08.01.2018 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Brandmelder-Pflicht: Keine Kontrollen, aber lebenswichtig Ansturm auf Lebensretter

Seit 1. Januar gilt die Brandmelder-Pflicht. Kontrolliert wird das jedoch nicht. Trotzdem könnte es bei einem Brand Probleme mit der Versicherung geben - und lebensgefährlich sein.

Am Jahresende stieg der Verkauf an Rauchwarnmeldern bei der "Baywa" in Weiden schlagartig an. Manche Modelle waren kurzzeitig ausverkauft. Experten empfehlen Geräte mit dem Qualitätssiegel Q (rechts unten auf Verpackung). Bild: Schönberger
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Schrilles Piepen in der Wohnung, die Nachbarn rufen die Feuerwehr. Dreimal erlebte das Stadtbrandrat Richard Schieder in den letzten drei Monaten im Stadtgebiet. Jedes Mal stand Essen zu lange auf dem Herd, die Bewohner waren weg oder schliefen. Jedes Mal verhinderte ein Brandmelder Schlimmeres.

400 Menschen sterben in Deutschland jährlich bei Bränden. "Sehr oft in privaten Räumen und meistens im Schlaf", weiß Schieder. Denn der Mensch habe keinen Geruchssinn, wenn er schläft. Zwei Drittel aller tödlichen Rauchgasunfälle passieren nachts, meldet auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Und: 95 Prozent der Brandtoten sterben nicht an Verbrennungen, sondern an den Folgen des giftigen Rauchgases. Ein Alarm hätte die Opfer vielleicht früher geweckt.

Notwendiges Übel

Auch deshalb schreibt die Bayerische Bauordnung, Art. 46, Abs. 4 vor, "Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, die zu Aufenthaltsräumen führen", bis zum 31. Dezember 2017 mit Rauchwarnmeldern auszustatten. In den vergangenen Monaten verzeichnete Schieder täglich fünf bis sechs Anrufer, die Beratung wollten. Der Stadtbrandrat empfiehlt, beim Kauf auf ein bestimmtes Qualitätssiegel zu achten: Ein Q mit Flammen. "Dem können Sie vertrauen."

Für viele Leute ist die Anschaffung des Brandmelders trotzdem noch ein notwendiges Übel. Das zeigen etwa die Absätze im Weidener Baumarkt "Baywa". Das ganze Jahr über lief der Verkauf eher schleppend, bilanziert der Leiter des Bau- und Gartenmarktes Josef Lukas. "In den letzten Wochen des alten Jahres gab es dann einen regelrechten Run. Keiner in der Branche hätte gedacht, dass die Nachfrage am Jahresende so hoch sein wird" - sei doch die Nachricht vom neuen Gesetz seit Monaten in der Presse gewesen. Ein Produkt war in den letzten Tagen sogar kurzzeitig ausverkauft. Im "Hagebaumarkt" verlief der Absatz über die letzten Monaten hinweg linear, informiert Marktleiter Werner Bergler. Alle Prospekte hätten die Produkte stark beworben. "Der massive Werbedruck ist beim Verbraucher angekommen."

Tipps vom Versicherungsmakler

"Jemand, der Verantwortungsgefühl hat, kümmert sich schon seit Jahren um Brandschutz", befindet der Weidener Versicherungsmakler Michael Richthammer. Ob die Geräte tatsächlich in den privaten Räumen hängen, kontrolliere niemand.

Seien jedoch keine installiert und es passiere etwas, könne die Versicherung unter Umständen Leistungen verweigern oder kürzen. Richthammer empfiehlt deshalb, zu prüfen, ob in der Hausrat- und Gebäudeversicherung grobe Fahrlässigkeit mitversichert ist. Denn dann würde die Versicherung auch zahlen, wenn die Rauchwarnmelder fehlen oder nicht funktionieren.

Doch das solle keinen davon abhalten, keine Brandmeldeanlage zu haben. Richthammer rät dazu, sie vorher zu testen - auch damit die Kinder das Signal kennen. "Studien haben gezeigt, dass Kleinkinder den Alarm gar nicht wahrnehmen und einfach weiterschlafen." Der Versicherungsmakler und seine gesamte Verwandtschaft lernten eher unfreiwillig den Ton des Melders kennen: Sein Sohn hatte Geburtstag und bekam einen Kuchen, bestückt mit vielen Kerzen. Der Junge blies sie aus, in der Nähe des Brandmelders. Der schrillte, als der Rauch nach oben stieg. Richthammer freute sich: "Jetzt wissen wir wenigstens, dass das Gerät funktioniert." (blu)

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