, sondern als Ausrichter. In der Justizvollzugsanstalt hält er für die Gefangenen eine Messe. Seine Predigt beginnt er mit einem Krug Wasser.

Etwa 25 Gefangene sitzen im Kirchenraum der JVA. Alle tragen sie blaue Stoffhosen, Pullover in ausgewaschenem Grün, grüne oder blaue Hemden und haben sich einen Platz auf der rechten Seite des Raumes gesucht. Ganz hinten sitzen einige Justizvollzugsbeamte. Die Ehrengäste, in Anzüge und Kostüme gekleidet, sitzen links. Darunter: die Landtagsabgeordneten und Anstaltsbeirätinnen Annette Karl und Petra Dettenhöfer, Beirat Adolf Baumann, der evangelische Gefängnisseelsorger Dominik Naujoks und Anstaltsleiter Peter Möbius.

Den Gefangenen erklärt Pastoralreferent Markus Brunner, wie die Eucharistie für Katholiken und Nicht-Katholiken funktioniert. Als Bischof Rudolf Voderholzer mit Kollegen und vier Ministranten einzieht, fordert Brunner die Häftlinge auf, sich zu erheben. Sie wirken unsicher. Manchmal kommen nur vier Gefangene, manchmal 20 zum sonntäglichen Gottesdienst, erklärt Wolfgang Reichl, stellvertretender Dienststellenleiter.

Jedes Jahr besuche er ein Gefängnis, habe schon das in Regensburg und in Straubing gesehen, erzählt der Bischof zu Beginn der Messe. "Sie haben es bisher am schönsten", sagt er zu den Männern in Weiden. 120 Gefangene sitzen im Moment in der JVA, weiß Reichl. Gottesdienste dürfen alle mitfeiern.

Predigt über das Wasser

Der Bischof dreht sich immer wieder leicht nach rechts und richtet seine Worte an die Gefangenen. Besonders deutlich wird dies bei der Predigt. "Liebe Männer", spricht Bischof die Sträflinge an. Voderholzer hält die Predigt jedoch nicht am Ambo. Er stellt sich vor den Altar und lässt sich einen Krug Wasser reichen. "So unscheinbar, so kalorienarm, so farblos" sei Wasser. Einen Notizzettel hat er nicht bei sich. Der Prediger spricht völlig frei. Die meisten Insassen schauen und hören ihm aufmerksam zu. Heute widmet sich die Messe - wie immer am ersten Sonntag nach Heiligdreikönig - der Taufe Jesu. Dieser kam als 30-Jähriger zu Johannes, dem Täufer, um sich taufen zu lassen. "Das war nicht mit einem Krug, sondern in einem Fluss", erklärt der Bischof. Johannes drückte im Jordan an der tiefsten Stelle außerhalb der Meere die Täuflinge unter das Wasser. Sie kamen "als neue Menschen heraus." Weil der sündenlose Jesus sich ebenfalls taufen ließ, stelle er sich "an die Seite der Menschen, der Sünder". "Jesus geht an die Stelle, wo die Menschen ganz down sind", interpretiert Voderholzer. Jesus sei deshalb auch an der Seite der Häftlinge. Zu den Häftlingen sagt er, "jeder und jede ist wichtig" und "keiner kann so tief fallen wie dorthin, wo Jesus ging."

Mit Handschuhen

Das Duo "Canta Dio" (Martina und Stefan Koch) begleitet den Gottesdienst. Anfangs schauen die Gefangenen noch in die Liederhefte. Einer wippt bei der Musik mit seinem Fuß im Takt. Obwohl kaum ein Insasse mitsingt oder betet, wirken die meisten aufmerksam. Vier Gefangene sitzen als Ministranten rechts neben dem Altar, zwei dürfen den silbernen Bischofsstab und die beige Mitra halten. Dafür haben sie weiße Handschuhe übergestreift.

Bei der Eucharistie zögern die Sträflinge zunächst. Es scheint, als wollen sich die Männer nicht vor die Gäste drängeln. Doch sie holen sich alle Hostie oder Segen. Nach der Messe sprechen ein paar Gefangene mit Voderholzer. Sie wollen wissen, wie man seine Mütze nennt (Mitra) und was Eucharistie bedeutet (Danksagung). Geduldig beantwortet der Bischof die Fragen, klopft dem ein oder anderen auf die Schulter. Am Ende seines Besuchs erhält Voderholzer eine Führung durch die Anstalt.

Sie haben es bisher am schönsten.Bischof Rudolf Voderholzer über die JVA Weiden
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