04.02.2018 - 12:42 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Bürger in Macerata und Weiden fassungslos über Bluttat "Wir sind durch den Wind"

Die Szenerie erinnert an den Amoklauf im Münchner Olympia-Einkaufszentrum im Juli 2016: Am Samstagvormittag gibt die Stadt Macerata auf allen Kanälen die Meldung heraus, dass Bürger nicht außer Haus gehen sollen und die Schulen geschlossen sind, weil ein Mann um sich schießt. Das wirkt.

Auf den Stufen dieses Denkmals für die Weltkriegstoten verhafteten Polizisten den Amokschützen von Macerata. Im Vordergrund ist der schwarze Alfa zu sehen, aus dem er zwei Stunden lang um sich geschossen hat. Bild: Andrea Mozzoni/EmmeTV Macerata
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Das Rathaus in Macerata und die Einwohner sind wegen der ständigen Erdbebengefahr über soziale Medien, Apps und Rundfunksender gut miteinander vernetzt. In diesem Fall hat das Kommunikationssystem vielleicht noch Schlimmeres verhindert als sechs angeschossene Menschen. Der Schock über die Bluttat bleibt jedoch. "Wir sind alle durch den Wind, so was gibt's doch nicht", schreibt Pierluigi Tordini, Maceratas Tourismus-Manager, an Freunde in der Max-Reger-Stadt. "Aber leider hat sich das soziale Klima in letzter Zeit verschlechtert, und immer mehr Idioten wachsen nach", ist die Wut über die rassistische Bluttat herauszuhören.

Weidens Partnerstadt gilt nicht als rechte Hochburg. Seit Jahrzehnten regiert die Stadt ein Mitte-Links-Bündnis, populistische und extremistische Parteien erzielen Ergebnisse, die nicht groß vom Landesdurchschnitt abweichen. In Rankings über Wirtschaftskraft und Lebensqualität in italienischen Städten schneidet Macerata dagegen oft überdurchschnittlich gut ab. So kennt auch Stadträtin Stefanie Sperrer die italienischen Partner: "Das ist nicht Macerata, das war ein einzelner Verrückter", schreibt sie auf Whatsapp.

"Es ist tragisch, was in Macerata geschehen ist", kommentiert Oberbürgermeister Kurt Seggewiß am Sonntag das Geschehen. Er will am Montag Kontakt mit der Rathausspitze in der italienischen Partnerstadt aufnehmen. "Ich wünsche der Stadtgesellschaft Besonnenheit, und dass die Täter einer harten und gerechten Strafe zugeführt werden." Damit spielt er zugleich auf die zweite Bluttat an, die sich eine Woche zuvor in Macerata ereignet hat.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.