Das Maß aller Dinge: Herren Maßschneider Andreas Moller über Mode in Bestform
Eine Klasse für sich

Andreas Moller absolvierte eine klassische Schneiderlehre, studierte anschließend an der Meisterschule für Mode in München und sammelte endlich zwei Jahre lang Erfahrungen in der Savile Row in London, dem Sitz der besten Herrenausstatter Englands. Bild: Eimer

In der Atelierwerkstatt von Andreas Moller hängt ein fast Meter hohes Foto - eine Aufnahme von anno dazumal: Drei Frauen und ein kleines Mädchen stehen vor einem Haus, oben vom Fenster schaut ein Mann heraus. "J. Moller - Herrenschneider" steht auf einem Schild. "Dort in einer Seitenstraße, in der heutigen Fußgängerzone fing vor über 125 Jahren alles an", erzählt Andreas Moller, Modedesigner und Maßschneider in der vierten Generation.

Ein faszinierender Ort - diese Atelierwerkstatt in der Moosfurtsiedlung. Überall liegen exquisite und teure Stoffe herum, ein Hauch von Luxus weht durch den Raum, und als Kontrast: nostalgische Nähmaschinen, die von vergangenen Zeiten kunden. Es scheint, als wären sie direkt aus der Schwarzweiß-Fotografie herausgefallen. "Die Nähmaschinen symbolisieren die lange Tradition der Schneiderdynastie Moller und beste handwerkliche Tradition."

Schneiderkunst, das hat für Andreas Moller viel - nein, ausschließlich mit Handwerk zu tun. Nichts von der Stange - das ist der Ehrenkodex des Weidener Herren Maßschneiders, der zuerst eine klassische Schneiderlehre absolvierte, anschließend an der Meisterschule für Mode in München studierte und endlich zwei Jahre lang Erfahrungen in der Savile Row in London, dem Sitz der besten Herrenausstatter Englands, sammelte.

Der Berufsweg war keineswegs vorbestimmt. Zwar lief der kleine Andreas Moller als Kind ständig durch die Schneiderwerkstatt seines Vaters, der Familientradition fühlte er sich aber nicht verpflichtet. Vielmehr kam er über Umwege zur Mode. Sein Hang zum Individualismus suchte nach Neuem. Die Erkenntnis nach Abschluss dieser Suche: Das Neue ist das Alte. "Wir arbeiten heute noch wie vor 100 Jahren, da es eben keine Vereinfachungsmöglichkeiten gibt, jede unnötige Modernisierung ist eine Verschlechterung der Qualität."

Leisten können und wollen

Natürlich: Wer einen Herren Maßanzug möchte, muss sich diesen leisten können - oder wollen. Andreas Moller unterscheidet vier Anzugstypen: "Der Perfektionist will in jeder Situation richtig angezogen sein, Mode interessiert ihn nicht, zeitloses Auftreten schon - Maßanzüge sind für ihn deshalb das Maß aller Dinge." Der Qualitätsbewusste lege Wert auf Qualität, Langlebigkeit und Wohlgefühl. "Der Individualist will seine Einmaligkeit durch die Hülle zum Ausdruck bringen. Der Modebewusste orientiert sich an Paris, Mailand und London, trägt die Anzüge so, wie es gerade in ist", erzählt Andreas Moller. Kunden des Maßschneiders kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, aber auch und gerade aus Weiden.

Einen Maßanzug kauft man nicht eben so - das ist eine Philosophie, ein Weg, der Zeit und Entscheidungen abverlangt. Im Gegensatz zu einem Konfektionsanzug gibt es bei Maß nur eine Größe, nämlich die eigene. "Dafür verwende ich die besten Naturmaterialien wie Kaschmirwolle, Seide oder Horn." Taschen, Schulter und Kragen werden individuell angefertigt, Stoffe können vorab mit nach Hause genommen werden, bevor eine Entscheidung für das Material fällt - kurzum: "In einem Maßanzug steckt Individualismus pur."
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