Erprobungsphase mit neuer Behandlungsmethode erfolgreich abgeschlossen
Blasenkrebs den Kampf angesagt

Neueste Medizintechnik zur Behandlung von Blasenkrebs präsentieren mit dem Hyperthermie-Chemotherapie-Verfahren die Mediziner an der Urologischen Abteilung des Klinikums Weiden (von links): Chefarzt Professor Dr. Theodor Klotz, Oberärztin Cornelia Schnorrer, Professor Dr. Dr. Thomas Bschleipfer und die Ärztin Dr. Julia Skutella als besondere Expertin für das neue Verfahren. Bild: Bühner

Gute Nachrichten aus der Urologie des Klinikums Weiden. Nach einem Jahr Probephase steht fest: Eine neue Behandlungsmethode gegen Blasenkrebs hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. Betroffene können neue Hoffnung schöpfen.

(sbü) Seit einem Jahr gibt es am Klinikum eine neue Behandlungsmethode gegen Blasenkrebs. Bayernweit kommt sie derzeit nur in Weiden zum Einsatz, bundesweit an fünf Standorten. Laien könnten das Therapiesystem als "Mikrowellenbestrahlung in der Harnblase" bezeichnen, Fachleute nennen es "Hyperthermie-Chemotherapie (HTC) für Patienten mit Blasenkrebs".

Kaum "Therapieversager"

Das Ärzteteam der urologischen Abteilung unter Leitung der beiden Chefärzte Professor Dr. Dr. Thomas Bschleipfer und Professor Dr. Theodor Klotz zog jetzt nach einjährigem Einsatz des Systems "Synergo® RITE" eine äußerst positive Bilanz. Bei den ersten 20 Anwendungen des neuen Verfahrens gebe es nur zwei "Therapieversager", berichtet Prof. Bschleipfer. Dabei werde die Hyperthermie-Chemotherapie ausschließlich bei Hochrisiko-Tumoren, dem sogenannten muskelinvasiven Blasentumor, eingesetzt. Der Mediziner nennt diese Krebsart auch "Raubtierkrebs", weil sie in die Tiefe des Gewebes eindringt. Erhebliche Risiken für die Lebenserwartung seien damit verbunden.

Wie das neue Verfahren genau funktioniert, erklärt Dr. Julia Skutella. Die Ärztin an der Urologischen Abteilung in Weiden hat sich durch ihre Ausbildung zur "nationalen Tutorin für HTC" auf das neue Verfahren spezialisiert. "Nach der Entfernung eines Blasentumors stellte bisher das Wiederkehren des Tumors und das Eindringen in tiefere Gewebe- und Muskelschichten bis hin zur Metastasierung das große Problem dar", sagt Dr. Skutella. Meist wären Nachbehandlungen mit Chemotherapeutika notwendig gewesen.

Im neuen HTC-Verfahren wird ein Katheder in die Blase eingebracht und mittels Mikrowellenbestrahlung die Harnblasenwand auf circa 42 Grad aufgeheizt. Gleichzeitig erfolgt eine kontinuierliche Spülung der Blase mit einem Chemotherapeutikum. Durch die Erwärmung der Blase werde das Chemotherapeutikum besser aufgenommen und dringe in tiefere Zellschichten ein. Dr. Skutella stellt deshalb gegenüber der herkömmlichen Methode eine "um mehr als das 60-fache effektivere Bekämpfung von Tumorzellen" fest. So komme es zu einer deutlich höheren Zahl an Patienten, die tumorfrei bleiben.

Die Behandlung muss zunächst 8 Wochen lang wöchentlich wiederholt werden und dauert eine Stunde. Bleibt die Harnblase tumorfrei, schließen sich für circa 2 Jahre alle 6 bis 8 Wochen "Erhaltungssitzungen" an. Dass das HTC-Verfahren für die Behandlung von Blasenkrebs von erheblicher Bedeutung ist, erläutert Professor Bschleipfer auch anhand von Statistiken. Bei Männern stehe Blasenkrebs an vierter, bei Frauen an siebter Stelle der häufigsten Krebserkrankungen. Erstes Symptom sei meist sichtbares Blut im Urin ohne Beschwerden oder Schmerzen. Wichtig sei es, einen eventuellen Tumor frühzeitig zu entdecken, stellt der Chefarzt fest.

Risikogruppe Raucher

Rund 300 Fälle von Blasenkrebs würden jährlich am Weidener Klinikum behandelt. Raucher gehörten zu den größten Risikogruppen. Das Durchschnittsalter der Erkrankten liege bei etwa 67 Jahren. Mit dem HTC-Verfahren hatte sich Professor Bschleipfer bereits während seiner früheren Tätigkeit am Universitätsklinikum Gießen befasst.
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