Bruder des Maurers hält SMS nach der Tat für einen Scherz:
"Ach du Schmarrer"

(Symbolfoto) (Foto: Uli Deck/dpa)

20 Minuten nach der Tat schickte der Angeklagte eine SMS an seinen kleinen Bruder. 6.48 Uhr. "Hab den K. erschlagen. Wart auf die Polizei. Tschuldigung." Der Bruder hielt das für "Flachs" und schrieb zurück: "Ach, du Schmarrer. Wann hast du Arbeit aus?" Er wollte ihn wie alle Tage nach Feierabend abholen: Der Ältere half ihm beim Hausbau.

Weiden/Mantel. In der Familie des Angeklagten wäre niemand auf die Idee gekommen, dass der 39-Jährige einen Kollegen mit einem Schlachterbeil angreift. Am Freitag sagen der Bruder und die Eltern als Zeugen vor dem Schwurgericht aus. Der Vater (63) ergreift noch einmal das Wort, als er schon entlassen ist. Er verteidigt seinen Sohn: "Für mich ist die Tat im Bereich der Notwehr, weil er so drangsaliert worden ist."

Nur dem Bruder hatte der Maurer sein Herz ausgeschüttet, wenn man nach Feierabend an dessen Haus arbeitete. Bis 2014 war der Angeklagte bei einer Firma in Regensburg beschäftigt, die ihn im Zeugnis als ordentlich, zuverlässig, höflich, anständig beschreibt. 2015 zog er zurück nach Mantel, nachdem er seinen Führerschein freiwillig abgegeben hatte: Unter dem Eindruck von Epilepsie-Anfällen war es zu zwei Unfällen mit Blechschaden gekommen. In Mantel fand er problemlos Arbeit. Nur zeichneten sich rasch Probleme mit dem Vorarbeiter ab, dem er zugeteilt war. Er habe ihm oft erzählt, wie dieser ihm das Leben schwer mache, berichtet der Bruder vor Gericht.

Konkret erinnert sich der 32-Jährige an einen Vorfall auf einer Kindergarten-Baustelle, als der Kollege eine Scheibe mit dem Minibagger eingefahren hatte. "Und die Schuld hat er dann meinem Bruder gegeben, weil der nicht aufgeschaut hätte." Zuletzt habe er dem Älteren geraten, sich doch bei den am Ort ansässigen Betonfirmen zu bewerben, was dieser auch durchaus in Betracht gezogen habe. Die Brüder verstehen sich: "Wenn ich was hätte, würde ich das meiner Frau erzählen oder ihm."

Gegenüber den Eltern klagte der Angeklagte nicht. Bei der Mutter, die eine Gastwirtschaft betreibt, trank er manchmal sein Feierabendbier. Dabei habe er wenig von der Arbeit erzählt. "Er hat mir immer sehr geholfen daheim", lobt der Vater. Die Familie besitzt viel Wald. Der Sohn habe oft bis in die Nacht Holz gespalten. Der 39-Jährige sei das ausgleichende Element der Familie gewesen: "Er war immer der Ruhepol. Mein anderer Sohn und ich sind ein bisschen hitzköpfiger."

Das Vorstrafenregister ist (fast) blütenweiß. 2013 findet sich eine fahrlässige Gefährdung im Straßenverkehr im Bereich Regensburg.
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