04.03.2018 - 20:00 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Eisbockanstich am Postkeller Fastenpredigt von Wilhelm Moser

Süffig, vollmundig und von schwarzer Farbe - fast schon CSU-mäßig - sei er, der Eisbock, sagt "Kulmbacher"- Gebietsleiter Richard Schiffl. Das 9,2 Prozent starke Getränk ist am Samstag im Postkeller angezapft worden.

In der Fastenzeit schallt's durch den Postkeller: "Ei'gschenkt is!" Bilder: hcz (2)
von Autor hczProfil

Bis auf wenige Plätze war der Saal gefüllt. Die meisten Tische waren schon lange vorher reserviert worden. Politisch streng getrennt saß die Politprominenz vorne an der Bühne. Rechts die "Schwarzen", links die "Roten" und in der mittleren Reihe die Stadt-Oberen Kurt Seggewiß und Lothar Höher mit Gattinnen, dem Veranstalter und Mitwirkenden. Drei Büttner aus Kulmbach trugen das Fass unter den zünftigen Klängen der "Waldnaabtaler Musikanten" auf die Bühne.

Dort befreiten sie es von seinen eisernen Reifen und holten den dunklen Trunk aus dem gefrorenen Kern. Neun Monate hatte der Eisbock bei minus ein Grad im Braukeller gelagert. 21 Prozent Stammwürze und seinen typischen malzbetonten Geschmack hatte er dadurch bekommen. Dem Vernehmen nach soll die Postkeller-Wirtsfamilie Meyer durch den Genuss einiger Liter warmen Eisbocks von der Grippe genesen sein, berichtete Schiffl. Nach dem "Ei'gschenkt is'" und allseitigem "Prost auf die Starkbierzeit" hieß es für "Bruder Barnabas" Wilhelm Moser: "Ei'gschenkt wird!"

Der frühere langjährige Stadtrat derbleckte auf dem "Weidener Nockherberg" Schwarz, Rot, Gelb und Grün gleichermaßen. Er ging auf lokale, Landes- und Bundespolitik ein. Thema war natürlich die "Groko". "Zuerst hin, dann her, dann Postenverteilung, dann: Schulz tritt zurück", tadelte Barnabas. Das sei wie beim Wein. "Einen Roten erkennt man am Abgang." Noch-Ministerpräsident Horst Seehofer bekam sein Fett weg ("Was nützen 200 PS im Auto, wenn im Hirn die Kupplung schleift?"), ebenso wie "Angie" Merkel, "raffinierte Taktikerin": "Je älter die Geig'n, desto besser der Klang."

Zur Methode, wie die Stadt die Schulden abgebaut hat, nämlich indem sie die marode Tiefgarage an die SGW verkauft hat, die Thermenwelt den Stadtwerken und die Max- Reger-Halle in eine Gesellschaft überführt hat, hätte der Mönch eine weitere Möglichkeit vorgeschlagen: Straßen verkaufen. Dem Sperrer-Hans die Fleischgasse, dem Schiffl-Richard den Hopfenweg, dem Fuchs-Horst natürlich den Fuchsenweg und dem Forster-Hans den Kiebitzweg, weil er so oft wie kein anderer aus dem "Neuen Tag" rausschaut.

Die Neuorganisation des Volksfestes durch die Stadt - statt durch die Feuerschützen und nur noch für fünf Tage - gefällt "Barnabas Moser" gar nicht. "Da kommt doch keiner", mutmaßte er - und erntete Widerspruch von OB Seggewiß: "Wirst scho nu schaua!" Als der lang anhaltende Applaus für Mosers Fastenpredigt abgeklungen war, zeigte die Jugend- und Erwachsenengruppe des Volkstrachtenerhaltungsvereins "D'Altbairischen" althergebrachte Tänze: Bauernpolka, Oberpfälzer Dreher und Zigeunerpolka.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.