Eurosand verklagt Ziegler Ambiente auf Schadensersatz
Sand, Steine, Scherben

Symbolbild: Volker Hartmann/dpa

Beide machen ihr Geschäft mit Dekoartikeln, wie buntem Sand. Jetzt knirscht es kräftig zwischen den Konkurrenten. Eurosand klagt gegen Ziegler Ambiente auf Schadensersatz. 2016 war ein Mitarbeiter nach Plößberg gewechselt - mitsamt der Vertriebsliste. Eurosand beziffert die Gewinneinbußen seither auf über eine Million Euro.

Die Handelskammer am Landgericht muss zunächst einmal entscheiden, ob überhaupt Ansprüche bestehen. Die Verhandlung am Montag ergibt die Tendenz dazu: "Wir finden nicht in Ordnung, was da gelaufen ist", sagt Vorsitzender Richter Reinhold Ströhle. "Es handelt sich um Geheimnisverrat, der sicher Auswirkungen bei Eurosand hatte." Nur: In welcher Höhe? Erst eine weitere Klage unter Einschaltung von Wirtschaftsprüfern könnte Klarheit geben. Ströhle: "Das ist ein langer Weg, bis das durchprozessiert ist."

Für Ströhle steht außer Frage, dass sich die Plößberger Konkurrenz gegenüber Eurosand nicht korrekt verhalten hatte: "Es besteht kein Zweifel, dass der Mitarbeiter die Daten unbefugt auf seinem Laptop mitgenommen hat und diese Daten im Betrieb Ziegler unbefugt verwendet wurden." Der jetzt mitbeklagte Vertriebsmann ist in dieser Sache vom Amtsgericht Regensburg wegen Geheimnisverrats zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Für Richter Ströhle gibt es auch keinen Zweifel, dass es sich um schutzwürdige Daten handelt. Die Liste umfasst rund 3000 Kundennamen plus Umsätze und gewährte Rabatte. "Diese Daten gelten schon vom allerersten Anschein her als Betriebsgeheimnisse." Die Adressen wurden genutzt, um einen eigenen Katalog - dem von Eurosand frappierend ähnlich - zu verschicken. Inklusive aller Fehler in den Anschreiben, wie "Ditzel" statt "Dietzel". Und immer lagen die Rabatte einen Hauch unter den Nachlässen von Eurosand.

Die Richter halten es allerdings für schwierig, den Schaden zu beziffern. "Eurosand spricht von einem Riesen-Umsatzrückgang", so Ströhle. Die Anwälte der Ziegler Ambiente lassen dagegen von ihrer Geschäftsführung übermitteln, dass man mit den "Katalogkunden" im Jahr 2017 insgesamt nur einen Umsatz von mageren 16 000 Euro gemacht habe. Zudem "lebt Ziegler nicht auf Basis dieser Kundendaten". Vielmehr habe sich die Ziegler Ambiente GmbH gezielt durch den Kauf anderer Konkurrenzbetrieben aus der Branche aufgebaut, wie Deko-Projekt und iDeco.

Der Vorstoß des Richters auf einen Vergleich - "Ziegler zahlt Summe x an Eurosand" - verhallt ungehört. Ziegler lässt sich durch die Juristen Dr. Mathias Fleischmann und Oliver Schuster (Bayreuth) vertreten. Diese machen kein Angebot. Von Eurosand sind beide Geschäftsführer Thomas Neumann und Herbert Walterscheid-Müller erschienen, dazu etliche Mitarbeiter im Sitzungssaal. Ihr Anwalt Dr. Markus Wiedemann (Berlin) will einen Urteilsspruch: "Vielleicht kommen wir mit der Gegenseite ins Gespräch, wenn im Namen des Volkes Fakten geschaffen werden."

Die Kammer berät nun, ob ein Anspruch auf Schadensersatz besteht. Ein Urteil wird am 12. März, 10 Uhr, verkündet. Sie befasst sich auch mit den weiteren Anträgen, darunter die Löschung der Vertriebsliste.

Wir finden nicht in Ordnung, was da gelaufen ist. Es handelt sich um Geheimnisverrat, der sicher Auswirkungen bei Eurosand hatte.Reinhold Ströhle, Vorsitzender Richter der Handelskammer
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