Führte Verrat von Betriebsgeheimnissen zu Umsatzeinbruch?
Eurosand verklagt Konkurrenz

Harte Konkurrenz: Sand, Steinchen, Wasserperlen, Kunstschnee und vielerlei andere Dekoartikel sind Stein des Anstoßes für mehrere Gerichtsverfahren in der Oberpfalz. Bild: exb/Eurosand

Ein ehemaliger Mitarbeiter von Eurosand ist vor dem Amtsgericht Regensburg wegen Verrats von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Er war 2016 zur Konkurrenz in den Landkreis Tirschenreuth gewechselt. Dort arbeitete er mit Vertriebsdaten seines früheren Arbeitgebers aus Weiden. 

Das Urteil fiel mit 90 Tagessätzen à 100 Euro für den 30-Jährigen relativ glimpflich aus. Damit ist der Bürokaufmann gerade noch nicht vorbestraft. Ein vorheriger Strafbefehl hatte auf 150 Tagessätze zu je 50 Euro gelautet. Der 30-Jährige hatte Einspruch eingelegt. Aus diesem Grund wurde am Montag verhandelt. Regensburg ist zentral zuständig für Wirtschaftsstrafsachen.

Nicht alles gestanden

Vor Richter Alexander Guth legte der Betriebswirt – nach 30 Minuten Herumredens – ein Teilgeständnis ab. Verteidiger Tobias Liebau verlas eine Erklärung: Ja, es sei seinem Mandanten bewusst gewesen, dass es sich bei der Kundenliste um Daten und Betriebsgeheimnisse von Eurosand handelte. „Er hat das in Kauf genommen und damit gearbeitet.“ Aber: Nein, der 30-Jährige habe diese Liste nicht beschafft.

Die Excel-Tabelle enthielt rund 3000 Kundenadressen weltweit plus zugehörige Umsatzzahlen. Die Liste befand sich auf einem Notebook, das dem neuen Arbeitgeber gehörte und vom Angeklagten genutzt wurde. „Das Gerät stand im Büro, in dem sich drei, vier Mitarbeiter aufgehalten haben. Da konnte jeder zugreifen“, verteidigte sich der Angeklagte.

Nicht wirklich schlüssig erklären konnte er, warum er das Notebook in einer Schublade der Firmenküche versteckte, als auf dem Hof die Polizei zur Durchsuchung anrückte: „Eine Affekthandlung.“ Man sei vorher von einem Kunden gewarnt worden, dass Eurosand rechtliche Schritte plane. Das Gericht beließ es dabei, auch wenn Richter Guth anmerkte: „Sieht halt schon blöd aus.“

Das Strafverfahren ist damit passé. Das Urteil wurde allgemein akzeptiert und ist rechtskräftig. Aber: Parallel hat Eurosand den Konkurrenten auf Schadensersatz verklagt. Geschäftsführer Herbert Walterscheid-Müller beziffert die Schadenssumme auf 1,6 Millionen Euro. Der Umsatz sei um 20 Prozent eingebrochen. In der Folge habe man 30 Stellen abbauen müssen. Das Landgericht bestätigt den Eingang der Zivilklage. Beklagte sind der 30-jährige Angestellte und sein neuer Arbeitgeber.

Walterscheid-Müller ist „persönlich enttäuscht“. Der Angeklagte habe sieben Jahre bei Eurosand gearbeitet, Anfang 2016 gekündigt und sei nach einem Gastspiel in einer anderen Firma Ende 2016 zur Konkurrenz gewechselt. Kurz darauf sei man im Januar 2017 auf der Messe „Christmas World“ in Frankfurt plötzlich von Kunden angesprochen worden, ob man sich umbenannt hätte. Die Kunden zeigten einen „beinahe deckungsgleichen“ Katalog. Das zugehörige Mailing trägt zwei Unterschriften: des 30-jährigen Angeklagten sowie eines weiteren Ex-Mitarbeiters, dem 2011 von Eurosand gekündigt worden war. Das Tirschenreuther Unternehmen hatte mit den beiden „Managern“ einen neuen Geschäftszweig für Dekomaterial eröffnet.

Schreibfehler identisch

Eurosand erstattete Anzeige. Die Kriminalpolizei Weiden ermittelte. Dem Vernehmen nach ließ sich ziemlich genau feststellen, dass die Kundenliste von Ende 2015 stammt – und damit aus dem Zeitraum, in dem der 30-Jährige das Unternehmen verließ. Bei der Datierung half beispielsweise die Heirat einer Kundin, die später einen anderen Nachnamen trug. Es gab Wechsel bei den Ansprechpartnern in den Firmen. Im Übrigen sind selbst die Schreibfehler identisch. Der 30-Jährige beharrt darauf, dass nicht er die Daten mitgebracht habe. Dafür kämen auch andere ehemalige Eurosand-Mitarbeiter in Frage. Zudem habe sein neuer Arbeitgeber zwei Deko-Firmen aufgekauft.

Die betroffene Firmengruppe im Landkreis Tirschenreuth wollte mit Hinweis auf das laufende Verfahren am Dienstag auf NT-Anfrage keine Stellung nehmen.
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