"D'lustigen Konrader" haben keine Nachwuchssorgen
Kinder, was für ein Theater

Beim Stück „Franziskus“ spielen 10 Kinder mit. Die Kleinsten übernehmen noch keine Sprechrollen, sondern sind als Statisten auf der Bühne. Bild: exb

Einmal Prinzessin, Räubertochter oder Ritter sein - davon träumen viele Kinder. Bei der Schauspieltruppe "D'lustigen Konrader" erfüllt sich dieser Wunsch. Das ist ein Grund, warum der Verein sich nicht mit Nachwuchssorgen plagen muss.

Beim Kindertheater sind die Kleinsten die Stars. Das zelebrieren sie auch. Nach den Aufführungen gehen sie ins Foyer des Pfarrheims St. Johannes und reden mit ihren Fans. "Die Kinder warten nach dem Stück aufgeregt auf die Zuschauer. Sie legen sich ins Zeug, schreiben Autogramme und machen Fan-Fotos", erzählt "Konrader"-Jugendwart Robert Stahl.

Bis die Jüngsten der "Konrader" einmal auf der Bühne stehen, vergeht einige Zeit. Im Alter von sechs Jahren dürfen sie das erste Mal ran. "Als Statisten, ohne Sprechteil. Sie laufen mit, sind auf der Bühne präsent", sagt Vorsitzender Heiner Balk. "Mit sieben oder acht bekommen sie kleinere Sprechrollen." Für Balk ist es oft schwierig, jedem gerecht zu werden. "Es wollen alle mitmachen. Ich muss schauen, so viele wie möglich einzubauen." Beim Stück "Aschenputtel", das die "Konrader" im Januar aufführten, spielten 23 Kinder und 2 Erwachsene mit. Die Vorbereitungen dafür begannen im Oktober. "Zuerst habe ich mich mit allen getroffen, die mitmachen wollten", berichtet Balk. Es gab kein Casting. "Bei uns ist es üblich, dass die Schauspieler reihum einen Teil des Texts vorlesen. Ich entscheide danach, wer welche Rolle übernimmt." Dabei komme es auch auf Alter, Geschlecht und Größe an. "Das Kind muss zur Rolle passen."

Die Proben für ein Stück dauern drei Monate. "Da kann es mitunter wild werden." Je mehr Kinder dabei seien, desto unruhiger sei es. "Die Kinder plaudern, erzählen von der Schule und spielen mit dem Handy." Da greifen die Jugendwarte Robert Stahl und Elisabeth Lang sowie Vorsitzender Balk ein. "Oft müssen wir einen Schrei loslassen, das hilft", sagt Stahl.

Die Jungschauspieler seien meistens kooperativ. "Problematisch wird es nur, wenn die Kinder, die gerade proben, von den anderen abgelenkt werden. Wir haben schon Proben nicht bis zum Ende durchgezogen." Das sei die absolute Ausnahme, betont Balk. "Wenn es ernst wird, sind sie zu 100 Prozent dabei."

"Kinder sind ein Phänomen", weiß Stahl. "Beim 'Aschenputtel' fiel eine Stunde vor Aufführung eine Darstellerin aus. Eine Statistin hat die Rolle spontan übernommen." Das Mädchen spielte ohne Textbuch. "Sie hat die Rolle in einer Stunde gelernt. Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn sie den Text mitgenommen hätte. Das wollte sie nicht", erinnert sich Balk. "Diese Leidenschaft und Freude am Theaterspiel müssen wir in den Kleinen wecken. Und wenn die bleibt, halten wir die Kinder über die schwierigen Jugendjahre hinweg", sagt Stahl. Der Verein hat keine Nachwuchssorgen, momentan sind 27 Kinder zwischen 2 und 17 Jahren dabei. Trotzdem brechen viele Jugendliche und junge Erwachsene die Schauspielerei zugunsten des Studiums oder Berufs ab. "Wir versuchen einfach, Spaß und Freude zu bereiten - und trotzdem Freiraum zu geben." Die "Konrader" machen viel dafür, ihre jungen Darsteller zu halten. "Wir machen Familien-Wandertage, gehen zum Bowling und veranstalten Jugendwochenenden - die perfekte Mischung zwischen Freizeit und Theaterarbeit. Wir bauen kleine Workshops ein, damit das Schauspiel bei all dem Spaß nicht in den Hintergrund rückt", betont Chef Heiner Balk.

Manche Schauspieler, die als Kinder angefangen haben, sind den "Konradern" bis heute treu. "Ich bin das beste Beispiel", sagt Jugendwart Stahl. "Ich habe als Apfelbaum im Stück 'Frau Holle' begonnen."
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