Die versteckten Talente der Geranien
Mehr als nur blühend schön

Es blüht üppig: Hans Hofmann ist einer von vielen Geranien-Fans in Weiden. Dabei haben die Pflanzen noch einige weitere Talente. Bild: Schönberger

Eine üppige Geranienpracht schmückt derzeit viele Gärten und Balkone. Die verschiedensten Züchtungen bieten Varianten in Farbe, Form und Duft. Dass in der beliebten Blume allerdings viel mehr steckt als reine Zierde, wissen nur wenige.

(psdr) Hängend oder aufrecht wachsend - Geranien sind eine beliebte Sommerbepflanzung. Bei der Wahl der Farbe sind dem Geschmack keine Grenzen gesetzt. Ungefähr 280 verschiedene Geranienarten gibt es mittlerweile.

Ihre lateinische Bezeichnung ist Pelargonium, weshalb sie vielen auch unter dem Namen "Pelargonie" bekannt ist. Botanisch gehört sie damit zu der Gattung der Storchenschnabelgewächse. "Die Geranie kommt ursprünglich aus Afrika. Deshalb mag sie es eher trocken", erklärt Christine Egeter aus der Stadtgärtnerei. An sich sei die Pflanze pflegeleicht. Man müsse sie lediglich öfter von unten ausputzen und die alten Blütenstiele ausbrechen.

Schmackhafte Geranien

Was eher wenige wissen: In der Kosmetik werden Duftgeranien gerne als Grundstoffe verwendet. Auch aus der Aromatherapie sind sie nicht wegzudenken. So duften Zitronengeranien etwa stark zitronig und Rosengeranien intensiv nach Rosen. Orangen-, Marillen- und Pfefferminzgeruch sind ebenfalls im Angebot. "Die Pflanze eignet sich mit ihrem Duft auch, um Schnaken fernzuhalten", weiß Gärtnermeister Thomas Huber von der Stadtgärtnerei. Die Blätter können Dank ihrer ätherischen Öle gut zum Würzen verwendet werden. Marmeladen, Kuchen oder Eis lassen sich damit verfeinern. Essig erfährt durch die Zugabe eine geschmackliche Aufwertung. Körperlotionen mit den Inhaltsstoffen der Duftpelargonien leisten bei gereizter Haut, Ekzemen und Herpes gute Dienste.

Gesundheit vom Balkon

"Das Erkältungsmittel ,Umckaloabo' wird aus der Geranienwurzel gewonnen", sagt Christine Egeter. "In der Erkältungszeit wird das gerne gekauft", ergänzt Yvonne Steinhauser aus der Georgs-Apotheke in Neustadt. Verwendet werden Wurzelextrakte der Kapplandpelargonie (Pelargonium sidoides) aufgrund des besonders hohen Wirkstoffgehaltes. Der Name des Erkältungsmittels kommt aus dem der afrikanischen. Umgangssprachlich bedeutet "Umckaloabo" so viel wie "Starker Husten". In Afrika wird die Pflanze zudem wirksam gegen Tuberkulose eingesetzt.

Forscher konnten in den Pelargonien Naturstoffe nachweisen, die wie ein pflanzliches Antibiotikum wirken. Zudem helfen die Stoffe, eine Schutzschicht auf den Schleimhäuten zu bilden, und machen so widerstandsfähig gegen Viren und Bakterien. Pelargonienpulver hilft bei Magenbeschwerden und Entzündungen. "In der Grundversorgung hat das Mittel Umckaloabo durchaus seinen Stellenwert. Viele besorgen sich das frei verkäufliche Medikament selbst in der Apotheke", sagt Arzt Dr. Peter Nicklas aus Weiden. Vorbeugend werde es zwar propagiert, er sehe aber prophylaktisch keine guten Effekte. "Geeignet ist es vor allem bei Bronchitis und bei den ersten Anzeichen von Erkältung. Auch als Schleimlöser wirkt es gut", berichtet der Mediziner seine Erfahrungen mit dem Medikament.

Es komme auch vor, dass Patienten bei der Einnahme allergisch reagieren. Dann dürften sie Umckaloabo nicht mehr einnehmen. "Bei Fieber, Gliederschmerzen oder Husten, der länger als drei bis vier Tage besteht, sollte der Arzt aufgesucht werden. Sonst riskiert man unter Umständen eine Lungenentzündung", warnt Nicklas. Oft sei dann ein stärkeres Präparat oder eine Wirkstoffkombination nötig.

Aber es gibt auch Geranien-Fans, die die Pflanze ganz ohne ihren medizinischen Zusatznutzen schätzen. So wie der Weidener Hans Hofmann. "Ich pflanze Geranien, weil sie nicht so empfindlich sind wie Petunien. Die herunterfallenden Petunienblüten kleben und machen Flecken. Die Geranien haben wir in den vergangenen Jahren schon in den verschiedensten Farben und Formen gepflegt. Dass die Geranie auch als Arznei gut ist, ist mir ganz neu", sagt er. Einmal in der Woche düngt er seine Blumen, um die volle Blütenpracht hervorzulocken.

Selbst gemacht

Wer sich selbst aus eigenen Pelargonien etwas herstellen möchte, sollte allerdings von Düngung absehen. Die Düngestoffe gelangen sonst über die Pflanzen auch in die Nahrung. Am besten hat man die Geranien dann schon einige Jahre im Haus und kann Kontakt mit Spritzmitteln ausschließen.

Getrocknete und zerriebene Pelargonienblätter können bei beginnender Erkältung wirken. Aus älteren Duftpelargonien lässt sich leicht eine Essenz herstellen. Dafür werden die gesäuberten Wurzelteile mit hochprozentigem Alkohol übergossen. Das konserviert und lässt die Inhaltsstoffe in Tropfenform verwenden. Einige duftende Blätter in eine Dose mit Zucker gesteckt aromatisieren den Grundstoff in der entsprechenden Geschmacksrichtung etwa zum Zitronen- oder Rosenzucker. Wer sie nicht essen mag, der kann den angenehmen Geruch auch bei einem Vollbad genießen.

Gibt es Unsicherheiten bei der Auswahl und im Umgang mit der Blühpflanze, lässt man sich am besten vom Fachmann beraten. Wer nicht weiß, ob es individuelle gesundheitliche Bedenken gibt, die Pflanze einzunehmen, hält vorab besser Rücksprache mit seinem Arzt.

Die Geranie kommt ursprünglich aus Afrika. Deshalb mag sie es eher trocken.Christine Egeter
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