Eifersüchtiger Ehemann greift Frau und Freund an
Axt-Attacke ein Mordversuch?

Harte Nuss für die Große Strafkammer des Landgerichts Weiden unter Vorsitz von Präsident Walter Leupold (Mitte): Die drei Richter und zwei Schöffen müssen klären, ob bei der Axt-Attacke Tötungsabsicht bestand. Bild: Schönberger
Weiden in der Oberpfalz: Landgericht |

Für die junge Frau und ihren Freund ist der Ostermontag ein Alptraum. Die Axt-Attacke des verlassenen Ehemanns überstehen sie zwar nur leicht verletzt - die psychischen Folgen bleiben. Das Landgericht Weiden versucht seit Montag zu klären, wie diese Straftat zu bewerten ist.

Weiden/Pressath. Die Meldung verbreitet sich am 28. März dieses Jahres wie ein Lauffeuer. Ein Mann mit Axt bedroht in Pressath Menschen. Viele denken an die Anschläge von Brüssel wenige Tage zuvor. Doch die Axt-Attacke von Pressath ist ein Terror anderer Art. Die Beziehungstat eines gekränkten Ehemanns.

So klar der Tatablauf an diesem Frühjahrstag auf den ersten Blick scheint, so unklar sind die Absichten des Beschuldigten. Zwei Versionen stehen sich gegenüber: Die Staatsanwaltschaft wertet den Angriff des türkischen Lkw-Fahrers auf die Exfrau und deren Freund als versuchten Mord in zwei Fällen mit gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung - der Schaden am demolierten BMW beläuft sich auf 10 000 Euro.

Im Kern argumentiert der Staatsanwalt: Der verlassene Ehemann habe aus Eifersucht und niedrigen Beweggründen das Fahrzeug der 32-Jährigen Ehefrau blockiert, mit einer Axt auf ihren BMW eingedroschen, in dem sich das Paar verbarrikadierte, und auch nachdem die Scheibe der Beifahrertür geborsten sei, gezielt in Kopfrichtung des Liebhabers geschlagen und ihn leicht verletzt. Nachdem beide durch die Beifahrertür entkommen konnten, habe der Verfolger das Opfer mit einem Stilhieb in die Hüfte zu Fall gebracht und zu einem Axthieb über den Kopf ausgeholt - die Geschädigte habe die Waffe mit den Händen abfangen können. Abgelassen habe der 36-Jährige erst, als ein Anwohner mit Schaufel zu Hilfe gekommen sei. Bereits vor der Tat habe er gedroht, die Frau und ihren Freund zu töten.

Schwere Körperverletzung

Die Verteidigung geht von schwerer Körperverletzung aus. "Wenn ich mit einer Axt auf einen Menschen einschlage und ihn töten will, dann schaffe ich das", argumentiert Pflichtverteidiger Rouven Colbatz. Die Wahrheitsfindung wird keine leichte Aufgabe für die große Strafkammer mit drei Richtern und zwei Schöffen - unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Walter Leupold. Bei versuchtem Mord oder Totschlag muss der gerichtsfeste Nachweis erbracht werden, dass der Täter die Absicht hatte, das Opfer zu töten. Und selbst wenn diese vorliegt, wird, wer im Stadium des Versuchs die Tat freiwillig abbricht, nicht bestraft. Hintergrund ist der Schutz des Opfers: ein Anreiz für potenzielle Täter, das Opfer zu schonen (§ 24 StGB).

Die ersten Schachzüge schon nach Klärung der Formalitäten: Wahlverteidiger Helmut von Kietzell fordert, dass das Gericht eine Erklärung des Angeklagten verliest. Leupold weist darauf hin, dass eine Art Geständnis im Rahmen einer solchen Einlassung erheblich geminderten Beweiswert habe. Da der Beschuldigte nur gebrochen Deutsch spricht und versteht, wird jedes Wort übersetzt. Es bleibt dabei, das Schriftstück wird verlesen.

  • "Zu keinem Zeitpunkt hatte ich die Absicht, sie und ihren Liebhaber zu töten": Der Angeklagte sei verzweifelt gewesen, völlig aus dem Häuschen. "Ich wollte sie erschrecken, aber nicht in aller Öffentlichkeit am Ostermontag meine Frau und ihren Liebhaber töten - ich hätte keine Chance gehabt, unerkannt zu flüchten. Für so dumm muss man mich auch wieder nicht halten."


  • Er habe sich, ehe er am Valentinstag 2014 das spätere Opfer heiratete, und diese sich im März 2015 auf Zeit getrennt habe, Hals über Kopf verliebt. Alles habe er in diese Beziehung investiert - "nicht nur mein Erspartes, auch einen Kredit von 25 000 Euro aufgenommen und einen Kreditvertrag über 150 000 Euro unterschrieben." Dazu habe er im besten Einvernehmen mit dem Schwiegervater das Haus der Familie renoviert.


  • Er sei das Gefühl nicht los geworden, dass sie es mit der Treue nicht so genau nehme - wegen Heimlichkeiten am Handy. Ein Wirt habe ihm erzählt, sie sei schon seit zwei Jahren mit dem jetzigen Freund zusammen.


  • Als er am betreffenden Tag auf der Suche nach seiner Ex bei deren Schwester vorbeischaut, räumt er ein, dass es zu Handgreiflichkeiten gekommen sei. "Es kann sein, dass ich laut geworden bin." Als sie die Polizei holen wollte, habe er versucht, ihr das Handy wegzunehmen, sie an die Wand gedrückt.


  • In der Garage habe er eine Axt gesehen. Ihm sei durch den Kopf gegangen, dass seine Frau ständig Geld von ihm gefordert habe, mit dem sie wahrscheinlich das Leben ihres Freundes finanziert hätte: "Da wollte ich sein Auto zerschlagen."
  • Ein Leichtes, sie zu töten

  • Als er die beiden in dem Auto sitzen gesehen habe, schienen sie ihn auszulachen. "Etwas in mir ist zerrissen, ich dachte, dann ist ihr BMW an der Reihe, ich weiß, wie stolz sie darauf ist." Wenn er sie verletzen habe wollen, hätte er das auch getan. Sie sei ausgestiegen und habe gesagt: "Du hast mein Auto ruiniert." Er habe geantwortet: "Du hast mein Leben ruiniert." Ich wollte sie nicht verletzen - ich wollte nur, dass sie spürt, wie verletzt ich bin." Sie sei am Boden gelegen, es wäre ein Leichtes gewesen, sie zu töten. "Ich habe ihr aufgeholfen, als ich ihre Angst sah, tat sie mir leid." Einen Mann mit Schaufel habe er nicht wahrgenommen.


Der Prozess wird am Dienstag mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt. Ein Urteil wird am Mittwoch nächster Woche erwartet.
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