07.11.2017 - 20:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gefälscht: "Bahnbrechende" Studie Wenn das Schnäppchenportal warnt

Nicht überall, wo "Studie" drauf steht, ist auch wirklich eine Studie drin. Wenn der Studien-Autor etwa "Shopping.de" heißt und sich selbst als "Schnäppchenportal" bezeichnet, sollte man als Journalist vielleicht eher vorsichtig sein.

Eiskalt zugeschnappt: Dem "Schnäppchenportal" Shopping.de bereiten die zunehmenden Taschendiebstähle in Deutschland angeblich Sorgen. Bild: Gabriele Schönberger
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Weiden/Amberg. "Erstmals über 400 Städte und Landkreise im Vergleich: Deutschland-Studie Taschendiebstahl" heißt es vollmundig in einer aktuellen Pressemeldung der Internetplattform, auf deren Homepage Parfums neben Flipflops und Designer-Taschen um Aufmerksamkeit heischen. Moment mal, mit Taschen, da war doch was? Ach ja, richtig, das Schnäppchenportal hat "untersucht", wo in Deutschland die meisten Taschendiebe zuschnappen.

Eins gleich mal vorneweg: Die Oberpfalz ist in Sachen Taschendiebstahl demnach eher ein Entwicklungsland. Vor allem der Landkreis Amberg-Sulzbach hat noch Potenzial: Unter den 402 aufgelisteten Städten und Kreisen belegt er mit gerade einmal sieben, in Zahlen: 7, Diebstählen je 100 000 Einwohner im Jahr 2016 den 396. Platz. Sagt zumindest Shopping.de und bewertet das nach selbst gewählten Kriterien als "relativ sicher". Auch im Kreis Neustadt/WN treiben sich recht wenige Taschendiebe herum: Mit 9 Delikten je 100 000 Einwohner erreicht man Rang Nummer 376. Wer sich allerdings in die kreisfreien Städte Amberg und Weiden wagt, der sollte doch etwas besser aufpassen: In Amberg kommen - natürlich rein rechnerisch! - laut Schnäppchenportal auf 100 000 Einwohner bereits 41 Diebstähle (Rang 207). Noch toller treibt es Weiden, das sich mit 64 Taschendiebstählen pro 100 000 Einwohner auf Rang 148 vorschieben kann. Chapeau - das ist hinter der bereits als "gefährlich" klassifizierten Stadt Regensburg (123 Fälle/Rang 79) der zweite Platz im Oberpfalz-Ranking. Regensburg-Land belegt mit 6 Delikten lediglich Platz 397, Schwandorf mit 8 Taschendiebstählen Rang 386, Tirschenreuth mit 11 den 367. Platz, Neumarkt mit 17 Rang 325 und Cham mit 14 Delikten Platz Nummer 347.

Da hat das Kalkulationsprogramm, Pardon, da hat "Shopping.de" wirklich eine Fleißarbeit, Verzeihung, bahnbrechende "Studie" vorgestellt, übrigens aufbereitet mit vielen bunten Grafiken. Das Fazit lautet, wir zitieren: "Die Studienmacher sind zu der Überzeugung gekommen, dass Taschendiebstähle seit Langem keine Bagatell-Straftaten mehr sind. Deren hohe Anzahl ist durchaus auch ein Spiegelbild des Landes. Dennoch stehen die Delikte und die Organisierte Kriminalität noch immer außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung - vor allem in den Medien".

Nun könnte man ja meinen, die Tatsache, dass das Thema "Taschendiebstahl" von Oberpfalz-Medien eher stiefmütterlich behandelt wird, könnte durchaus mit den niedrigen Fallzahlen in der Region zusammenhängen. Es tut uns Leid, liebe "Studienmacher", aber wo nichts passiert, da erübrigt sich halt auch ein Bericht. Das mag einem "Schnäppchenportal" im Internet vielleicht nicht ganz zupasskommen - ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt. Wir aber ziehen, ganz ohne eigene "Studie", jetzt auch einfach mal ein Fazit: Liebe Leser, in unserer schönen nördlichen und mittleren Oberpfalz können Sie noch beruhigt im örtlichen Einzelhandel ihre Weihnachtseinkäufe erledigen! Sie brauchen dafür kein Shoppingportal. Aber passen Sie natürlich trotzdem immer gut auf sich und Ihre Wertsachen auf.

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