18.10.2017 - 18:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Fall Böhmerwaldstraße: Verkehrsbehörde nimmt Stellung Scharfe Kontrollen gegen Temposünder und Kinder ab auf den Spielplatz

Nun gibt die städtische Verkehrsbehörde Gas in Sachen Böhmerwaldstraße. In einer Pressemitteilung will sie "zur Versachlichung" beitragen und stellt erst einmal klar, was der Anlieger dort nie behauptet hat: Die Böhmerwaldstraße sei keine "Spielstraße" im Sinn der Straßenverkehrsordnung. Eine solche wäre mit einem "Verbot für Fahrzeuge aller Art" und einem Zusatzschild wie das "ballspielende Kind" beschildert. "Das würde jeglichen Fahrzeugverkehr ausschließen", weiß die Verkehrsbehörde.

Schilderlehrer: Der Beginn eines verkehrsberuhigten Bereichs. Hier sind spielende Kinder erlaubt. Aber "Spielstraße" nennt sich das laut Verkehrsbehörde deshalb noch lange nicht. Bild: Meister
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Fahrzeugverkehr ausgeschlossen? Das ist in der Böhmerwaldstraße wahrlich nicht der Fall: 1872 Autos, die pro Woche zu schnell durch die verkehrsberuhigte Straße steuern, zählte die Stadt. Manche seien mit bis zu 80 Sachen unterwegs, sagt der zweifache Vater Thomas Eder. Schrittgeschwindigkeit ist erlaubt.

Die Schrittgeschwindigkeit bestätigt die Verkehrsbehörde in dem "verkehrsberuhigten Bereich" Böhmerwaldstraße. Fußgängern sowie spielenden Kinder stehe hier grundsätzlich die gesamte Fahrbahnfläche zur Verfügung. "Oberstes Gebot ist dabei aber die gegenseitige Rücksichtnahme. Auch wenn Fahrzeugführer Fußgänger und spielende Kinder nicht gefährden oder behindern dürfen, haben diese trotzdem keine ,Vorfahrt'", betont die Behörde. Ihr Fazit aber dürfte überraschen: "Spielende Kinder sind auf ausgewiesenen Spielplätzen immer sicherer aufgehoben als auf der Fahrbahn. Dies gilt erst recht, wenn bekannt ist, dass sich Fahrzeugführer trotz einwandfreier Beschilderung leider nicht immer regelkonform verhalten."

Korrekte Schilder, aber inkorrektes Verhalten der Autofahrer. Das prangerte der Anwohner auch schon bei der Stadtverwaltung an. "Aber keiner stellt sich der Verantwortung und unternimmt etwas dagegen", klagte der 49-Jährige bei Oberpfalz-Medien und begann, Unterstützer-Autogramme zu sammeln, um Oberbürgermeister und Stadträte damit zur "Behebung dieser Missstände" zu bewegen.

Derweil ist die Verkehrsbehörde bereits in die Gänge gekommen. Sie teilt mit: "Nach einer ersten orientierenden Geschwindigkeitsmessung ist nunmehr geplant, in der nächsten Zeit mit einem auch für geringe Geschwindigkeiten geeigneten Messgerät ,scharf' zu kontrollieren und Verstöße zur Ahndung zu bringen." Eders Theorie, die Stadt könne haftbar gemacht werden, wenn sie trotz wiederholter Gefahrenhinweise nicht handelt und etwas passieren sollte, widerspricht die Behörde: "Es gibt keinen Haftungsanspruch gegenüber der Stadt, wenn sich Verkehrsteilnehmer nicht regelkonform verhalten." Auch dem von Eder angeregten Linksabbiegeverbot von der Vohenstraußer Straße erteilt die Behörde eine Absage: "Das ist bereits wiederholt in Ausschüssen diskutiert, aber wegen des Verlagerungseffekts in andere Straßen nicht realisiert worden." Allerdings könne über weitere bauliche Maßnahmen wie Pflanztröge nachgedacht werden, "sollten wider Erwarten auch empfindliche Bußgelder und Fahrverbote keine Besserung der Situation ergeben".

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