24.08.2017 - 17:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Drogen unterm T-Shirt - Gericht verhängt viereinhalb Jahre Bauchschmerzmittel entpuppt sich als Crystal

Eine arg kuriose Erklärung: Die Polizei hatte einen Mann mit einem Päckchen Drogen im Hosenbund geschnappt. Und was sagte der Ertappte in der ersten Vernehmung: Es handle sich um ein "Heilmittel gegen Bauchschmerzen". So berichtet es nun der Kripo-Beamte, der damals in der Vernehmung war, bei der Gerichtsverhandlung gegen den Drogenkurier. Die Erklärung, so der Polizist, sei "haarsträubender Unsinn" gewesen.

Die Justitia - in diesem Fall in der ostsächsischen Stadt Görlitz ohne Augenbinde - ist die römische Göttin der Gerechtigkeit. Zumeist trägt sie eine Augenbinde, in einer Hand hält sie eine Wage, in der andern ein Schwert - diese Symbole stehen für Unvoreingenommenheit, sorgfältige Abwägung der Fakten sowie eine strenge Durchsetzung des Urteils (Archivfoto vom 05.01.2005). Auf Grund von Polizeipannen und falschen Geständnissen, aber auch durch Nachlässigkeit oder mutwillige Unterschlagung von Fakten, kommt
von Autor hczProfil

Erst in der Verhandlung vor der 1. Großen Strafkammer besann sich der angeklagte Vietnamese und rückte von dieser Version wieder ab. Er gestand stattdessen - gut beraten durch seinen Verteidiger Rouven Colbatz -, dass er schon gewusst hatte, dass es sich um Drogen handelte und kam so mit viereinhalb Jahren Freiheitsstrafe relativ glimpflich davon. Um sich die Stadt anzusehen, sei er von seinem Wohnort Pilsen mit dem Zug nach Frankfurt am Main gefahren, sagte der Mann, der als Verkäufer auf einem Asia-Markt arbeitet. In Frankfurt sei er von einem Landsmann angerufen worden, er solle von Regensburg nach Marktredwitz ein Päckchen mitnehmen. Also habe er in der Bezirkshauptstadt den durchsichtigen Beutel auf Anraten des Überbringers unter dem T-Shirt versteckt und sich in den Zug gesetzt. Beamte der Polizeiinspektion Fahndung und der Bundespolizei überprüften den 32-Jährigen dann im "Alex" zwischen Weiden und Wiesau und entdeckten knapp 160 Gramm Crystal.

Es liege zwar nahe, dass der Angeklagte das Rauschgift aus Tschechien eingeführt hatte und nur in Frankfurt nicht gänzlich losgeworden war. Aber das könne ihm nicht nachgewiesen werden, stellte Landgerichtspräsident Walter Leupold fest. Staatsanwaltschaft-Gruppenleiter Christian Härtl hielt dem Familienvater zugute, dass er weder in Tschechien noch in Deutschland vorbestraft war. Auch dass er sozial eingeordnet lebte und sich um Frau und Kind kümmerte, verbuchte der Ankläger auf der Positivseite. Negativ sei jedoch die große Menge des transportierten Rauschgifts zu vermerken.

Anwalt Colbatz bezeichnete das Verbrechen seines Mandanten als Spontantat. Es sei nicht zu widerlegen, dass er das Drogenpaket in Regensburg übernommen hatte. Colbatz plädierte auf vier Jahre und drei Monate. Leupold, Richter Dr. Marco Heß und die Schöffen verhängten wegen Drogenbesitzes und Beihilfe zum Handeltreiben gemäß Härtls Antrag viereinhalb Jahre.

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