DGB-Frauen laden zum Internationalen Frauentag ein
Nur ein Stück vom Kuchen reicht nicht

Gleich die ganze Bäckerei fordern diese Teilnehmerinnen einer Demonstration zum Weltfrauentag in Berlin. Den Oberpfälzer DGB-Frauen würde schon die halbe reichen. Bild: dpa
 
"Im Schnitt verdienen Frauen 22 Prozent weniger." Zitat: Petra Schilling, Sprecherin im DGB-Frauenkreis Oberpfalz

Weiden/Sulzbach-Rosenberg. Den Muttertag im Mai kennt schon jedes Kind, vom "Internationalen Frauentag" hingegen nehmen immer noch eher wenige Westdeutsche Notiz. Dabei fand der erste "Frauentag" bereits 1909 in den USA statt und damit im gleichen Jahr wie der erste Muttertag. Seit Anfang der 1920er Jahre hat sich als fester Termin für den Weltfrauentag der 8. März eingebürgert.

Vor allem die Gewerkschaften sind am 8. März aktiv. "Frauenpower, oberpfalzweit" hat sich beispielsweise der im Februar neugegründete Frauenarbeitskreis des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Bezirk auf die Fahne geschrieben. Heute wollen die Frauen erstmals richtig Flagge zeigen: Eine Sternfahrt führt sie von Schwandorf über Amberg, Sulzbach-Rosenberg, Weiden und Tirschenreuth vor allem zu sozialen Einrichtungen, in denen traditionell Frauen den Großteil des Personals stellen.

Gleichheit das Ziel

"Unsere Grundforderungen sind immer dieselben", sagt Petra Schilling aus Sulzbach-Rosenberg als Sprecherin der Oberpfälzer DGB-Frauen. Am Internationalen Frauentag gehe es um Chancengleichheit im Arbeitsleben, gleichen Lohn für gleiche Arbeit, die Aufwertung "typischer" Frauenberufe und den Kampf gegen Gewalt an Frauen. "Da müssen Gesetze her", fordert Gewerkschafterin Schilling, "zum Beispiel gegen Gewalt in der Ehe". Es gebe viel zu wenige Frauenhäuser im Land, "30 bis 40 Prozent der Frauen in Notsituationen kommen gar nicht dort unter". Hier müsse mehr getan werden. Aber auch Alleinerziehende bräuchten zusätzliche Unterstützung.

Ein besonderer Dorn im Auge ist den Gewerkschafterinnen die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen. "Im Schnitt verdienen Frauen in Deutschland 22 Prozent weniger als Männer", sagt Schilling. Bereinigt nach Gleichheit der Arbeit und Qualifikation sind es immer noch etwa sieben bis acht Prozent. Zusätzlich verschärft werde die Lage dadurch, dass "Frauenberufe" allgemein schlechter bezahlt seien als "Männerberufe". Dies gelte nicht nur für den klassischen Putzjob.

Gerade im unteren Lohn- und Gehaltsbereich seien in Deutschland vorwiegend Frauen beschäftigt. Hier wollen die Gewerkschaften über die Tarifpolitik Einfluss nehmen. Angedacht sind dabei auch sogenannte Mindestpauschalen. "Beschäftigte in den unteren Lohngruppen bekommen damit mehr Geld als mit bloßen Prozentaufschlägen", erläutert Schilling den Plan.

An die Spitze

Doch die DGB-Frauen haben auch die Spitze der Unternehmen im Visier. "53 Prozent der Weltbevölkerung sind Frauen. Wir wollen nicht die Hälfte des Kuchens, sondern die Hälfte der Bäckerei", betonen sie. In allen Unternehmen sollten die Führungsetagen je zur Hälfte mit Männern und Frauen besetzt sein. Das zu erreichen, "geht nur über die Politik", stellt Schilling klar. "Deshalb müssen wir hier die Mandatsträger mit einbinden."

Das tun die Gewerkschafterinnen heute auch auf breiter Front. Zur Abschlussveranstaltung des Internationalen Frauentags um 19 Uhr in der Brauereiwirtschaft in Schwandorf-Fronberg laden neben den DGB-Frauen Gleichstellungsstelle, Arbeitsagentur, Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB), der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (kda), Bündnis 90/Grüne, die CSU-Kreistagsfraktion, Freie Wähler, SPD und ÖDP ein. Und zwar alle interessierten Frauen und Männer.

Im Schnitt verdienen Frauen 22 Prozent weniger.Petra Schilling, Sprecherin im DGB-Frauenkreis Oberpfalz


WeltfrauentagDie Idee für einen "Frauentag" stammt aus den USA. 1908 gründeten Frauen der Sozialistischen Partei Amerikas ein Nationales Frauenkomitee, das einen nationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht anstieß. Dieser erste "Frauentag" fand am 28. Februar 1909 statt. Neben den Sozialistinnen demonstrierten dabei auch bürgerliche Frauenrechtlerinnen. Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin schlug aufgrund des großen Erfolgs auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vor. Der erste solche Frauentag wurde am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz gefeiert.

Am 8. März 1917 - nach russischem Kalender am 23. Februar - streikten in Sankt Petersburg Arbeiter- und Soldatenfrauen sowie erstmals auch Bauernfrauen und lösten damit die Februarrevolution aus. Zu ihren Ehren wurde 1921 auf der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen in Moskau der 8. März als internationaler Gedenktag eingeführt.

Unter der nationalsozialistischen Herrschaft war der Internationale Frauentag von 1933 bis 1945 in Deutschland offiziell verboten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Frauentag zwar weiter in der DDR gefeiert, in Westdeutschland geriet er aber zunächst in Vergessenheit. Spätestens seit der Wiedervereinigung ist der 8. März wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. Symbolisch werden dann auch rote Rosen an Frauen verteilt.


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