13.10.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ein Weidener in Albanien 45 Minuten bis ans Meer

Letzte Woche war er noch in Bonn, inzwischen hat er wieder albanischen Boden unter den Füßen: Tilmann Wagner, gebürtiger Weidener, lebt zusammen mit Maren Kneller, seiner Frau, für drei Jahre in Tirana. Eines davon ist inzwischen verstrichen. Zeit, dieses Jahr Revue passieren zu lassen.

Maren Kneller und Tilmann Wagner wandern den "Peaks of the Balkans"-Trail. Bilder (3): exb/Wagner
von Redaktion OnetzProfil

Weiden/Tirana. Einen Umzug nach Albanien hatte er eigentlich nie im Sinn. "Ich hatte das Land nur wegen der tollen Wandermöglichkeiten auf dem Schirm", gibt Wagner zu. Was erstaunlich sei: "Schließlich ist es nicht weit weg. Kroatien und Griechenland dagegen kennt jeder, und von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung." An seinen letzten Besuch in der Heimatstadt kann sich der gebürtige Weidener allerdings nicht mehr so recht erinnern. "Tatsächlich bin ich für meine Arbeit meist in Bonn oder Berlin. Aber trotz allem bestehe ich auf einer Tradition: Weihnachten feiere ich in Weiden, zusammen mit meinen Eltern."

Im Juli 2016 kamen die beiden am Flughafen in Tirana an. Tilmann Wagner erinnert sich: "Wir wurden vom Flughafen abgeholt und sind erst mal eine halbe Stunde ins Stadtzentrum gefahren worden." Vorbei an industriellen Gebäuden und Einkaufszentren, die an amerikanische Malls erinnern. "Alles in allem war mein erster Eindruck sehr südeuropäisch geprägt. Es schien, als wäre ich in Italien gelandet." Dieser Eindruck sollte sich zumindest teilweise bewahrheiten: "Tirana ist eine moderne, lebendige Stadt mit vielen Hochhäusern und Glastürmen. Wohin man blickt, sieht man Autos, Autos, Autos. Das Klima ist mediterran, warm und angenehm. Hier lässt es sich wirklich gut aushalten."

Stromkabel-Salat

"Zusammen mit Maren habe ich vorab in Bonn einen Sprachkurs gemacht, und auch hier in Tirana habe ich noch einige Stunden genommen", sagt Wagner. "Für mehr als die Bestellung beim Bäcker reicht es allerdings nicht." Mit Englisch und Italienisch aber gäbe es keine Verständigungsschwierigkeiten, sogar Deutsch oder Griechisch verstünden einige. Wenn er die Zeit findet, erkundet Wagner gerne die Stadt: "Jedes Mal entdeckt man neue Dinge. Vor allem abseits der repräsentativen, großen Straßen und Wege erkennt man deutlich, dass es noch Entwicklungspotential gibt." Unverputzte Häuser, kreuz und quer über die Straße hängende Stromkabel - "und vor allem Müll ist hier ein echtes Problem", sagt Wagner. Für Mülltrennung sei schlichtweg noch kein wirkliches Bewusstsein vorhanden. Die Betonung liegt auf noch, denn: "In dem Jahr, das wir jetzt hier sind, merke ich schon eine deutliche Veränderung. Zum einen ganz offensichtlich auf den Straßen und zum anderen bekomme ich durch die Arbeit meiner Frau, die sich ja mit genau solchen Projekten befasst, auch einiges mit."

Maren Kneller arbeitet beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Sie ist quasi das Bindeglied zwischen der deutschen Regierung und den Menschen vor Ort in Albanien. "Dabei geht es um die Organisation und Koordination von Entwicklungsprojekten", erklärt Wagner. Was in Albanien immer großer Grund zur Freude ist, sind ausrangierte Feuerwehrautos oder Krankenwagen, erzählt Wagner: "Wenn diese in Deutschland durch eine Neuanschaffung ersetzt werden, freuen sich Albaner über eine Fahrzeugspende."

Wagner selbst arbeitet in der Forschungsabteilung der Deutschen Welle und hatte viel Glück mit seiner beruflichen Flexibilität: "Ich habe einfach einen großartigen Chef." Einzig und allein dessen Angebot macht diese drei Jahre möglich: Wenn sich die Flugstunden in Grenzen hielten, könne er von zu Hause aus arbeiten - wo auch immer das sei. Alle zwei bis drei Monate setzt sich Tilmann Wagner deshalb in einen Flieger nach Bonn und besucht dort regelmäßig Team- und Projektmeetings.

350 Kilometer Strand

Zusammen wohnen beide ganz in der Nähe der deutschen Botschaft. "Das gefällt mir ganz gut, weil die Straße hier verkehrsberuhigt ist", sagt er und lacht. Man könnte glatt neidisch werden, wenn Wagner erzählt, dass er mit dem Auto 45 Minuten zu seinem "Haus-Strand", einer kleinen Bucht im Norden fährt. "Albanien ist ein tolles Land zum Reisen." Wagner beginnt zu schwärmen. "Es gibt hier einiges, was man sich ansehen kann. Im Süden gibt es ungefähr 350 Kilometer Strand: Kiesstrände, Sandstrände und wunderschöne Buchten." Besonders die beiden Orte Vlora und Saranda könne er Badebegeisterten empfehlen. "Wer ein bisschen auf Abenteuer und Natur steht und nicht unbedingt ein Luxushotel braucht, für den ist Albanien genau das richtige Ziel. Volle Strände gibt es nur im Hochsommer, wenn viele Albaner oder Kosovaren hier selbst Urlaub machen."

Noch zwei Jahre Tirana

Besondere Sightseeing-Höhepunkte? "Waren für uns Gjirokastra, die 'Stadt der Steine' und Berat, die 'Stadt der tausend Fenster'." Im Norden könne man besonders im Frühjahr und Herbst toll wandern: "Diesen Sommer sind wir den Weg 'Peaks of the Balkans' gewandert: Beeindruckend schön." Gerade in den kleinen Bergdörfern seien die Menschen noch gastfreundlicher als im Rest des Landes, was kaum vorstellbar sei. "Man muss sich da einfach wohlfühlen. Und obwohl wir die größten Sehenswürdigkeiten jetzt kennen, gibt es noch so viele kleinere Orte dazwischen zu entdecken."

Zwei Jahre werden die beiden noch in Tirana leben - konkrete Pläne für die Rückkehr nach Deutschland gibt es nicht. "Berlin oder Bonn sind aber immer eine Option", sagt Wagner. "Aber darüber machen wir uns noch keine Gedanken. Jetzt genießen wir erst mal unsere Zeit hier."

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Weitere Bilder vom "Abenteuer Albanien" auf Tilmann Wagners Instagram-Account:

www.instagram.com/twoneplus/

Wagners Geheimtipps für den Tirana-Kurztrip:

Das kann ich nur empfehlen: Abends auf den neuen Skenderbeg-Platz gehen, sich auf die Treppen vor dem Nationalmuseum setzen und dem Treiben zusehen - man erlebt die Stadt von ihrer ganz lebendigen Seite.

Ab und zu mal die Hauptstraßen verlassen und gezielt durch kleine Seitenstraßen einen neuen Weg suchen. Dort findet man das ursprünglichere Tirana, das von den Hochhäusern langsam verdeckt wird.

Zum Mittagessen im Blloku ins "E Jona" gehen. Es liegt etwas versteckt in einem Hof. Dort gibt es jeden Tag sehr leckere Gerichte zur Auswahl und die Leute sind unheimlich nett. Lohnt sich! Ich bin dort sehr oft mittags. (olr)

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