10.02.2017 - 18:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Dr. Thomas Egginger über Gefahren beim Blutspenden: Aderlass als Aufreger

Ist Blutspenden gesundheitsschädlich? Diese Frage diskutierten Onetz-Leser auf Facebook ausführlich, nachdem ein Artikel über den aktuellen Mangel an Blutkonserven und eine Blutspende-Aktion des BRK-Kreisverbands Weiden/Neustadt in Weiherhammer erschienen ist. Der Ärztliche Direktor der Kliniken Nordoberpfalz klärt auf.

Kürzlich fand eine Blutspende-Aktion in Weiherhammer statt. So gefährlich wie einige Leser sieht Dr. Thomas Egginger den Aderlass nicht. Bild: Schönberger
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Dr. Thomas Egginger, Ärztlicher Direktor der Kliniken Nordoberpfalz, im Interview.

Einige Leser meinen, dass eine Blutspende für den Empfänger gefährlich sein kann. Stimmt das? Welche Nebenwirkungen hat sie für Spender und Empfänger?

Dr. Thomas Egginger: Eine Blutspende ist für den Spender per se nicht gefährlich. Ihr geht eine ärztliche körperliche Untersuchung und eine Bestimmung der Blutwerte voraus. Es werden nur gesunde Spender akzeptiert. Nebenwirkungen für den Spender können Kreislaufreaktionen sein wie Schwindel oder Kollapsneigung. Die ärztliche Versorgung bei der Spende ist immer gewährleistet.

Und für den Empfänger?

Die ordnungsgemäße Anwendung ist nicht gefährlich. Es gibt klare Vorgaben, wann Blut gegeben werden darf. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft gibt es derzeit keine gravierenden Risiken. Jedoch kann es beim Empfänger gelegentlich zu Nebenwirkungen wie Fieber oder Schüttelfrost kommen. Beim Auftreten von unerwünschten Nebenwirkungen sind wir sogar verpflichtet, diese zu melden und dem nachzugehen. Dafür gibt es ganz strenge Vorgaben, deren Einhaltung wir in unseren Häusern auch regelmäßig überprüfen.

Greifen manche Ärzte zu schnell zur Transfusion?

Das ist sicher nicht so. Eine Blutkonserve ist ein sehr wertvolles Gut. Und sie ist nicht billig. Ärzte gehen daher sehr gewissenhaft damit um. Zudem ist es gesetzlich geregelt, ab wann Ärzte eine Transfusion geben dürfen.

Ein Onetz-Leser wirft Ärzten vor, Blutspender bis zum letzten Tropfen auszuquetschen, obwohl die Blutwerte nicht optimal sind. Wie sehen Sie das?

Das ist extrem unwahrscheinlich. Der Spender wird ja vorher daraufhin untersucht, ob er geeignet ist und genügend Blut hat. Zudem würde ein Spender sicherlich nur einmal und dann nie wieder kommen, wenn so etwas passieren würde. Blutspenden ist ja ein freiwilliger Vorgang.

G ibt es Alternativen zur Bluttransfusion?

Alternativen zur Bluttransfusion gibt es. Wir haben viele blutsparende OP-Techniken. Es gibt zum Beispiel den Cell-Saver, mit dem Blut des Patienten gereinigt und ihm zurückgegeben wird. Zudem kann man Blut mit Infusionen verdünnen. Im Vorfeld einer geplanten OP kann man die Blutwerte des Patienten bestimmen und Eisen geben, damit sich neues Blut schneller bildet. Was heute selten gemacht wird, ist die Eigenblutspende - weil dafür hohe Anforderungen bestehen und weil man heute weiß, dass die Vorteile der Eigenblutspende gegenüber der Fremdblutspende marginal sind. Bei einer Notfallsituation können wir im Voraus nicht viel machen. Auch bei Tumor- oder Knochenmarkserkrankungen gibt es keine Alternative. Aber wo es geht, bieten wir die Alternativen an.

Es gibt die Initiative "Patient Blood Management", deren Ziel es ist, zum Wohl des Patienten so viele Blutreserven wie möglich zu vermeiden. Machen auch die Kliniken Nordoberpfalz mit?

Wir haben natürlich Kontakt mit dem Netzwerk "Patient Blood Management". Die Verfahren werden entwickelt, die Inhalte sind bekannt und werden bei uns schon in großen Teilen angewandt, zum Beispiel die blutsparenden OP-Techniken.

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Der Artikel zur Blutspende im Internet:

www.onetz.de/1726461

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