22.02.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ethiktag der Kliniken Nordoberpfalz AG Mit allen Sinnen reden

"Schau mich an, wenn ich mit dir rede!" Der Blickkontakt sagt: Ich stehe als Mensch zu dem, was ich sage. Es ist mir wichtig. "Offen und ehrlich-gute Kommunikation im Krankheitsfall" lautete das Thema des 6. Ethiktags, veranstaltet vom Ethikkomitee der Kliniken Nordoberpfalz AG.

Über die Kommunikation mit Patienten und Angehörigen informierten beim Ethiktag (von links): Andreas Hahn, Dr. Manfred Hausel, Eveline Angstmann, Dr. Thomas Egginger, Dr. Marlene Volz-Fleckenstein, Dr. Heribert Stauder und Dr. Christoph Seidl. Bild: Kliniken Nordoberpfalz AG
von Redaktion OnetzProfil

(exb) In der vollbesetzten Cafeteria beschrieb Oberbürgermeister Kurt Seggewiß als Schirmherr die Macht des Wortes. Er betonte, wie wichtig die Wahrheit im Krankheitsfall sei. Eine Notlüge zu gebrauchen, sei vielleicht bequem, aber nicht fair dem Patienten und den Angehörigen gegenüber.

Ein sensibles Thema

Die Kommunikation mit Patient und Angehörigen sei eine sehr sensible Angelegenheit, erklärte auch Ärztlicher Direktor Dr. Thomas Egginger, der dem Klinischen Ethikkomitee mit Dr. Manfred Hausel deshalb für die Organisation des Ethiktags zu diesem Thema dankte. Als Vorsitzender des Klinischen Ethikkomitees freute sich Dr. Hausel, dass neben Lehrern von Berufsfachschulen und Gymnasien, Seelsorgern, Pflegekräften und Ärzten auch Partner von der OTH Weiden-Amberg, der Volkshochschule, dem Förderverein für Schwerkranke, SPZ, Maria-Seltmann-Haus und der AOK vertreten waren.

Dr. Christoph Seidl, Priester und Beauftragter für die Krankenhaus- und Hospizseelsorge der Diözese Regensburg, sprach über die Kommunikation "mit allen Sinnen". Er stellte fest, dass das gesprochene Wort dabei nur fünf Prozent der Kommunikation ausmache. Über Haltung und Gesten signalisieren wir unserem Gegenüber die Meinung. Mehrere Vorschläge gab Dr. Seidl den Zuhörern mit nach Hause: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, Ansehen ist Diamant. Wenn die Worte fehlen, beginnt eine intensive Kommunikation: "Mir fehlen die Worte, aber ich sehe Ihren Schmerz."

Über "Therapieentscheidung zwischen Patientenwillen und Patientenautonomie" sprach Dr. Heribert Stauder, Onkologe und Vorsitzender des Klinischen Ethikkomitees am Klinikum Barmherzige Brüder Regensburg. Umfassend und verständlich aufgeklärt, sollte der Patient in der Lage sein, seine Therapie selbst auswählen zu können.

Bei jeder Maßnahme kommt es darauf an, zum einen die Indikation zu überprüfen, also festzustellen, ob der Eingriff überhaupt angezeigt ist. Dabei müssen Fragen aus der Medizin (was kann man?), aus dem Recht (was darf man?) und aus der Ethik (was soll man tun?) berücksichtigt werden. Neben der Indikation ist zum zweiten der Patientenwille, also die Autonomie festzustellen und zu berücksichtigen. Dies ist seit einigen Jahren auch im Gesetz verankert.

Zum Thema "Kinderpalliativversorgung" berichtete Dr. Marlene Volz-Fleckenstein als Kinderonkologin und Palliativmedizinerin aus Regensburg von ihren Erfahrungen durch Gespräche mit Kindern und Eltern bei Krankheitsverläufen, an deren Anfang die Diagnose einer unheilbaren, zum Tode führenden Erkrankung stand. Kinder haben ihre eigene, recht klare Art, mit dem Tod umzugehen, berichtete sie. Sie legen zum Beispiel fest, mit welchem Kleid sie bestattet werden wollen und wie sie geschminkt werden sollen.

Trost vom sterbenden Kind

Nach einem Gespräch zwischen Arzt und Mutter, das zum wiederholten Male die infauste Prognose nahelegen sollte, sagte das betroffene Kind zum Arzt: "Hoffentlich hat's meine Mutter jetzt verstanden." Aber auch Trost und Liebe können von Kindern kommen, die im Sterben liegen. So beruhigte ein Kind die Eltern mit den Worten: "Ihr müsst nicht traurig sein, wenn ich sterbe, weil ich im Himmel bin. Schaut auf zu den Sternen; der hellste Stern bin ich."

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