10.10.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Caritas Alten- und Pflegeheim St. Konrad in Weiden macht Urlaub vom Heimleben Einmal Nebelhorn und zurück

Drei Kleinbusse schlängeln sich durchs Allgäu. Darin sitzen 16 Bewohner aus dem Caritas-Heim St. Konrad samt Heimleiter Martin Kneidl und vier Betreuern. Gemeinsam machen sie eine Woche Urlaub. Die Hälfte ist demenzkrank, drei sitzen im Rollstuhl. Kann die Reise gutgehen?

Sie machen mit Heimleiter Martin Kneidl (rechts) Urlaub vom Heimleben.
von Externer BeitragProfil

Ja, kann sie. Zunächst bedarf sie des richtigen "Gepäcks". "Wir nehmen gute Laune und Gottvertrauen mit", sagt Kneidl. "Mein Humor muss mit. Sonst brauche ich nicht viel", sagt Bewohner Ernst Edler, 68 Jahre alt. "Natürlich haben wir auch alles dabei, was wir für die medizinische Versorgung brauchen: Medikamente, Handschuhe, Kanülen", erklärt stellvertretende Pflegedienstleiterin Elvira Völkl. "Auf in die Berge", freut sich Emma Baier (85).

Ziel ist das drei Stunden entfernte "Haus der Familie", 20 Kilometer südlich von Kempten, ein Haus für Gruppen, Familien und Menschen mit Handicap. Noch ist die Stimmung verhalten. Ein Mitfahrer sitzt blass und antriebslos im Kleinbus, drei Tage später wird er in Eigeninitiative Morgengymnastik auf seinem Balkon machen.

Natürlich könnte man im Vorfeld einer solchen Reise Bedenken äußern: Wie wirkt sich die veränderte Umgebung auf die Senioren aus? Wie werden die Nächte? Wie hält man die Gruppe zusammen? Kneidl konfrontierte sich zwar mit solchen Fragen, echte Sorgen quälten ihn aber nicht. Schließlich haben er und seine Kolleginnen schon viele Ausflüge mit den Senioren unternommen. Jedes Mal hieß es am Ende des Tages: "Wieso bleiben wir nicht länger?"

Zum Betreuungsteam gehörten auch stellvertretende Wohnbereichsleiterin Karina Zehent, die examinierte Altenpflegerin und Gerontofachkraft Marieluise Schärtl und Betreuungskraft Liane Hecht. Fünf Tage verbrachten die Weidener im Allgäu. Sie schipperten auf einem historischen Segelschiff über den Großen Alpsee, staunen auf dem Nebelhorn über den Blick aus 2000 Metern Höhe, besuchten eine Bergkäserei. Es waren herrlich sorglose Tage: "Die Senioren sind jeden Tag fitter geworden", sagt Kneidl. "Wir haben so viel gelacht", erzählt Edler vom Kutscherspiel und dem Theaterabend, an dem er ein Feuerwehrblaulicht mimte.

Das Team hatte aber auch Probleme zu meistern. Nachts spazierten demente Bewohner auf den Gang und fanden ihre Zimmer nicht mehr. Mehrmals holten die Betreuer sie zurück. Auch mussten sie besonders auf jene aufpassen, die tagsüber eine demenziell bedingte Weglauftendenz haben. Doch an den Herausforderungen wuchsen nicht nur die Betreuer, sondern auch die Senioren. "Wir haben einen unheimlichen Zusammenhalt erlebt", sagt Kneidl. Die einen Senioren halfen beim Schieben der Rollstühle, die anderen brachten Kaffee vom Frühstücksbuffet. Besonders gern erinnert sich Kneidl daran, wie die Reisenden gemeinsam zur Gondel am Nebelhorn marschierten - die Arme eingehakt.

Genau wie die anderen Urlauber genossen die Demenzkranken das Programm. Die Tage in den Bergen, Käsespätzle essen. Manche von ihnen vergaßen, an einem anderen Ort zu sein und fragten: "Wo sind wir hier?" Egal, Hauptsache Bergluft schnuppern und Seewind in den Segeln haben. Leben im Hier und Jetzt, das ist es ja, worum es bei Demenz geht - und im Urlaub übrigens auch.

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