24.02.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Experten informieren über Arthroskopie: Kleiner Eingriff, große Wirkung

Arthroskopie gehört in der Schulmedizin zu den am häufigsten eingesetzten Behandlungsmethoden. In manchen Fällen ist sie jedoch umstritten, wie jetzt bei einer Patientenveranstaltung erläutert wurde.

Über Arthroskopie informierten (von links): Oberarzt Dr. Lukas Parik, Leitender Oberarzt Dr. Zakaria Abo-Mostafa, Oberarzt Ahmed Mestan und Chefarzt Dr. Neubauer-Gartzke. Bild: Bühner
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) Medizin ist für Patienten oftmals schwer zu verstehen. Dabei wollen sie sich heutzutage nicht mehr blind in eine ärztliche Behandlung begeben. Diesem Interesse trägt das Weidener Klinikum seit längerem mit Informationsveranstaltungen Rechnung. Diesmal ging es um eine der gängigsten Behandlungsmethoden von Gelenkproblemen, die Arthroskopie.

400 000 Eingriffe am Knie

So werden zum Beispiel jährlich in Deutschland über 400 000 arthroskopische Eingriffe an Kniegelenken vorgenommen. Auch am Klinikum in Weiden gehört diese Behandlungsmethode längst zu den Standardtherapien. Chefarzt Dr. Thomas Neubauer-Gartzke von der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie hatte zur Informationsveranstaltung in den Räumen der OTH Weiden eingeladen.

In drei Vorträgen wurden die Zuhörer über Methoden und Einsatzbereiche der Gelenkarthroskopie informiert. In allen Vorträgen wurden zahlreiche Argumente angeführt, um bei Patienten das Vertrauen in diese Behandlungsmethode zu fördern. So erläuterte Dr. Neubauer-Gartzke: "Das Gerät, mit dem wir in das Gelenk eindringen, ist gerade einmal 2,4 Millimeter dick." Und er zeigte, dass Arthroskopie sowohl eine Diagnose als auch eine Behandlungsmethode ist. Dabei wird der Innenraum des Gelenkes durch die kleinen Einstiche inspiziert und gegebenenfalls auch operiert. Das Gelenk wird dabei ständig mit einer sterilen Flüssigkeit durchgespült, so dass die Gelenkkapsel leichter zugänglich ist.

Bilder des Gelenkinneren auf Monitoren informieren den Operateur und ermöglichen so die notwendigen Behandlungsschritte. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose, oftmals ambulant. Vorher sollten alle "konservativen Behandlungsmethoden" - wie Medikamente, Injektionen, Krankengymnastik, Bestrahlung oder Stoßwellentherapie - ausgeschöpft sein.

Über Arthroskopie am Kniegelenk informierte im Detail dann Oberarzt Dr. Lukas Parik. "Dieses Standardverfahren hat die klassische Knieoperation in vielen Fällen abgelöst", stellte der Mediziner fest. Eingesetzt werde die Arthroskopie bei zahlreichen Indikationen, zum Beispiel nach Unfällen oder bei degenerativen Veränderungen am Kniegelenk. Auch Kreuzband-, Knorpel- und Meniskusschäden oder das sogenannte Kniebinnen-Trauma nach einem Autounfall wurden genannt. "Das Kreuzband kann durch eine körpereigene Sehne ersetzt werden", belegte Dr. Parik anhand von Bildern. Hilfe gibt es auch bei Instabilität der Kniescheibe durch "arthroskopische Verstärkung auf der Knie-Innenseite durch eine körpereigene Sehne".

Differenziert sei der Einsatz der Arthroskopie im Falle der Volkskrankheit Arthrose zu beurteilen, stellte der Referent fest. Nachdem in einer amerikanischen Studie weitgehend deren Nutzlosigkeit nachgewiesen wurde, strichen die gesetzlichen Krankenkassen Arthroskopie im Falle der Arthrose aus ihrem Leistungskatalog. Dennoch könne das Verfahren in Einzelfällen, zum Beispiel unfallbedingter Gelenkblockaden oder Meniskus-Verletzungen, sinnvoll sein.

Einsatz am Schultergelenk

Zwei weitere Einsatzfelder der Arthroskopie wurden am Abend vorgestellt. Oberarzt Ahmed Mestan zeigte diese als Behandlungsmethode für traumatische und degenerative Erkrankungen des Schultergelenks. Schmerzen ergeben sich oft beim Anheben des Armes. Auch das Ausrenken der Schulter ("Schulterluxation"), die Kalkschulter oder die Schultergelenksprengung wurden als Anwendungsbeispiele erläutert. Über Handgelenkarthroskopie sprach Leitender Oberarzt Dr. Zakaria Abo-Mostafa. Anwendungsfälle seien unter anderem Bandverletzungen, Handgelenksentzündungen, freiliegende Gelenkkörper, Knorpelschäden oder Elle-Verschiebungen.

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