20.04.2018 - 18:10 Uhr
Oberpfalz

Fußballer nach Körperverletzung am Platz vor Gericht Windischeschenbacher Kicker wehrt sich gegen Strafbefehl

Die Dauer passte zum Thema: Nach 90 Minuten endete am Donnerstag eine Verhandlung vor dem Amtsgericht Weiden mit einem Freispruch für einen 28-jährigen Fußballer der SpVgg Windischeschenbach. Er hatte Widerspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt, der ihm 4200 Euro wegen Körperverletzung eingebrockt hätte.

Symbolbild: Uli Deck/dpa
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Der geht auf ein Skandalspiel in der A-Klasse West am 22. Oktober zurück. Es war nach einer Prügelei in der 87. Minute abgebrochen worden. Auslöser soll unter anderem ein Kopfstoß gewesen sein, den der Windischeschenbacher einem Gegenspieler des VfB Weiden verpasst hat. Der hatte ihn dann in den Schwitzkasten genommen, geschlagen und später angezeigt, weil er ein Veilchen und eine Platzwunde am Auge davontrug. Der Weidener hatte zuvor den Bruder des 28-Jährigen gefoult.

Zweifel bleiben

Richter Hubert Windisch und Oberstaatsanwalt Rainer Lehner hörten fünf Zeugen zu dem Geschehen. Doch schon bald zeichnete sich ab, dass der Knoten schwer zu lösen ist. Weidener hatten einen klaren Kopfstoß gesehen, die Windischeschenbacher bestätigten dagegen nur, dass die beiden Spieler sich Stirn an Stirn ein Wortgefecht geliefert hatten.

Im anschließenden Gerangel, an dem viele Personen beteiligt waren, habe man dann nichts mehr gesehen. Auch dabei hätte also die Verletzung am Auge entstanden sein können. Weil das nicht zweifelsfrei aufzuklären war, schloss sich Richter Windisch dem Antrag von Rechtsanwalt Rouven Colbatz an und sprach den Berufssoldaten frei. Ein klarer und verdienter Sieg vor Gericht sieht allerdings anders aus, bestätigte der Richter. "Es spricht schon viel dafür, dass es so gewesen sein könnte", meinte er zum Kopfstoß-Vorwurf.

"Gewalt nicht wesensfremd"

Oberstaatsanwalt Lehner hatte zuvor drei Monate Haft auf Bewährung, die Zahlung von einem Netto-Monatsgehalt in Höhe von 2075 Euro plus die Verfahrenskosten für den Windischeschenbacher gefordert. Nicht zuletzt deshalb, weil der Kicker offenbar sein Temperament auf dem Platz schlecht zügeln kann. "Gewalt ist Ihnen nicht wesensfremd", schrieb er dem 28-Jährigen hinter die Ohren. Denn fast genau zwei Jahre zuvor, im August 2015, hatte der Fußballer einem Gegenspieler ebenfalls in der 87. Spielminute beim Auswärtsmatch seines Vereins in Haidenaab einen Kopfstoß verpasst. Der Kontrahent verlor dabei zwei Zähne.

Der Angreifer musste damals 4200 Euro zahlen und ist seitdem vorbestraft. Das abgebrochene Match in Windischeschenbach dürfte noch ein Nachspiel haben. Denn der Weidener Spieler, der mit dem 28-Jährigen auf dem Platz handgreiflich wurde, hat ebenfalls einen Strafbefehl kassiert und wird wohl Einspruch einlegen.

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