22.03.2016 - 02:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ehemaliger Stadtförster entsetzt über Baggerarbeiten an der Schweinenaab Feuchtbiotop platt gemacht

Ulrich Keltsch, ehemaliger Leiter der Forstdienststelle Weiden, ist entsetzt über Baggerarbeiten an der Schweinenaab. Er spricht von einem "brutalen Eingriff in ein Schutzgebiet". Die Untere Naturschutzbehörde der Stadt hat die Baustelle am Montagvormittag sofort eingestellt.

Eine Baustelle im Auftrag der Stadt, gestoppt von der Stadt. Tiefbauamt versus Naturschutzbehörde. Am Montagmorgen an der Schweinenaab ist Ulrich Keltsch (Zweiter von links), Forstamtmann a. D., so wütend, dass er Martin Scheidler (links) von der Unteren Naturschutzbehörde den Handschlag verweigert. "Wir wissen seit zwei Stunden davon", verteidigt sich dieser und stellt die Arbeiten ein. Bild: Götz
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Das Pikante daran: Die Arbeiten hat die Stadt - das Tiefbauamt - selbst in Auftrag gegeben. Geplant war nach Auskunft von Rechtsdezernent Hermann Hubmann eine "Fahrspur entlang des Ufers". Die Untere Naturschutzbehörde war darüber nicht informiert. Vorerst ruht die Baustelle. Hubmann kündigt ein klärendes Gespräch der Abteilungen bei OB Kurt Seggewiß an.

Nur eine Fahrspur? Der fleißige Mann auf dem PS-starken Kettenbagger hat in dem Areal zwischen Weiden-West und Tierheim ganze Arbeit geleistet. Der Wirtschaftsweg ist teils schon grob aufgeschottert und vier Meter breit. Das Ufer ist auf einer Länge von rund 400 Metern "kerzengerade" gezogen. Bäume und Büsche am Bach sind gerodet. Laut Keltsch wurden auch 20 absterbende Erlen, Pappeln und Weiden beseitigt, die Bruthöhlen für Singvögel und Spechte boten. Eine Borstwiese in der Größe eines halben Fußballfeldes ist planiert. In einem Brandbrief informiert Keltsch Polizei, Wasserwirtschaftsamt und Stadträte. "Wo sind die Verantwortlichen, die das veranlasst haben?", fragt Keltsch wütend.

So wütend, dass er Martin Scheidler von der Unteren Naturschutzbehörde am Montagvormittag beim zufälligen Treffen vor Ort den Handschlag verweigert. Dieser verteidigt sich: "Wir wissen das selbst erst seit zwei Stunden!" Scheidler, begleitet von einem Beamten des Wasserwirtschaftsamtes, stoppt die Arbeiten. Der Baggerfahrer steigt ab.

"Das kann man nicht wieder gut machen", ist Keltsch, Mitglied im Naturschutzbeirat der Stadt, unversöhnlich. Aus seiner Sicht sind "klare Verhältnisse" geschaffen worden, in den Ferien, wenn "wachsame Naturfreunde beim Skifahren" sind. Zumindest für die Zukunft hat er einen Vorschlag: "Zwei, drei ehrenamtliche Naturschutzwarte wären sinnvoll."

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