09.03.2018 - 16:10 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Frauen und Männer erzählen ihre Geschichten Betroffen: "#MeToo" auch in der Oberpfalz

"#MeToo" - "Ich auch" - posten Frauen, um öffentlich zu zeigen, dass sie sexualisierte Gewalt erlebt haben. Die Debatte hat auch die Region erreicht. Oberpfälzer Frauen sind davon nicht ausgeschlossen - und berichten von ihren Erlebnissen. Auch Männer aus der Oberpfalz haben etwas zu "#MeToo" zu sagen.

von Redaktion OnetzProfil

Studentin auf Reisen, 27

Ich wollte niemals Teil der "#MeToo"-Bewegung werden. Unfreiwillig muss ich mich nun aber trotzdem zu der Gruppe zählen, die sexuelle Belästigung und Übergriffe am eigenen Leib erfahren hat. In einer U-Bahn in Moskau wurde ich 2017 von einem solchen Ereignis völlig überrumpelt. Ich war auf dem Weg zu einer Freundin, als mich, mitten am Tag, ein nicht-russischer Mann etwa Mitte 30 ansprach und nach meinem Namen fragte.

Keinesfalls war ich aufreizend angezogen. Ich trug eine Jeans und ein T-Shirt, drüber ein Jäckchen. Ich versuchte, ihn einfach zu ignorieren, doch er verfolgte mich – auf einer Rolltreppe stand er wieder neben mir und sagte hämisch lächelnd: „Wenn du mir deinen Namen nicht sagst, dann küsse ich dich.“ Ich erzählte ihm, ich hätte einen Freund und würde ihm deshalb meinen Namen nicht sagen. Das schien ihn noch zu ermutigen – er fasste mir an die Taille. Ich stieß ihn weg und machte ihn auf zwei Polizisten aufmerksam, welche die U-Bahn im Blick hatten. Diese Warnung schien Wirkung zu haben und ich machte mich erleichtert auf den Weg zu meinem Gleis.

Als ich jedoch in die Bahn einsteigen wollte, stand er wieder ganz nah hinter mir. Mir wurde klar, dass er so leicht nicht aufgeben würde, lief zu den Polizisten und schilderte die Vorkommnisse. Sie stellten ihn schließlich zur Rede, kontrollierten seine Papiere und hielten ihn so lange auf, bis ich in die nächste U-Bahn gestiegen war.

Sängerin einer Partyband, 27

Je mehr Alkohol die Gäste trinken, desto hemmungsloser werden sie. Das merkt man nach jeder kurzen Pause. Manchmal kommen Männer auf die Bühne, legen den Arm um mich, singen in mein Mikro und feiern kurz ein bisschen bei uns auf der Bühne. Ich hasse es. Ich kenne diese Leute nicht, ich will nicht beste Freunde mit ihnen auf der Bühne spielen. Aber vor allen wegschubsen – geht nicht.

Sollte es mal schlimmer werden, hab’ ich ja noch fünf meiner Musikerkollegen hinter mir. Meistens hauen die Betrunkenen aber nach ein, zwei Liedern wieder ab. Und ich schaue in den Pausen, dass ich mich von solchen Gruppen fernhalte.

Kellnerin in einem Restaurant, 26

Vor kurzem waren Amis da und die waren schon ein bisschen betrunken. Der eine meinte dann, er wolle zahlen. Als ich hin bin hat er seine Hose aufgemacht. Er hatte keine Unterhose an und ein paar kleine Geldscheine um seinen Penis rumgesteckt. Er sagte: „Just take it you deserve it“. Ich hab dann einen männlichen Kollegen zum Abkassieren geschickt, aber da war die Hose anscheinend wieder zu.

Die anderen Jungs, die gearbeitet haben, haben das dann runtergespielt und sich über mich lustig gemacht. Sie haben gesagt, dass ich mir das nur eingebildet hab. Ich wär dann am liebsten einfach heimgegangen. Danach haben sich die Kollegen aber entschuldigt. Die Tatsache, nicht ernst genommen zu werden, war eigentlich noch schlimmer als der ekelige Anblick.

Alleinreisende Touristin, 27

Weil ich nachts auf Bali kein Taxi bekam, mietete ich mir einen Roller. Hätte ich vorher gewusst, dass ich auf dieser Fahrt um mein Leben bangen sollte, hätte ich lieber die ganze Nacht auf ein Taxi gewartet. Auf halber Strecke näherte sich ein anderer Roller-Fahrer. Er scherte aus, doch überholte nicht, sondern fuhr neben mir her. Als ich ihn ansah, lächelte er mich an, streckte seine Hand aus und fasste mir an die Brüste. Viel zu lange dauerte dieser Moment, er grabschte ausgiebig an mir herum. Um mich herum allerdings nur Weite, kein Mensch, keine Stadt, nichts. Ich dachte kurz daran, ihn zu schubsen, doch ich hielt das Gaspedal in der rechten Hand. Kicken wollte ich ihn auch nicht, denn seine Beine waren wesentlich länger als meine. Ich hatte Angst. Angst, im Graben zu liegen und diesem Menschen komplett hilflos ausgeliefert zu sein. Schließlich ließ er von mir ab und fuhr weiter.

Doch kurze Zeit später kam ein anderer Mann auf einem Roller und fing an, mir zu erzählen, er wolle mit mir schlafen. Ich antwortete ihm nicht, doch er fuhr eine gefühlte Ewigkeit neben mir her. Da näherten wir uns einem kleinen Ort, ich sah Imbisse und Menschen. Meine Rettung. Ich hielt an. Er drehte sich mehrere Male um, um zu sehen, wohin ich fuhr. Und ich musste weiterfahren, der Roller war gemietet und hier konnte ich nicht bleiben. In dieser Nacht kam ich gut an, doch auf dem Rückweg fuhr erneut ein Mann mit ausgestrecktem Arm an mir vorbei. Ich konnte ihm ausweichen, das passte ihm nicht und er verfolgte mich, obwohl ich schon Haken schlug, um ihn abzuschütteln.

Im Nachhinein habe ich mich lange gefragt, warum sich diese Männer gerade mich ausgesucht hatten. Ich hatte ein T-Shirt an und meine Beine waren bis auf Knöchel bedeckt, meine blonden Haare unter dem Helm. Vielleicht war es die Hautfarbe meiner Knöchel und der Arme, die mich verraten haben. Ich denke, eine Touristin, die alleine reist, ist ein leichtes Opfer. Niemand kennt sie, und sie kennt niemanden.

Kosmetikerin, 31

Ich erlebe in meinem Beruf als Kosmetikerin die verrücktesten Sachen. Vor allem, wenn Männer zur Massage kommen. Es hat schon mehrere Fälle gegeben, in denen mich Kunden gefragt haben, ob ich noch mit auf ihr Zimmer – das Kosmetikstudio gehört zu einem Hotel – komme. Manche wollten mir auch mehr Geld bezahlen und ich sollte dafür andere Körperregionen massieren. Eigentlich sind anzügliche Anspielungen bei uns Standard.

Zu "#MeToo" äußern sich fast nur Frauen. Doch viele Männer haben dazu etwas zu sagen - auch in der Oberpfalz.

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