Dritter Prozesstag um den Axt-Angriff von Pressath
Der Retter mit der Schaufel

(Foto: dpa)
Weiden in der Oberpfalz: Landgericht |

"Eine großartige Geschichte", rühmt der Landgerichtspräsident am dritten Prozesstag die Tat des Zeugen, der am Ostermontag mit einer Schaufel den Axt-Angreifer in die Flucht schlug. "Ich würde mir einen Nachbarn wie Sie wünschen."

Weiden/Pressath. Das Lob von Walter Leupold für den 56-jährigen Pressather kommt nicht von ungefähr. Nachbarn boten dem verletzten Freund des Opfers Hilfe an, eine Autofahrerin ließ die junge Frau in ihr Auto steigen - aber durch das mutige Eingreifen des Retters mit der Schaufel ließ der Angeklagte von seiner in Trennung lebenden Ehefrau ab. "Er hat mich direkt angeschaut", beschreibt der Zeuge, der sich einmischte, die Szene aus der Erinnerung. "Ich hatte den Eindruck, er merkt, da stellt sich einer dagegen." Leicht über sie gebeugt, die Axt seitlich in Kopfhöhe mit der Schneide nach vorne, so habe er den 36-Jährigen in Erinnerung. Und die Angstschreie der 32-jährigen Ex-Frau, die am Boden lag, hat er nicht vergessen. "In welcher Haltung?", wie die Anwälte der Verteidigung wissen wollten, das wisse er nicht mehr. "Ich habe hauptsächlich ihn angeschaut", erklärt er, "er hatte eine Waffe."

Jeder der vielen Zeugen - Polizisten, Nachbarn, Verwandte, ein Gastronom - erzählt die Vorgänge vom 28. März aus einer etwas anderen Perspektive, mit anderen Erinnerungen, zum Teil aus zweiter Hand, zum Teil mit Interpretationen des Geschehens. Kann man sehen, ob jemand mit der Axt tödlich zuschlagen will? Die Betroffene selbst spricht davon, sie habe mindestens einen Hieb mit den Händen abgefangen. Andere wollen nur die erhobene Axt und abwehrende Hände gesehen haben.

Mutige Frau des Retters

Dem Geschehen mit am nächsten kam die 53-jährige Frau des Schaufel-Retters. Sie habe gegen 17.15 Uhr die Fenster geputzt. Als sie Lärm hörte, habe sie gedacht "unser Hund ist ausgekommen". Was sie dann sah, ließ sie nach draußen eilen - der Angeklagte, der sein Opfer mit erhobener Axt verfolgt. "Sie war am Boden, er hat sie festgehalten und wollte ihr ins Gesicht schlagen - sie hat ihn abgewehrt." Die Pressatherin habe ihn angeschrien, er solle sofort aufhören, sie rufe die Polizei. "Kurz darauf kam mein Mann, erkannte die Situation, ist in die Garage, holte die Schaufel und schrie, wenn er sie nicht loslässt, haut er ihm die Schaufel rüber."

Der Mann habe innegehalten, sei zu seinem Golf zurückgelaufen. Sie sei hinterher, "um sich die Autonummer zu merken".

"Sie sagen, er habe sie schlagen wollen", wendet Wahlverteidiger Helmut von Kietzell ein, "bei der Polizei haben Sie nichts von Schlägen gesagt." Oberstaatsanwalt Rainer Lehner fällt ihm ins Wort: "Das geht in der Vernehmung noch weiter, da sagt sie doch klar, dass er ausholt, um das Opfer zu schlagen." Eine unerträgliche Befragung sei das, um die Zeugin zu verunsichern. "Sie sind eine von den Guten", tröstet Leupold die couragierte Zeugin, "auch wenn Sie nicht so behandelt wurden". Das haben beide Helden des Verfahrens gemeinsam - sie wehren Lob ab: "Da kann man ja nicht nur zuschauen."

Am Montag, "wenn alles gut geht", wie Leupold sagt, könne man die Plädoyers und das Urteil erwarten.
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