04.08.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Der Leseranwalt schreibt: Hetzkampagne auf Facebook

Manchmal geht es ganz schnell, mit bösen Folgen. Ein Bademeister des Naturbades Furth in Oberhaching wurde Opfer falscher Beschuldigungen. Die Süddeutsche Zeitung sprach von einem "entsetzlichen" und "ehrverletzenden" Rufmord.

von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Weiden/Amberg. Nun fragen Sie sich als Leser der Zeitungen und des Internetportals (Onetz) von Oberpfalz-Medien vielleicht: Was interessiert mich ein Vorfall in München? Die Antwort ist ganz einfach: Es geht wieder einmal um Facebook und den verantwortungslosen Umgang damit. Was dieser Tage in Oberhaching geschehen ist, kann heute schon in unserer Region passieren.

Mit Polizei abgesprochen

Zur Vorgeschichte: Ein Bademeister des Freibades Furth hatte eine Mutter gebeten, ihrer dreijährigen Tochter eine Badehose anzuziehen. Ein mit der Unterhachinger Polizei abgesprochenes Vorgehen, damit Menschen mit pädophilen Interessen nicht auf ihre Kosten kommen. Der Mutter des Kindes indes passte die Hartnäckigkeit des Bademeisters nicht: In einer geschlossenen Facebook-Gruppe zog sie gegen ihn so richtig vom Leder.

"Gerüchte werden von Dummen verbreitet und von Idioten geglaubt, heißt es", so beginnt die SZ ihren Bericht darüber. Doch das werde Heinz E., dem Bademeister des Further Naturbades, kaum zum Trost gereichen. "Er ist Opfer eines Gerüchtes, gar eines entsetzlichen, ehrverletzenden Rufmordes geworden", hält die SZ fest und stellt zugleich klar: Heinz E. "hat keineswegs ein dreijähriges nacktes Mädchen im Further Naturbad sexuell belästigt, wie dies (...) eine Userin auf Facebook postete und damit einen Shitstorm auslöste, der weite Kreise zog". Auch Boulevardzeitungen hätten den Vorwurf zunächst weitertransportiert, um dann einen Tag später zu vermelden, dass alles vollkommen haltlos sei. Für Stefan Schraut, den Leiter der Unterhachinger Polizeiinspektion, ist dieser Fall laut SZ "ein Lehrstück darüber, was man mit Facebook alles anstellen kann".

Was tatsächlich passiert ist im Further Freibad, schildert die Süddeutsche Zeitung so: Wie so oft an heißen Sommertagen habe der Bademeister ein Kind entdeckt, das splitterfasernackt war. Für Heinz E. und seine Kollegen sei es Routine, die Eltern dann dazu anzuhalten, ihren Kindern eine Badehose anzuziehen.

Sein Ziel sei es, sagte der Bademeister laut Bericht zur SZ, das Bad für Pädophile uninteressant zu machen, für Leute, "die gerne an den Zäunen luren". In diesem Sinne verhalte sich auch das Kiosk-Personal, wenn zum Beispiel Mütter mit nackten Kindern zum Eiskaufen kämen. Und deshalb habe er auch dieses Mal darauf bestanden, dass die Mutter ihrer dreijährigen Tochter ein Höschen anzieht.

Üble Beschimpfungen

Die SZ ergänzend: Heinz E. "vertraut dann nicht auf die Einsicht der Eltern, sondern bleibt grundsätzlich so lange beim nackten Kind stehen, bis dessen Scham bedeckt ist" - was die meisten Mütter auch verstünden. Dieser Frau jedoch sei die Beharrlichkeit des Bademeisters missfallen, was sie anschließend in einer geschlossenen Facebook-Gruppe zum Ausdruck gebracht habe. Konsequenz laut SZ: "Kurze Zeit darauf machten sich mehrere Dutzend Facebook-Nutzer öffentlich über den Bademeister her und überboten sich mit gehässigen Kommentaren und üblen Beschimpfungen. Binnen weniger Posts wurde aus einem Bademeister, der Kinder vor Pädophilen schützen will, ein Kinderschänder gemacht. Sie habe gehört, dass die Tochter ihrer Freundin von dem Bademeister sexuell belästigt worden sei, postete eine Userin. Sie vermute, dass der Bademeister pädophil sei, gab kurz darauf eine andere öffentlich zum Besten. Und je länger sich die Facebook-Nutzer auf dieser Plattform entrüsten konnten, desto dramatischer wurden ihre Schilderungen des ,Skandals'."

Mutter vernommen

Sogar die Polizei schaltete sich ein, weil sie von einem Anfangsverdacht ausgehen musste. "Ein paar Stunden später wurde die Mutter auf der Dienststelle vernommen und entkräftete alle Vorwürfe gegen den Bademeister", schrieb die Süddeutsche Zeitung. Ihr zufolge erklärte die Frau, die Dreijährige habe vor dem Bademeister Angst gehabt. Den "Ärger darüber" postete die Mutter in der geschlossenen Facebook-Gruppe.

Der Fall ist aus Sicht der Polizei erledigt. Ob Heinz E. oder die Freibad-Verantwortlichen Anzeige wegen übler Nachrede stellen werden, sei noch offen, so der Stand der Dinge, als der Zeitungsartikel erschien. Der Leiter der Polizeiinspektion telefonierte noch einmal mit der Mutter. "Die dreht ein wenig am Rad, auf sie prasselt jetzt auch einiges ein", erzählte er der SZ. Und der Bademeister? "Für mich ist das alles schon sehr hart", das waren seine Worte.

"Sämtliche Vorwürfe waren haltlos"

Auf der Internet-Seite des Naturbades Furth in Oberhaching gibt der Trägerverein der Freizeiteinrichtung eine Stellungnahme zu den schweren Vorwürfen auf Facebook vom 25. Juli 2017 ab. Darin heißt es unter anderem:

"Ein Bademeister vom Naturbad Furth wurde Opfer falscher Beschuldigungen. Hintergrund: Ein Gast ärgerte sich über die Durchsetzung der Bekleidungspflicht bei seinem Kind und machte seinem Unmut bei Facebook Luft. Was folgte, war eine Hetzkampagne, bei der der Vorfall mit jedem Kommentar noch dramatischer und drastischer geschildert wurde. Schließlich musste die Polizei den Vorfall untersuchen. Das Ergebnis: Der Bademeister wurde zu Unrecht beschuldigt. Sämtliche Vorwürfe waren haltlos."

Der Trägerverein erklärt auch die Hintergründe der Bekleidungspflicht: "Leider gibt es Menschen, die besonders in Freibädern nach nackten Kindern Ausschau halten. Sind alle Badegäste bekleidet, ist das Schwimmbad für Pädophile uninteressant. Deshalb gilt im Naturbad Furth eine Bekleidungspflicht, auch für Kinder. Plakate weisen darauf hin. Die Polizei hilft unserem Personal, Gefährdungssituationen zu erkennen und Kinder vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Auch wird gezeigt, wie wichtig es ist, die Bekleidungspflicht bei Kindern durchzusetzen."

Der Vorstand der "Freunde Further Bad" macht zudem klar: "Gegen die Verfasser der üblen Unterstellungen auf Facebook behalten wir uns rechtliche Schritte vor." (kan)

Ein Lehrstück darüber, was man mit Facebook alles anstellen kann.Stefan Schraut, Leiter der Unterhachinger Polizeiinspektion
Für mich ist das alles schon sehr hart.Der betroffene Bademeister Heinz E.

 

 

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