06.03.2018 - 19:34 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Elfte Beerdigung in diesem Jahr Tierfriedhof: Trost für viele Menschen

In der Nacht zum Samstag hat es geschneit. Der Boden ist 60 Zentimeter tief gefroren. Trotzdem machen sich Sozialpädagogin Doris Wiederer und Stadtrat Josef Gebhardt am Morgen daran, "Kathi" zu begraben. Der hellblonde Dackelmischling ist das elfte Tier, das in diesem Jahr auf dem Tierfriedhof beerdigt wird.

Letztes Geleit für "Kathi": Der Dackelmischling gehörte schon zu Familie Brandl, als Tochter Denise noch gar nicht auf der Welt war. Verständlich, dass man sich einen würdigen Abschied von der Hundedame wünscht. Der Weidener Tierfriedhof bietet die Möglichkeit. Doris Wiederer und Josef Gebhardt schaufeln das Grab - ehrenamtlich. Bild: hcz
von Autor hczProfil

18 Jahre und zwei Monate ist "Kathi" geworden. Mit acht Wochen kam sie zur Familie Brandl aus Mitterteich. Als Tochter Denise zur Welt kam, war der Hund bereits vier Jahre alt. "Nie hat Kathi nach jemandem geschnappt", sagt Gertrud Brandl. "Sie war immer brav." Früher habe sie lange Spaziergänge gemacht, sei auch gerne mit dem Auto mitgefahren. Zum Schluss war das Tier taub und blind und musste eingeschläfert werden. Traurig versammelt sich die Familie am Grab, das Wiederer und Gebhardt ausgehoben haben. "Kathi" wird, in weißes Leinentuch gehüllt, beerdigt. Auf den Erdhügel legen die Brandls einen Blumenstrauß. Im Frühling, wenn sich die Erde gesetzt hat, werden sie das Grab bepflanzen und das hölzerne Namensschild, hergestellt von der "Regenbogenwerkstatt", aufstellen. Wegen der derzeitige Kälte ist dies erst dann möglich.

"Ohne elektrischen Bohrhammer wäre es heute nicht möglich gewesen, das Grab auszuheben. Mit Schaufel und Pickel war kein Durchkommen", berichtet Gebhardt anschließend im kleinen Aufenthaltsraum des Häuschens am Tierfriedhof, wo die Formalitäten abgewickelt werden. 90 Euro müssen die Brandls zahlen. So viel kostet die Grabgebühr für eine Katze oder einen kleinen Hund für drei Jahre. Ein Grab in der Blumenwiese des 4000 Quadratmeter großen Geländes, früher "anonymes Grab" genannt, kostet 20 Euro weniger. Dort werden auch die im Tierheim verstorbenen Tiere begraben. Zuletzt am 27. November "Franz", ein kleiner Jack-Russel- Mischling. Gebhardt, der Vorsitzende des Tierfriedhof- Fördervereins, führt genau Buch, wo welches Tier begraben ist. 422 sind es bisher. 2018 fanden bereits acht Hunde, zwei Katzen und ein Hase die ewige Ruhe.

Außer Beerdigungen gibt es noch viel andere Arbeit auf dem Tierfriedhof: Pflege des Geländes, Rasen mähen, Baumpflege, Blumen pflanzen, Säubern des Teichs. Ein kleines Häuschen wurde im Herbst fertig gestellt. Es musste gedämmt, verputzt, gefliest und eingerichtet werden. Mit immensen Kosten, auch wenn die Ehrenamtlichen viel selbst erledigt haben. 2010 hat Gebhardt mit knapp 40 weiteren Tierfreunden den Förderverein gegründet. Aus einem verwilderten Gelände ist ein herrliches, parkähnliches Areal geschaffen geworden. Mittlerweile sind es fast 250 Mitglieder. Aktiv ist jedoch nur eine kleine Gruppe - deshalb gibt es Handlungsbedarf (siehe Infokasten).

Helfer gesucht

Die Hauptarbeit bleibt an Josef Gebhardt hängen, der zudem Vorsitzender der "Tafel" ist. Der 72-Jährige wünscht sich dringend Unterstützung. Vielleicht finden sich demnächst bei der Jahreshauptversammlung weitere Helfer. Der Termin steht noch nicht fest. Am Freitag, 18.30 Uhr, ist eine Vorstandssitzung zur Vorbereitung der Jahresmitgliederversammlung mit Neuwahlen im Schützenhaus angesetzt. (hcz)

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