09.07.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gefährlicher Eingriff in den Strassenverkehr 15 Monate mit Bewährung

Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl und zwei Schöffen lassen noch einmal Gnade walten. Sie verurteilen einen 32-Jährigen wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Körperverletzung und Sachbeschädigung zu eineinviertel Jahren Freiheitsstrafe, setzen diese aber zur Bewährung aus.

von Autor hczProfil

(rns) Der Weidener war im Mai vergangenen Jahres mit seinem Fahrrad mit vollem Karacho einem vermeintlichen Nebenbuhler von hinten in dessen Rad gefahren. Dieser hatte sein Gefährt neben der damaligen Freundin des Arbeitslosen in einer Hofeinfahrt einer Wohnblocksiedlung in Weiden geschoben. Zu Fall kam der Angreifer selbst. Der Angegriffene flüchtete, nachdem ihn seine Begleiterin durch ihr Eingreifen vor allzu heftigen Schlägen bewahrt hatte. In einem Hauseingang, in den er sich geflüchtet hatte, erwischte ihn der 32-Jährige dann aber doch und es setzte einige Hiebe und Tritte, auch als das Opfer bereits auf dem Boden lag. Der 30-Jährige erlitt Schmerzen im Rückenbereich. Sein Fahrrad musste wegen eines "Achters" und wegen kaputter Scheibenbremsen für die Summe von 140 Euro repariert werden.

Liaison ist beendet

Vor dem Schöffengericht gab der Geschiedene zu, dass ihm aus Eifersucht die "Sicherung durchgebrannt" sei. Dass seine Eifersucht nicht unbegründet gewesen sei, sei dadurch bewiesen, dass der Angegriffene der Vater des zweiten Kindes seiner früheren Freundin sei. Nachdem er selbst nach dieser Tat eine zweimonatige Freiheitsstrafe wegen Diebstahls habe absitzen müssen, sei die Liaison mit der 29-Jährigen beendet gewesen. Als Zeugin konnte die Frau nur sehr wenig zur Aufklärung des Geschehens beitragen. Das Opfer gab an, dass die Verletzungen nicht allzu schwerwiegend gewesen seien und sich der Angeklagte mittlerweile bei ihm entschuldigt habe.

Staatsanwalt Florian Bauer würdigte Geständnis, Reue und die Entschuldigung des Angeklagten. Auf der Negativseite stünden aber sechs Vorstrafen, davon zwei wegen Körperverletzung. Zudem habe der Angeklagte zur Tatzeit unter laufender Bewährung gestanden, weshalb Bauer eine Strafaussetzung zur Bewährung für nicht vertretbar hielt. Er beantragte zwei Jahre Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

Nicht durch kam Rechtsanwalt Bernhard Schlicht mit seiner Argumentation, dass sich das Tatgeschehen nicht auf öffentlicher Straße zugetragen habe und somit kein "gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr" vorliege. Wegen der diffusen Aussagen der Zeugen sei auch keine Körperverletzung nachzuweisen. Der Verteidiger betrachtete eine Geldstrafe wegen der Sachbeschädigung als ausreichend.

150 Arbeitsstunden

Richter Heindl führte im Urteil aus, dass nach einem Grundsatzurteil jegliches Gelände, das jedermann befahren könne, als "öffentlich" gelte. Weil sich der Angeklagte aber durch die zwei Monate Haft sehr beeindruckt gezeigt hatte, könne man hoffen, dass er künftig straffrei bleiben werde. Zusätzlich wird ihm für vier Jahre ein Bewährungshelfer bestellt, und er muss 150 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten. Wenn er dies schuldhaft versäume - wie beim letzten Mal - "dann geht's für 15 Monate ab nach Almesbach", so Heindl.

Einmal im Jahr ist "Almesbach" Pflicht - so seh ich das nicht.Der Angeklagte, der von seiner letztmaligen Haftstrafe von zwei Monaten sichtlich beeindruckt war

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