29.03.2017 - 18:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Eltern, Schüler und Lehrer informieren sich zum Thema Webhygiene Mit einem Klick Karriere ruiniert

Ganz selbstverständlich bewegen sich Jugendliche in der digitalen Welt. Alles funktioniert ganz leicht, große Gedanken macht sich kaum einer. Aber genau darin liegt das Risiko.

Zum Thema Webhygiene referiert Medienexperte Holger Weber (links) vor Eltern, Lehrern und Ausbildern sowie Ehrengästen im Neuen Rathaus Weiden (Bild) sowie in der Mittelschule in Grafenwöhr. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Weiden/Grafenwöhr. Die Anregung kam aus der Lehrerschaft. "Fast alle Jugendlichen benutzen das Internet, wir müssen etwas dafür tun, dass richtig damit umgegangen wird." So lautete die Botschaft, die der Lenkungsausschuss der Arbeitsmarktinitiative Weiden und Neustadt/WN aufgegriffen hat. Die Folge: Stadt, Landkreis Neustadt/WN und das staatliche Schulamt erstellten das Konzept der Aktion "Webhygiene". Mit Holger Weber wurde ein in Pädagogik und modernen Medien erfahrener Referent und Moderator gefunden. Er informierte nun in Vorträgen im Neuen Rathaus in Weiden und in der Mehrzweckhalle der Mittelschule in Grafenwöhr zunächst Eltern, Lehrer und Ausbilder über Gefahren und Folgen des unbekümmerten Umgangs mit dem Internet.

Verhängnisvolle Bilder

Doch im Mittelpunkt der Aktion "Webhygiene" standen die Schüler. In ganztägigen Workshops wurde ihnen mit zahlreichen Einzelbeispielen vorgeführt, welche Folgen unbedachte Einträge oder Bilder in den sozialen Medien haben können. Auch der bloße Aufruf von Internetseiten und die darin vorgenommenen Einträge lassen Rückschlüsse auf den Anwender zu. Insgesamt ging es den Veranstaltern um die Medienkompetenz, die den jungen Menschen vermittelt werden sollte. Holger Weber sensibilisierte seine Zuhörer gleich am Anfang der Vorträge: "Mancher ruiniert bereits als Schüler seine ganze Berufskarriere." Viele Arbeitgeber recherchieren im Internet über Bewerber. "Vor allem Bilder werden Jugendlichen oft zum Verhängnis", stellte Weber fest.

Den Arbeitgebern empfiehlt er, schon bei der Einstellung Regeln zu vereinbaren, "dass Handys in der Firma nichts zu suchen haben". Beachtet werden müsse auch, dass heutzutage Handykameras Bilder von einer stattlichen Größe bis 20 Megapixel aufnehmen, die in dieser Originalgröße auf dem Server von jedermann aufgerufen werden könnten. So würden auch die kleinsten Details einer Szene, zum Beispiel bei einer Party, beobachtbar.

Weber demonstrierte auch, welche Vorgänge im Hintergrund ablaufen, wenn jemand eine Internetseite aufruft. Am mitgebrachten Notebook hatte er fünf Seiten aktiv geladen. Für die Zuhörer machte er durch Abschalten einiger sogenannte Add-ons sichtbar, dass außerdem zugleich weitere 54 andere Seiten beobachten, welche Einträge der Nutzer auf den von ihm direkt geladenen Seiten vornimmt. Daraus sollen Rückschlüsse über die Lebensgewohnheiten gewonnen werden, um beispielsweise "Werbung individuell auf das Surfverhalten abzustellen".

Vorsicht vor Datenspur

Weber stellte fest: "Google will die ganze Welt erkunden." Vor diesem Hintergrund sollten auch die in den vielen anderen digitalisierten Systemen erfassten Datenmengen betrachtet werden. Er nannte Beispiele wie "Street View", "Google" Glass oder medizinische Geräte, die auch unter diesem Aspekt betrachtet werden müssten. Hilfe bot Weber den Zuhörern auf seiner Webseite unter www.webhygiene.de an. Dort sind Add-ons aufgeführt, die helfen, dass die Internetaufrufe weniger Spuren hinterlassen.

Jugendliche wie Erwachsene fänden auf dieser Seite auch "10 Regeln der Webhygiene". Sie behandeln Themen wie die Verwendung sicherer Kennwörter über das Verhalten in den sozialen Netzwerken oder die Vermeidung von Rechtsverletzungen zum Beispiel durch Cybermobbing.

Die Zuhörer der Abendveranstaltungen begrüßte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß in Weiden und Landrat Andreas Meier in Grafenwöhr. Auf die hohe Bedeutung des Themas Medienkompetenz wies Schulrätin Elisabeth Junkawitsch hin. Organisiert haben die Veranstaltungen Zukunftscoachin Roswitha Ruidisch aus Weiden mit Wirtschaftsförderin Barbara Mädl und Sachbearbeiter Hannes Gilch (beide Landkreis Neustadt).

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