20.06.2017 - 21:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Deutscher Wetterdienst warnt Höchste Waldbrandgefahr in der Oberpfalz

Der Sommer ist da - und mit ihm die Waldbrandgefahr. Der Deutsche Wetterdienst hat für fast die gesamte Oberpfalz die höchste Waldbrandgefahrenstufe ausgerufen. Zur Vorsorge drehen die ganze Woche Luftbeobachter über gefährdeten Gebieten ihre Runden.

Feuerwehrleute löschen im August 2015 einen Waldbrand in Pressath. Wegen des trockenen Bodens ist das nicht immer leicht. Archivbild: bgm
von Eva Hinterberger Kontakt Profil

Die Chance, dass die Luftbeobachter einen Waldbrand entdecken, ist groß. "Bei dieser Wetterlage sehen wir in der Luft 50 bis 60 Kilometer weit", sagt der Bereitschaftsleiter am Flugplatz Schmidgaden, Dieter Naber. "Da entdecken wir jede Rauchwolke." Ist das der Fall fliegt der Pilot näher ran. "Dann überprüfen wir, ob es sich tatsächlich um ein Feuer handelt, und wenn ja, ob es gemeldet oder ein unkontrollierter Brand ist." Ist das der Fall, wird per Funk die Einsatzstelle alarmiert.

Fahrlässigkeit ein Problem

Jedes Flugzeug ist mit einem ehrenamtlichen Piloten und mindestens einem ausgebildeten Luftbeobachter besetzt. Sie sind jeden Tag zur gleichen Zeit unterwegs: von 13 bis 14 Uhr und 18 bis 19 Uhr. Das hat seine Gründe. "Die erste Runde fliegen wir in der Mittagshitze, die zweite in den frühen Abendstunden, wenn die Leute heimfahren", sagt Naber. Denn: Fahrlässigkeit ist ein häufiger Grund für Waldbrände. "Weggeworfene Zigarettenkippen oder ein nachlässig gelöschtes Lagerfeuer", warnt Richard Meier, Kreisbrandrat in Neustadt/WN. Aber auch zerbrochene Glasscheiben können bei Sonnenschein wie ein Brennglas wirken und Gras in Brand stecken. Problematisch sind in diesem Zusammenhang auch Johannisfeuer. Zum Teil wurden sie schon abgesagt.

Die Entscheidung zur Waldbrandluftbeobachtung fällt die Regierung der Oberpfalz in Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftsministerium. "Wir bekommen dreimal die Woche eine Meldung vom Deutschen Wetterdienst mit den aktuellen Einschätzungen. Danach entscheiden wir", erklärt Katastrophenschutzsachbearbeiter Horst Nunhofer. Bei Waldbränden gibt es fünf Stufen. "Ab Stufe vier wird geflogen."

Aktuell herrscht fast in der gesamten Oberpfalz Stufe fünf - die höchste. "Die Einteilung der Stufen erfolgt aufgrund von Temperatur, Niederschlag und Bodenbeschaffenheit." Vor allem in der mittleren Oberpfalz gebe es viele sandige Böden, die nur wenig Feuchtigkeit speichern können, erläutert Nunhofer.

Das Feuer geht am Stamm entlang bis in die Wipfel und breitet sich von dort aus.Kreisbrandrat Richard Meier über die Gefahr von Wipfelbränden

Besonders gefordert

Der trockene, oft torfhaltige Boden stellt dann auch die Feuerwehrleute im Falle eines Waldbrands vor besondere Aufgaben. "Das Feuer geht nach unten", erklärt Kreisbrandrat Meier. Die Feuerwehrleute müssten dann umgraben, damit genügend Wasser in den Boden eindringen kann. Eine weitere Gefahr im Wald: Wipfelbrände. "Das Feuer geht am Stamm entlang bis in die Wipfel und breitet sich von dort aus."

In der Region habe es in den vergangenen Jahren aber kaum größere Waldbrände gegeben, betont Meier. Zum Glück. Denn der Schaden für die Waldbesitzer ist groß. "Sind sie nicht dagegen versichert, müssen sie alles aus eigener Tasche zahlen - außer der Verursacher wird gefunden. Dann muss der zahlen", weiß Christoph Parzefall vom Bayerischen Bauernverband.

Kein Regen in Sicht

Für Juni ist diese Wetterlage schon ein "Brett", sagt Oberpfalz-Medien-Wetterexperte Andy Neumaier. Hitzerekorde sind möglich, denn bislang sind für diesen Monat in Amberg "nur" 35,3 und in Weiden 34,7 Grad zu schlagen. Mit einigen, allerdings kaum wahrnehmbaren Auf und Abs erreichen wir bis Mitte der kommenden Woche wohl nahezu täglich die 30-Grad-Marke, am "kühlsten" wird dabei das Wochenende mit 27 bis 31, am heißesten mit stellenweise 35 oder 36 Grad der Donnerstag und auch wieder zum Montag/Dienstag hin.

Unter einem Hoch bleibt es auch überwiegend sonnig, und so entwickeln sich in der Hitzeglocke nur örtliche Gewitter, die punktuell für Regen sorgen können. Wie immer ist das laut Neumaier eine Laune der Natur, und nicht wirklich absehbar, wen es dabei trifft, und wen nicht.

Am größten ist die Wahrscheinlichkeit dabei am Donnerstagabend und in der Nacht zu Freitag. In diesem Fall drohen dann, sollten sich überhaupt Gewitter bilden, auch gleich wieder Unwetter mit Sturm und Hagel - und das ist so ja auch nicht unbedingt gewollt. Regen in der Fläche, so wie man ihn gut brauchen könnte, ist nicht in Sicht.

Am schlechtesten bislang mit Regen bedacht wurde im Juni ein Streifen vom südlichen Landkreis Amberg- Sulzbach über den nördlichen Landkreis Schwandorf bis in die Region südlich und östlich von Weiden. Hier hat es in diesem Montag stellenweise noch nicht einmal für 20 Liter/Quadratmeter gereicht. Etwas besser mit 40 bis 60 Litern war es im nördlichen Amberger Kreis und im Landkreis Tirschenreuth. Aber auch das ist angesichts der Hitze und der hohen Verdunstungsraten nur ein Tropfen auf den heißen Stein, liegt der letzte Regen ja auch schon 12 Tage zurück.

Vielleicht stellt sich die Wetterlage Mitte der kommenden Woche wieder etwas um, so dass Regengebiete auch in größerer Fläche eine Chance bekommen. Aber bis dahin ist man auf die Gunst lokaler Hitzegewitter angewiesen, sofern diese nicht gleich mit Sturm und Hagel aufwarten, so Neumaier.

Grillplätze im Nationalpark Bayerischer Wald gesperrt

Wegen der derzeit stark erhöhten Waldbrandgefahr hat die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald mit sofortiger Wirkung sämtliche Grillplätze im Parkgebiet gesperrt. Außerdem wird darum gebeten, das Rauchverbot einzuhalten sowie keinerlei Glas oder anderen Unrat in der Natur liegen zu lassen.

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