19.07.2017 - 15:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Die vier Ebenen des Dachstuhls im Alten Rathaus mit der 360-Grad-Kamera eingefangen Blick unter die Hüllen

Zunächst Enttäuschung. Ein versteckter Stadtschatz findet sich ebenso wenig wie ein Sack mit Dukaten im Gebälk des Alten Rathauses. Dennoch landet eine "Ausbeute" von Fundstücken im Stadtarchiv.

von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

"Ein Blick in den mit Planen verhängten Dachstuhl lohnt allemal", betont Dr. Florian Schott vom Stadtarchiv. "Beeindruckend ist das Gebälk über vier Geschosse hinweg." Christian Gold war für die Oberpfalz-Medien mit seiner 360-Grad-Kamera im Dachstuhl unterwegs. Seine Videos sind sehenswert. Im riesigen Dachgebälk fand er ausgebaute Fenster sowie eine Tür, die abgestellt und vergessen wurde. Dahinter - zur "Batterie" aufgereiht - leere Bierflaschen - noch mit DM-Etikett aus dem Duma-Markt.

Bereits hinüber ins Stadtarchiv im Alten Schulhaus gebracht und gesichert sind die Umzugskartons mit den Stadtprospekten aus den 50er und 60er Jahren. Die einstige Touristik-Chefin der Stadt, Ria Kammerer-Guber, hatte sie für Werbezwecke anfertigen lassen und die Reste wohl verwahrt.

Gotische Dachziegel

Weitaus größere Bedeutung haben die etwa drei Dutzend gotischen Spitzbiberdachziegel, die im Dachgeschoss gefunden und inzwischen im Rathausturm eingelagert wurden: Sie stammen aus der ursprünglichen Eindeckung des Alten Rathauses vor dem Umbau der Jahre 1913 bis 1917. Und: Das Alte Rathaus soll bei der Neueindeckung des sanierten Dachstuhls auf Wunsch des Landesamtes für Denkmalpflege wieder diese historisch korrekten Dachziegel erhalten. Damit bleiben die dunkelbraunen Rundbiberdachziegel, die 100 Jahre lang das Rathaus schützten, künftig außen vor. Welches "Bild" die künftige Dacheindeckung dem Passanten bieten wird, lässt sich übrigens am Unteren Tor schon erahnen.

Ebenfalls aus dem Schutt der letzten 100 Jahre geborgen ist das Modell für eine der vier allegorischen Figuren, die die Laterne an der Freitreppe tragen. Der Regensburger Künstler Max Roider hatte im Jahr 1915 die Gips-Vorentwürfe für Eule, Löwe, Affe und Katze den Stadträten präsentiert. Für die vier Figuren erhielt er vom Magistrat 512 Mark.

Gesichert sind auch die beiden Vorentwürfe für die Reliefplatten, die im Eingangsportal des Alten Rathauses aus Kirchheimer Muschelkalk eingelassen sind. Das "Füllhorn mit Geld", sowie die "Waage", sollten der Stadt reichlich Geld in die Kasse wünschen, aber auch eine gute und gerechte Verwaltung.

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