Chefarzt Dr. Michael Angerer referiert bei SPD AG 60plus
Jede Minute zählt beim Schlaganfall

Ursula Kinner überreicht Dr. Michael Angerer eine Spende von 200 Euro für die Selbsthilfegruppe Schlaganfallpatienten. Bild: rdo

Bei Symptomen eines Schlaganfalls ist schnellstes Handeln nötig. Über den Notruf 112 muss unverzüglich der Notarzt gerufen werden. Denn je mehr Zeit verrinnt, desto mehr Gehirnzellen gehen verloren - und das unwiederbringlich.

Das legte der Chefarzt der Schlaganfallstation "Stroke Unit" am Klinikum Weiden, Dr. Michael Angerer, seinen Zuhörern eindringlich nahe. Er referierte auf Einladung von Vorsitzender Ursula Kinner vor zahlreichen Mitgliedern der SPD-AG 60plus in der Caféteria des Klinikums zum Thema Schlaganfall.

Der Mediziner verwies auf jährlich 200 000 Schlaganfallerkrankungen in Deutschland, in der nördlichen Oberpfalz sind es rund 900. 85 Prozent aller Schlaganfallereignisse entstehen durch einen Aderverschluss mit Durchblutungsstörung, bei den restlichen 15 Prozent handelt es sich um Blutungen im Gehirn, die beispielsweise durch ein Vorhofflimmern ausgelöst werden können. "Ein Schlaganfall tut nicht weh im Gegensatz zu einem Herzinfarkt, der Schmerzen auslöst", erläuterte Angerer. Symptome seien Lähmungserscheinungen einer Körperseite mit oder ohne Gefühlsstörungen, plötzliche Sprachstörungen, heftiger Schwindel mit Erbrechen sowie Gangunsicherheit. All dies würde auf einen Schlaganfall hindeuten. Betroffene oder deren Angehörige sollten sofort den Notarzt rufen. Denn es gelte: "Zeit ist Gehirn."

In Weiden stehen 12 Betten auf der "Stroke Unit" zur Verfügung. Die Neurochirurgen könnten per Thrombektomie über die Leiste mit einem Katheter schonend eine Ablagerung entfernen. Eine intravenöse Lysetherapie zur Auflösung eines Blutgerinnsels könne nur erfolgen, wenn der Patient innerhalb von weniger als viereinhalb Stunden in der Klinik ist.

Zur Diagnostik dienen Computer- und Kernspintomographie, Ultraschalldiagnostik der hirnversorgenden Arterien, EKG, Blutdruckmessungen sowie eine Blutanalyse. Für Patienten stehen im Bedarfsfall Beratung und Hilfe zu Pflegemaßnahmen, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und sozialen Diensten zur Verfügung.

Als Risikofaktoren gelten Bluthochdruck (12-faches Risiko für einen Schlaganfall) sowie Diabetes und Rauchen mit jeweils zwei- bis dreifach erhöhtem Risiko. Mehrfachfaktoren erhöhen die Anfälligkeit entsprechend. Die Veranlagung im Familienkreis könne Hinweise auf ein vererbtes Gefahrenpotenzial sein.

Als Möglichkeiten zur Prävention, eventuell sogar zur Verhinderung eines Schlaganfalls, nannte der Referent eine ausgewogene und gesunde Ernährung, Gewichts-, Diabetes- und Blutdruckkontrolle sowie viel Bewegung. Alkohol sollte nur in geringen Mengen konsumiert werden. Zwei Zuhörer berichteten von guten Erfahrungen auf der Weidener "Stroke Unit". Der Chefarzt wies auf die bestehende Selbsthilfegruppe für Schlaganfallpatienten hin, die Hilfe und Rat für Betroffene und deren Angehörige bietet.
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