13.03.2018 - 14:46 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Bluttat in Mantel zeichnet sich Tage vorher ab Schikane auf der Baustelle

Die Bluttat von Mantel hat sich in den Tagen zuvor abgezeichnet. Auf einer Baustelle in Auerbach erleben Kollegen, wie das spätere Opfer den Angeklagten schikaniert. So schlimm, dass der zweite Kapo bei den Chefs in Mantel anruft: "Ihr müsst kommen. Es tut keinen gut."

Zweiter Verhandlungstag wegen versuchten Mordes. Ein 39-jähriger Bauarbeiter steht derzeit in Weiden vor Gericht. Weitere Verhandlungstage folgen am Donnerstag und Freitag. Bild: gsb
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Weiden/Mantel. Dieser Vorarbeiter (40) und die beiden Bauunternehmer waren die wichtigsten Zeugen am Dienstag. Die Schwurgerichtskammer verhandelt wegen versuchten Mordes gegen einen 39-jährigen Manteler, der seinem Vorgesetzten (40) im September 2016 ein Beil in den Rücken schlug. Das Urteil soll nächsten Montag fallen.

Geschädigter und Angeklagter bildeten einen Bautrupp. In der zweiten Septemberwoche sollten sie eine Baustelle in Auerbach verstärken. "Die Zeit wurde knapp. Der Kindergarten sollte eröffnet werden", sagt der Vorarbeiter des verantwortlichen Bautrupps. Aus diesem Grund gab es zwei Kapos vor Ort. Seine Freude über die Unterstützung währte nicht lange: "Dann ging der Zirkus auch schon los." Der Angeklagte habe gearbeitet, während sein Vorarbeiter untätig herumgestanden sei und am Ende alles kritisiert habe. "Er hat die Leute direkt auflaufen lassen. Das war richtiges Mobbing."

Am Montag schaute der Stamm-Kapo "noch zu", am Dienstag rief er im Büro in Mantel an: "Das geht so nicht weiter." Eine Szene ist ihm besonders vor Augen: Der Angeklagte und ein "Stift" arbeiteten im Regen. Als er die beiden aufforderte, sich doch Regenjacken anzuziehen, habe ihr Vorarbeiter dies abgelehnt: "Die brauchen keine. Das schadet den Deppen nicht, wenn ihnen der Schedl gewaschen wird."

Der Zeuge kennt beide Beteiligte aus mehreren Jahren in der Firma. Über den Angeklagten könne er nichts Schlechtes sagen: "Ein ruhiger Typ. Ich hatte ihn in der Hermannstraße in meinem Trupp: Das war ein vernünftiges Arbeiten, der hat seine Arbeit gemacht." Für ihn liegt der Quell des Übels bei dem später Verletzten: "Zu mir kamen oft Leute, die sagten: Der macht mich fertig, ich kann nachts nicht mehr schlafen." Ein kräftiger Maurer weinte am Abend nach einem Baustellen-Tag in dessen Truppe. Ein 23-jähriger Kanalbauer sagt vor Gericht: "Ich war bei ihm auch alles: ein Krüppel, ein Dappel... Den Rest mag ich hier nicht wiederholen."

Beide Chefs - senior und junior - kamen am Mittwoch, 13. September, zur Baustelle. Sie sprachen nur mit dem Vorarbeiter, der Besserung zusicherte. Mit dem Angeklagten redeten sie nicht. "Leider", sagt der Juniorchef (41) im Zeugenstand. "Es hat pressiert, wir hatten relativ viele Termine." Die Zeugenaussage des gesundheitlich angegriffenen Seniorchefs (77) wird verlesen: "Wir dachten, dass die Probleme aus der Welt geschafft wären. Es ist nicht so, dass wir niemals mit einem einfachen Maurer sprechen, aber die Sache war für uns erledigt. Das ist nicht so hochgehängt worden, wie es sich danach darstellte." Auf diese Weise erfuhr der Angeklagte auch nicht, dass die Chefs vorhatten, das Team in der Folgewoche endgültig zu trennen.

Kaum waren die Inhaber weg, "ging der Zirkus wieder los", sagt der Kapo der Stammtruppe. Am Freitagfrüh um 6.20 Uhr kam es schließlich zur Bluttat: Der Angeklagte radelte auf dem Firmenhof von hinten an den Vorarbeiter heran und schlug ihm ein Schlachterbeil tief in den Nacken. Drei Kollegen leisteten Erste Hilfe: "Ich habe die Wirbelsäule gesehen", sagt einer. Gemeinsam drückten die Drei die Wunde ab.

Der Seniorchef sagte zur Polizei: "Hätten wir gewusst, dass es solche Probleme gibt, hätten wir schon längst Maßnahmen ergriffen." Der Junior wunderte sich in den Tagen nach der Tat, dass "da Null Mitleid" mit dem Opfer besteht: "Ich dachte: Was ist denn da los?", sagt er. "Wir haben erst hinterher erfahren, was da alles vorgefallen ist." Ganz so ist es wohl nicht, wie die Richter ihm vorhalten: Außer dem Angeklagten, der sich 2016 einmal beklagt hatte, hatten sich noch mindestens zwei Bauarbeiter über diesen Kapo beschwert. Dem Juniorchef wurde auch eine Drohung des Angeklagten zugetragen: "Wenn er nicht aufhört, hau' ich ihm ein Messer rein." Der 41-Jährige: "Ich dachte, das seien Floskeln."

Wir dachten, dass die Probleme aus der Welt geschafft wären.Seniorchef

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