17.04.2018 - 14:18 Uhr
Oberpfalz

Caritas-Fachambulanz Weiden-Neustadt/WN besteht seit 50 Jahren: An der Seite der Suchtkranken

Rund 15 000 Frauen und Männern aus Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN hat die Caritas-Fachambulanz für Suchtprobleme mit Rat und Tat geholfen. Jetzt feiert sie ihr 50-jähriges Bestehen.

Sie stehen mit Rat und Tat den Suchtkranken zur Seite: Das Team der Weidener Suchtambulanz mit Leiterin Katjenka Wild (Vierte von rechts), Caritas-Abteilungsleiter Dr. Stefan Gerhardinger (rechts) und Caritasdirektor Michael Weißmann (Zweiter von rechts). Bilder: Weigl/Caritas Regensburg
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Weiden/Neustadt. Wer nach etwas verlangt, wider jede Vernunft, gilt als süchtig. In Weiden hilft die Caritas seit 50 Jahren Menschen mit Suchtproblemen, egal ob es sich dabei um Alkohol, Medikamente oder Glücksspiel handelt. Hochgerechnet 15 000 Frauen und Männer aus der Stadt Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN erhielten seither dort Hilfe und Beratung. Das Goldene Jubiläum feierte die Fachambulanz für Suchtprobleme nun mit Gottesdienst und Festakt in der Pfarrei St. Josef.

"Die Menschen, die in unsere Beratungsstelle kommen, haben am eigenen Leib oft heftige Erfahrungen gemacht. Es geht um Suchtprobleme mit Alkohol, Nikotin, illegalen Drogen, Glücksspielen, Essstörungen und andere Abhängigkeiten. Sucht kann so stark einschränken, dass man auf die Idee kommen könnte, das eigene Leben ist nichts mehr wert", sagte Michael Weißmann in seiner Predigt. Das Gefühl, als Mensch nichts mehr wert zu sein, könne schnell schwermütig machen. Viele Menschen gingen in den vergangenen 50 Jahren in Weiden durch Phasen tiefer, seelischer Depression, wenn sie oder indirekt auch ihre engsten Angehörigen von einer Suchterkrankung betroffen waren. Diese Menschen haben "an unserer Beratungsstelle dann ganz andere Erfahrungen gemacht". Sie erkannten, dass sich in dieser Beeinträchtigung auch Möglichkeiten für Neues auftun können, so der Caritasdirektor.

Flächendeckend

Bereits seit mehr als 90 Jahren ist die Caritas in der Diözese Regensburg in der Suchthilfe tätig. 1967, ein Jahr bevor Alkoholismus sozialrechtlich als behandlungsbedürftige Krankheit anerkannt wurde, ist in Weiden die "Beratungsstelle für Suchtkranke" in Trägerschaft des Caritasverbandes für die Diözese Regensburg e.V. eingerichtet und mit einem Sozialarbeiter besetzt worden. Ab 1976 wurden zusätzlich ambulante Behandlungsprogramme angeboten. Und fünf Jahre später wurde aus der halben Stelle dann ein Dienst, in der zwei Diplom-Sozialpädagogen, eine Diplom-Psychologin und eine Verwaltungsangestellte arbeiteten. Erst 1993 wurde die Caritas-Beratungsstelle dann umbenannt in Fachambulanz für Suchtprobleme. Heute sind dort insgesamt neun Mitarbeiter beschäftigt. Zwischenzeitlich habe sich die Suchthilfe zu einem flächendeckenden Beratungs- und Behandlungsangebot Ostbayerns entwickelt.

Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher und Oberbürgermeister Kurt Seggewiß betonten die Wichtigkeit des Caritas-Angebotes für die gesamte Region. "Der Bezirk investiert insgesamt 2,5 Millionen Euro in die ambulanten Suchthilfe-Dienste", sagte Höher. Sie seien eine notwendige Ergänzung zu den stationären Einrichtungen. Dr. Markus Wittmann, Ärztlicher Direktor des medbo Bezirksklinikums Wöllershof, gratulierte zum Jubiläum und erläuterte, wie wichtig die Vernetzung von ambulanten und stationären Angeboten in der Suchthilfe für Patienten und Klienten sei.

Für Thema sensibilisieren

Beim Festakt im Pfarrsaal bedankte sich Michael Weißmann bei allen Mitarbeitern für deren wertvolle Arbeit. Stellvertretend dafür erwähnte er den langjährigen Leiter Gerhard Krones und die jetzige Chefin Katjenka Wild. Viele Suchtkranke hätten mithilfe der Fachambulanz ihre Abhängigkeit überwunden, andere wären durch die Präventionsarbeit für das Thema sensibel geworden.

"Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Aufgaben der Fachambulanz gewandelt", sagte Katjenka Wild. Das Angebot richte sich immer auch nach den Nöten der Betroffenen. Während in den 80er-Jahren die Tabuthemen Alkoholismus und Cannabissucht im Mittelpunkt der Arbeit standen, begegneten den Suchtexperten mit der Jahrtausendwende neue Themen wie Crystal-, Medien- oder Glücksspielsucht. Bei Einführung der offenen Sprechstunde im Jahr 2015 lautete die Schlagzeile "Schnelle Hilfe für Süchtige". Ein Erfolg, der die Arbeit der Fachambulanz widerspiegele. "Bei allen Herausforderungen der Suchthilfe geht es im Kern aber stets darum, den Betroffenen eine Anlaufstelle zu bieten, mit Rat und Hilfe da zu sein und gemeinsam mit ihnen Wege aus der Sucht zu finden", sagte Wild.

 

 

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