Die Flucht aus den Fängen der IS-Terroristen im Nordirak
„Ich bleibe eine Tochter des Lichts“

Zum Autorengespräch begrüßten (von links) Hans Bräuer und Bettina Hahn sowie (von rechts) Veit Wagner und Herbert Schmid zum Tag der Menschenrecht die Autorin Alexandra Cavelius, die ein Buch über das Schicksal und Flucht einer jungen Jesidin verfasste. Bild: rdo

Weit weg. Bei einer Lesung im Café Mitte ganz nah da. Die UNO spricht vom "Völkermord" an Jesiden durch die Terrormiliz Islamischer Staat. Die Gräueltaten der IS sind Thema der Journalistin und Autorin Alexandra Cavelius.

In ihrem Buch "Ich bleibe eine Tochter des Lichts" beschreibt sie das Schicksal von Shirin, die als junges Mädchen im Nordirak in den Händen der IS-Terroristen gerät. Sie wollte gerade ihr Abitur abschließen und ein Studium beginnen, da fielen IS-Kämpfer in ihr Dorf ein. Die Besatzer rissen das junge Mädchen aus den Händen ihrer Familie. Eine Überlebende gibt bewegende Einblicke in die traumatisierte Psyche und den Überlebenswillen eines jungen Mädchens.

Um nicht erkannt zu werden schildert "Shirin" unter Pseudonym die bedrückenden Erfahrungen als Sklavin, das Leben im IS-Staat und ihre Flucht aus dieser Hölle. Ihre Geschichte veröffentlichte die Journalistin Alexandra Cavelius in ihrem Buch. Am Vorabend des Tages der Menschenrechte, den die Vereinten Nationen am 10. Dezember ausriefen, luden amnesty international (ai), die Katholische Erwachsenenbildung mit Hans Bräuer und das evangelische Bildungswerk mit Bettina Hahn zum Autorengespräch in den Stockerhutpark ein.

Das Bundesprogramm "Demokratie leben" mit Herbert Schmid trug zur Finanzierung der Lesung bei. Veit Wagner wies auf den Briefmarathon von ai hin, der zur Verbesserung von Einzelschicksalen beiträgt.

Das Buch "Ich bleibe eine Tochter des Lichtes" lehnt sich an den jesidischen Glauben an, dessen Angehörige in Richtung der Sonne beten. Entstanden ist ein erschütternder Bericht über das Schicksal einer mutigen jungen Frau. Zusammen mit den anderen unverheirateten Frauen und Mädchen des Dorfes wurde die Protagonistin entführt, mehrfach als Braut verkauft und als Sex-Sklavin gehalten. Shirins Leidensweg ist ebenso schwer vorstellbar wie die abenteuerliche Geschichte ihrer Flucht, die ihr schließlich mit Hilfe des neunten Mannes, an den sie weitergegeben wurde, gelang.

Shirin ist heute 19 Jahre alt. Vermutlich leben ihre Mutter und die beiden Geschwister noch im Irak. Mit anderen schwer traumatisierten Jesidinnen kam die junge Frau nach Deutschland und wohnt in Baden-Württemberg, betreut durch ein spezielles Flüchtlingsprojekt. Die Schilderungen vermitteln ihre Albträume ebenso lebendig wie ihre Hoffnungen. Sie erzählt, was sie sich heute vom Leben wünscht und wie sie trotz ihrer grausamen Erinnerungen aufrecht in die Zukunft schaut.

Um Integration bemüht

Von sich selbst sagt sie: "Was auch immer passiert ist, ich bleibe eine Tochter des Lichts." Sie ist dankbar, in Deutschland zu sein. Jesiden seien sehr bemüht, sich zu integrieren, erklärte die Autorin. "Wenn Shirin aber ein Lebenszeichen von ihrer Mutter erhält, möchte sie in den Irak zurückkehren." Schön wäre es, so Alexandra Cavelius, wenn bis zu ihrer Rückkehr die Gedanken der Demokratie im Irak auf fruchtbaren Boden fallen würden. Als beste Waffe gegen den Terrorismus bezeichnete die Schriftstellerin, sich nicht einschüchtern zu lassen und an gesellschaftlichen Werten festzuhalten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.