10.05.2017 - 20:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ex-ATU-Manager vor Gericht: Gebietsleiter in Weiden schlug frühzeitig Alarm Rätselhafte Rechnungen

Die Einzigen, die den Mund aufmachten, waren die Oberpfälzer. Dem ATU-Gebietsleiter (44) in Weiden fielen die rätselhaften Rechnungen in seiner Monatsaufstellung sofort auf. Demnach waren die Außenanlagen von sieben seiner Filialen in Nordbayern von einem externen Dienstleister gereinigt worden. Der 44-Jährige - 23 Jahre bei ATU - schrieb eine Mail an das Büro des jetzt angeklagten Vorgesetzten: "Wer hat das in Auftrag geben? Was hat der Kerl da gereinigt? Sollen wir das Geld zurückfordern?"

von Christine Ascherl Kontakt Profil

Damit fasst er die Kernfragen zusammen. Seit Montag sitzen vor dem Schöffengericht der aalglatte Ex-ATU-Manager aus Oberbayern (39), der die Rechnungen laut Staatsanwaltschaft abzeichnete, und der externe Dienstleister (38), der "unsichtbare" Dienste erbrachte. Weder seine "Reinigungsarbeiten", noch seine "Schulungen" wurden von den Filialleitern vor Ort bemerkt. Staatsanwalt Christoph Krieger beziffert den Schaden auf 90 000 Euro zulasten von ATU. Das Unternehmen prüft seinerseits zivilrechtliche Ansprüche.

30 Zeugen in 7 Stunden

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl hörte am Dienstag in sieben Stunden (15 Minuten Pause) fast 30 Zeugen. Man hätte eine Platte auflegen können, die mal die A- und mal die B-Seite abspielt. Auf der einen Seite standen 14 Filialleiter von ATU, teils schon lange im Unternehmen. Keiner konnte sich an Reinigungen oder Schulungen im Dezember, Januar und Februar 2015 erinnern. Und überhaupt: "Da lag doch Schnee." Ein Filialleiter aus dem Bayerischen Wald kritisiert vor Gericht den rauen Führungsstil des angeklagten ATU-Managers.

Dieser arbeitete ab September 2014 sieben Monate für ATU. In dieser Zeit heuerten auch drei neue Gebietsleiter an, die vor Gericht zugunsten des Angeklagten aussagen. Einer sagt: "ATU hat uns die Stelle angeboten. Wir nahmen an, weil es eine neue Herausforderung war." Sie bestätigen geleistete Reinigungsarbeiten in ihren Filialen. Sie bezeugen auch die "Schulungen". "Der Begriff ist unglücklich gewählt." Es habe sich um "Potenzial-Sensibilisierung" gehandelt. Der externe Dienstleister sei in vier Filialen über den Parkplatz gegangen, habe sich die Autos angesehen und die Mitarbeiter auf mögliche Zusatzgeschäfte im Bereich Glas- und Dellenreparatur hingewiesen.

Die Kosten für diese 40 "Schulungstage" - 36 000 Euro - wurden auf rund 40 bayerischen Filialen umgelegt, weil es ein "Pilotprojekt" gewesen sei. Ein seltener Moment, in dem Vorsitzenden Richter Heindl ein Lächeln enthuscht. Ansonsten hat das Schöffengericht nichts zu lachen. Zwei wichtige Zeuginnen - die Mitarbeiterinnen des Angeklagten, welche die Rechnungen mit unterschrieben haben sollen - sind a, krank oder b, in die Schweiz verzogen.

Der Weidener Gebietsleiter bekam Antwort von der Mitarbeiterin, die jetzt in der Schweiz lebt und trotz Ladung nicht aussagen will: "Die Reinigung wurde von Herrn (dem Angeklagten) in Auftrag geben." Das Verfahren ist bis Ende Juni terminiert.

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