27.02.2017 - 18:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Europa-Berufsschule schickt Schüler und Lehrer ins Ausland Lehrling in London, Praktikant in Paris

500 Schüler aus Weiden und Wiesau hat Alois Pecher seit 2007 ins Ausland geschickt. In drei Wochen Aufenthalt lernen die Berufsschüler fachspezifische Kenntnisse für ihren Beruf und soziale Kompetenzen.

Eine Gruppe Schülerinnen der Europa-Berufsschule vor der St. Paul's Cathedral in London. Dort absolvieren die jungen Frauen Berufsbildungskurse - ein Zuschuss der EU macht's möglich. Archivbild: hfz
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Seit 2007 kümmert sich Pecher, Mitglied der Schulleitung der Europa-Berufsschule, um Erasmus-plus-Programme (früher Comenius- und Leonardo-Programme) der Europäischen Union (EU). In England, Irland, Tschechien, Frankreich und Spanien besuchen die Schüler jedoch keine Sprachkurse, sondern nehmen an Seminaren zur Berufsbildung teil. Dafür hat der Lehrer ein Netzwerk an 17 Partnereinrichtungen aufgebaut. "Unsere Schüler werden in diesen Ländern gerne genommen", sagt Pecher. Zum Beispiel für Praktika im St. Guy's Hospital in London. Vom größten Krankenhaus der Stadt genießen die jungen Leute von der 30. Etage auch einen tollen Blick auf die Stadt. An den Wochenenden unternehmen die Schüler Ausflüge.

Für drei Wochen Aufenthalt in Gastfamilien, Praktika und Unterricht erhalten die Schüler einen Zuschuss der EU: etwa 900 Euro für London, rund 750 Euro für Paris. Trotzdem müssen die Schüler oder die Firma, an der sie ihre Lehre absolvieren, für eine berufsbildende Reise nach London noch 1700 Euro hinblättern. "Und London ist noch am günstigsten", weiß Pecher. "Weil manche Schüler kein Geld haben, habe ich einen Förderverein gegründet", erklärt er.

46 Seiten Antragsformular

Für jeden Aufenthalt seiner Schüler muss der Lehrer einen Antrag stellen. 46 Seiten hat das Formular, das Pecher ausfüllen muss. An vielen Stellen muss der Erasmus-plus-Koordinator begründen, warum seine Schüler in London, Paris, Straßburg, Madrid oder Grenada lernen. Am Anfang war der Antrag "für mich ein Buch mit sieben Siegeln." Sechs Wochen benötigte er zu Beginn zum Ausfüllen. Nun hilft er auch anderen Schulen wie der Berufsschule in Wiesau. Über eine Million Euro Zuschüsse hat er bisher von der EU erhalten.

Aber nicht nur Schüler und Azubis profitieren von den EU-Programmen, sondern auch inzwischen 100 Lehrer und Ausbilder. An den Partnereinrichtungen im Ausland lernen sie von Kollegen andere Unterrichtssysteme kennen, erhalten Impulse in Didaktik und Methodik. Mit den Ausbildern der Firmen stellen Lehrer zum Beispiel einen Unterrichtsplan auf, erstellen den Ablauf einiger Unterrichtsstunden und halten diese - zum Teil auch auf Englisch - anschließend vor einer Klasse.

Obwohl viele Weidener Erfahrung im Ausland sammeln, kommen nur wenige Schüler, Lehrer und Azubis der Partnereinrichtungen in die Oberpfalz: Etwa 100 Schüler und 50 Lehrer seien es in den vergangenen zehn Jahren gewesen, schätzt Pecher.

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