19.03.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Frühjahrssynode des Evangelischen Dekanats: Taufe erleben und leben

Taufe bedeutet mehr als nur Zugehörigkeit zur Kirche. Schon Luther machte darauf aufmerksam. Bei der Dekanatssynode gibt die Münchner Pfarrerin Dr. Barbara Pühl Denkanstöße. Nur noch drei Viertel aller Täuflinge sind Babys. Von der Idee "Soll das Kind einmal selbst entscheiden" hält sie aber nicht viel.

Frühjahrssynode des Dekanats: Moderatorin Pfarrerin Dr. Barbara Pühl sorgt für Vorschläge zur Wiederbelebung des Taufgedankens. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) Ihr Impulsreferat "Getauft - und dann?" stand am Anfang der Frühjahrssynode 2017 des Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirks Weiden. Sieben Arbeitsgruppen entwickelten dazu Vorschläge, die beitragen sollen, dass die Taufe wieder mehr Bedeutung im Alltag der Christen bekommt.

Zentrale Aussage des Referats war die Feststellung: "Die Verbindung von Taufe und Bekenntnis zu Gott ist nicht mehr selbstverständlich." Die Bedeutung der Taufe habe sich verändert. Taufe sei zum familiären, persönlichen Ereignis geworden. Der Bezug zur ursprünglichen Bedeutung gehe zunehmend verloren. Seit der frühchristlichen Kirche war die Taufe mehr als der Beitritt zur Kirche und zur Gemeinschaft mit Christus. Insbesondere Sündenvergebung und Heilsgewissheit sowie der Auftrag, den Geist Gottes weiterzugeben, seien damit verbunden, stellte Pühl fest.

Viele Schüler-Taufen

Doch für viele Menschen sei "Heilsgewissheit nicht mehr relevant". Gefragt werde: "Was ist der Mehrwert der Taufe, was bringt sie mir?" Auch habe sich in den letzten Jahren im praktischen Umgang mit der Taufe vieles verändert. Vor allem hätte sich das Taufalter verschoben. Pühl nannte Zahlen. Unter den rund 22 000 Taufen in der evangelischen Kirche in Bayern erfolgten nur rund 16 000 im ersten Lebensjahr. 5000 zwischen dem zweiten und 14. Lebensjahr und knapp 1000 danach.

Dass die Taufe ihre ursprüngliche Bedeutung verloren habe, begründete Pühl auch damit,"dass man über Glaube im Alltag nicht mehr redet". Religion wurde zur Privatsache. Folglich falle die Lehre der evangelischen Kirche und das, was die Menschen glauben, auseinander. Aus ihrer Erfahrung als Religionspädagogin sollte das Abwarten der Eltern - "das Kind soll sich später selbst entscheiden, ob es sich taufen lässt" - nicht empfohlen werden. Die wenigsten würden sich später taufen lassen. Auch Alleinerziehende ließen ihre Kinder selten taufen. Kinder würden sich aber frühzeitig mit ihrer Situation identifizieren und sich deshalb als "ungetauft" oder als "Christ" sehen und einordnen. "Die Zugehörigkeit zur Religion hat viel mit der eigenen Biographie zu tun."

Aus den Arbeitsgruppen der Dekanatssynode kamen dazu zahlreiche Vorschläge. So unter anderem, die Taufe wieder stärker in den Gottesdienst einzubinden oder "Tauferinnerung" zu feiern. Einige Vorschläge betrafen auch den Religionsunterricht und die Situation der Religionslehrer. Weniger Unterrichtskürzungen, Religionslehrer häufiger in ihren eigenen Kirchengemeinden einsetzen und ihnen mehr Kontakte mit der Gemeinde ermöglichen, lauteten einige Vorschläge. Auch sollten neue Gottesdienstformen erprobt werden und mehr Kontakte mit den jungen Menschen nach der Konfirmation gepflegt werden. Für Erwachsene, die sich taufen lassen, sollte durch Unterstützungsangebote eine "Willkommenskultur" aufgebaut werden.

Angebot für junge Familien

Lang war auch die Vorschlagsliste von Pühl. Sie reichte vom begleitenden Angebot für junge Familien über mehr "tauforientierten Gemeindeaufbau" und Elternbriefe bis zu Geburtstagsglückwünschen bereits in der Lebensmitte. Präsidentin Käthe Pühl begrüßte die Synodalen. Ein Grußwort für die katholische Kirche sprach Monsignore Andreas Uschold. Ein Gottesdienst in St. Michael unter Leitung von Dekan Wenrich Slenczka bildete den Auftakt.

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