22.03.2018 - 19:52 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Demokratie-Workshop findet am Kepler-Gymnasium statt "Kepler": Diskurse üben

Es ist ein Workshop über Demokratie, der in Schulen in ganz Deutschland gehalten wird. Doch die Ankündigung am Kepler-Gymnasium hat für mehr Aufsehen gesorgt. Die AfD witterte "Gehirnwäsche". So läuft's am Donnerstag tatsächlich ab.

Missstände im Auge, die Hard-Rock-Band AC/DC im Herzen: Im Demokratie-Workshop malen Schüler auf, wie sie sich ihren "idealen Politiker" vorstellen. Bild: Schönberger
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Einige Zehntklässler stehen in Zweiergruppen im Klassenzimmer und diskutieren. Der eine redet für eine Minute, der andere hört zu. Dann wechseln die Rollen. "Das war ganz schön schwer, den anderen reden zu lassen. Vor allem wenn man nicht derselben Meinung ist", stellt eine Schülerin danach fest.

Die Zehntklässler sind im vierstündigen Workshop "Demokratie erleben, Demokratie leben, Demokratie beleben". Knapp 120 Schüler nehmen am Donnerstag daran teil, aufgeteilt auf sechs Gruppen. Gerade läuft der Programmpunkt: "Streitet euch! - Über Streit in einer Demokratie." Verschiedene Multiplikatoren des Netzwerks für politische Bildung der Universität Augsburg, vermittelt durch die Georg-von-Vollmar-Stiftung, leiten ihn an.

Ziel: Anderen zuhören

"Was ist, wenn wir uns nicht mehr streiten würden?", fragt eine Referentin. "Man verliert den Bezug zur Realität, weil man nur in seinem eigenen Kopf festhängt", antwortet eine Schülerin. Jetzt kommt die gegenteilige Frage: Was, wenn man Meinungsverschiedenheiten immer feindselig austragen würde? "Dann wären unsere Krankenhäuser ganz schön überlastet", antwortet eine Zehntklässlerin lakonisch. Ideal wäre der Kompromiss, nämlich respektvoll miteinander zu diskutieren, befindet die Gruppe. Beim Thema Stammtischparolen weist eine Schülerin darauf hin, den Begriff vorsichtig zu benutzen: "Nicht jeder Stammtisch tendiert zu einseitigen Meinungen." Die Diskussionen in den Workshops sind differenziert und gehen in die Tiefe. Parteien spielen im Programm keine Rolle. Das ist jedenfalls der Eindruck von Schulleiterin Sigrid Bloch: "Es geht nicht um Parteien, ob rechte oder linke. Es geht um Demokratie. Die Schüler lernen zuzuhören, auch wenn jemand eine andere Meinung hat." Referent Fabian Prillinger pflichtet ihr bei: Ziel des Workshop sei es, Schüler dazu aufzufordern, "in einen politischen Diskurs mit Andersdenkenden zu treten, um gemeinsame Lösungen zu finden".

Eine andere Referentin des Netzwerks für politische Bildung gibt zu, dass sie überrascht war von dem Feedback auf die Veranstaltungsankündigung: "Das ist das erste Mal, dass es solche Reaktionen gab." Ihren Namen will sie nicht nennen, "aufgrund der Situation, die sich darum aufgebaut hat", wie sie sagt. Auch der Leiter des Netzwerks für politische Bildung, Christian Boeser-Schnebel, weist in einem Telefongespräch darauf hin, dass es bei den vergangenen 250 Workshops des Netzwerk keinen derartigen Aufschrei gab. Die Beschreibung "Argumentationstraining gegen Rechts", den die Schule in einer ersten Ankündigung an die Eltern verwendete, gebrauche das Netzwerk nicht. Das sei auch nicht Ziel oder Thema des Workshops. "Unser Ziel ist es, die Dialogfähigkeit in der Gesellschaft zu fördern. Das, was vor der Veranstaltung in Weiden passiert ist, beweist, dass es hier noch viele Probleme zu bearbeiten gibt", sagt er.

Mehrheit nimmt teil

Auch nachdem den Schülern die Teilnahme zu dem Workshop freigestellt wurde, sind laut Schulleiterin Bloch eine "überwältigende Mehrheit", also mehr als 80 Prozent der etwa 140 Schüler, mit dabei. Die restlichen hatten stattdessen Regelunterricht - weil sie sich bewusst gegen das Seminar entschieden haben, weil sie krank sind oder weil sie vergessen haben, den Anmeldebogen rechtzeitig abzugeben.

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