30.08.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Drogen-Kurierin bekommt sechseinhalb Jahre "Warm anziehen in Weiden"

Sechseinhalb Jahre. Das Urteil gegen eine Crystal-Kurierin fällt hart aus - und damit wenig überraschend. Denn in der Verhandlung ist es zuvor auch um die offenbar bundesweit berüchtigte Härte der Weidener Justiz gegangen.

von Autor RNSProfil

Zu sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilten Landgerichtspräsident Walter Leupold, Richter Markus Fillinger und zwei Schöffen am zweiten Verhandlungstag die 36-Jährige, die im Auftrag ihres Exmannes und dessen Lebensgefährtin acht Mal größere Mengen Crystal nach Nürnberg geschmuggelt hatte (wir berichteten). Bei einer Großaktion der Schleierfahnder waren der vielfach Vorbestrafte, seine Freundin und ein weiterer Komplize im Februar 2016 nahe Waldsassen festgenommen worden.

Sie waren vom Umtausch einer 200-Gramm-Menge Crystal minderer Qualität vom Asia-Markt bei Eger zurückgekommen. Diese hatte die 36-Jährige zuvor nach Deutschland geliefert. Erbost wegen des geringen Wirkstoffgehalts des Rauschgifts waren der 55-Jährige und die 53-Jährige nach Tschechien gefahren und hatten vom Verkäufer den Umtausch verlangt. Nachdem sie im Zuge dessen geschnappt worden waren, kam bei den polizeilichen Verhören auch die Mitwirkung der früheren Frau des Dealers zutage.

Verteidiger Stefan Ringelsbacher (Landau) berichtete, dass er im Vorfeld der Verhandlung von Kollegen schon von der Härte der Weidener Justiz erfahren habe. Er solle sich "warm anziehen", wenn er nach Weiden fahre, habe man ihm geraten. In seinem ausführlichen Plädoyer führte Ringelbacher mehrere Beispiele für erheblich geringere Ahndungen von Rauschgift-Delikten an, als sie hier verhängt werden. Fünf Jahre würden für die Taten seiner Mandantin genügen. Leupold blieb mit sechseinhalb Jahren zwar ein halbes Jahr unter der Forderung von Staatsanwältin Carina Särve, betonte aber, dass die Gefährlichkeit der Droge Crystal - eines "gefährlichen Gifts" - ein hartes Vorgehen erfordere. Die von der Angeklagten eingeführte Menge habe genügt, um "15 000 Leute zu vergiften".

Zu den unterschiedlichen Urteilen in Deutschland bemerkte der Landgerichtspräsident, dass man sich nicht den Strafmaßen anderer Gerichte anpassen müsse. Es könnten diese sich doch auch den Maßstäben der Weidener Justiz anpassen. Denn "wenn man der Meinung ist, dass es gefährlich ist, so ein Gift an die Menschen kommen zu lassen, muss man so urteilen".

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