10.07.2017 - 22:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Der Brandschutz in Bussen steht in der Diskussion Bevor der Bus brennt

Der Brandschutz in Bussen steht zur Diskussion. Braucht es mehr Richtlinien, wie zum Beispiel im Schienenverkehr? In Zukunft wird es für Neuzulassungen mehr Vorschriften geben, aber die Feuerwehr fordert eine Nachrüstung.

Busse sind ein beliebtes Reisemittel. Nun steht der Brandschutz in den Fahrzeugen auf dem Prüfstand. Archivbild: Jan Woitas/dpa
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Erbendorf/Weiden. Auf der A 9 bei Münchberg (Kreis Hof) brennt ein Reisebus vollständig aus, 18 Menschen kommen ums Leben. Bei Erbendorf (Kreis Tirschenreuth) muss ein Schulbus wegen eines technischen Defekts im Motorraum anhalten. Das Feuer wird ohne Probleme gelöscht. Verletzt wurde niemand.

"Bei Bussen wird nicht in diesem Maß auf Brandschutz getestet, wie beispielsweise bei der Bahn", moniert Kreisbrandmeister Herbert Thurm aus Erbendorf. "Da könnte man sich schon Gedanken machen, ob die Richtlinien bei Bussen nicht angeglichen werden sollten. Dafür braucht es aber ein Gesetz." Auch das Unglück auf der A 9 wäre wohl weniger schlimm ausgegangen, wenn feuerfesteres Material verbaut gewesen wäre, meint Thurm. Im Schienenverkehr sind Brandschutzmaßnahmen strikt geregelt. So schreibt die Europäische Kommission technische Spezifikationen vor. Nach einer Norm sind europaweit einheitlich die brandschutztechnischen Anforderungen aller verwendeten Werkstoffe in Schienenfahrzeugen festgelegt.

Ständige Überprüfung

Die Vorschriften regeln unter anderem die Werkstoffanforderungen, die Art und Anzahl der Feuerlöscher, Notbeleuchtung und Rauchschutzsysteme. "Diese Anforderungen unterliegen einer ständigen kritischen Überprüfung und werden fortgeschrieben, wenn es neue Erkenntnisse gibt", teilt das Eisenbahn-Bundesamt mit. Bei Bussen gibt es diese Richtlinien nicht.

Der TÜV-Süd will sich nicht zum Thema Brandschutz in Bussen äußern. "Unsere Experten werden aufgrund der laufenden Ermittlungen zum Unglück auf der A 9 im Moment keine Aussagen zu diesem Thema machen", erklärt ein Sprecher.

Alfred "Fredi" Weiß, Vorsitzender des Bezirksverbandes der Feuerwehren in der Oberpfalz, sieht Möglichkeiten zur Verbesserung des Brandschutzes in Bussen. "Neuere Busse haben Rauchmelder im nicht einsehbaren Bereich, das heißt im Motor- und Laderaum", erklärt er. Ältere Modelle jedoch nicht und es bestehe keine Pflicht auf Nachrüstung. Weiß argumentiert: "Das ist durch eine Richtlinie aber machbar und einfacher umzusetzen als die Forderung, weniger brennbares Material zu verbauen. Die Pflicht zur Nachrüstung von Rauchmeldern in Bussen werden wir als Feuerwehr einfordern." Die Grammer AG in Amberg produziert Sitze für den Schienen- und Busverkehr. "In der Produktion unterscheiden sich Bus- und Bahnsitze nicht notwendigerweise. Zum Teil werden jedoch in der Herstellung unterschiedliche Grundmaterialien verwendet, welche mit brandhemmenden Stoffen versehen sein können oder behandelt wurden", teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit. Bei der Abnahme der Bussitze gebe es andere Prüfverfahren als bei Sitzen für den Bereich des Schienenverkehrs. Die Frage nach einer möglicherweise unterschiedlichen Entzündbarkeit bei Sitzen sei pauschal nicht zu beantworten, erklärt ein Sprecher.

Einbauort geprüft

Für eine notwendig gewordene Veränderung der Regelung bei Sitzen in Bussen spricht, dass bereits ab Ende Juli 2017 eine neue Vorschrift zum Brandschutz für neu zugelassene Fahrzeugtypen in Kraft tritt. Ein Sprecher der Grammer AG erklärt: "Der Unterschied zwischen den beiden Bestimmungen bedeutet auf die Sitzmaterialien bezogen, dass nicht nur die Brandgeschwindigkeit in horizontaler Lage bewertet wird, sondern zukünftig zusätzlich auf die Einbaurichtung und den Einbauort bezogen geprüft wird."

Die Pflicht zur Nachrüstung von Rauchmeldern in Bussen werden wir als Feuerwehr einfordern.Alfred "Fredi" Weiß

Erbendorfs Busse auf Höhe der Zeit

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