Generalstabsmäßig vorbereitet
Von der Leyen auf Truppenbesuch in der Oberpfalz

Seltener Lacher: Auslöser ist die Frage einer TV-Journalistin nach dem Sommerurlaub. „Schon vorbei“, sagt Ursula von der Leyen. Eine Woche Österreich. Von links: CSU-Kreisvorsitzender Stephan Gollwitzer, MdB Albert Rupprecht, „Schirmherr“ Landrat Andreas Meier. Von rechts: MdB Reiner Meier, OB Kurt Seggewiß.
 
Geheimnis- und Taschenträger: Dr. Christian Freuding, Adjutant der Ministerin.

Ostwind treibt Nieselregen über den Kasernenhof. Bei der Verteidigungsministerin sitzt trotzdem jedes Haar. Ursula von der Leyen gibt vor dem Raketenwerfer ihr "Statement an die Presse" ab. Auch jedes Wort ist wohl gesetzt. Spontanes ist hier nicht zu erwarten. Eine gute Nachricht hat sie trotzdem.

Ursula von der Leyen ist auf „Sommerreise“ durch die Republik. Sie besucht die Truppe. Jeden Tag eine andere Kaserne. 13 Stationen. Hammelburg gestern, Weiden heute, Pöcking morgen. Schon eine Stunde vor ihrer Ankunft beginnt die „Einweisung“ der Medienvertreter. Per Folie wirft ein Presseoffizier den Ablauf an die Wand. Fotos zeigen die Grünflächen, auf denen die elf akkreditierten Fotografen „Bildmaterial anfertigen“ können. Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Auf der letzten Folie steht „Toilette!“. Sprich: Wer noch mal muss, soll jetzt gehen.

Um 10.00 Uhr preschen am Kommandeursgebäude drei schwarze Audi mit Berliner Kennzeichen heran. Erst springt die Leibwächterin heraus. Der Kommandeur des Artilleriebataillons 131, Christian Kiesel, salutiert. Mit kräftigem Handschlag begrüßt die zierliche 1,60-Meter-Ministerin die örtlichen CSU-Abgeordneten: „Mein lieber Herr Rupprecht, vielen Dank für die Einladung“, „mein lieber Herr Meier!“.

OB Kurt Seggewiß identifiziert den Mann dahinter: Oberstleutnant Dr. Christian Freuding. Er ist seit zweieinhalb Jahren Adjutant der Ministerin. Ein „Weidener Kindl“, wie Seggewiß freudig offenbart. Zwar hat Freuding die Stadt schon 1990 für seine militärische Karriere verlassen. Freuding sagt knapp: „Schön, dass ich heute hier sein kann.“ 24 Stunden am Tag steht der Adjutant für von der Leyen bereit. Eine absolute Vertrauensstellung. Er sitzt im Wagen neben ihr. Er trägt sogar ihre Handtasche.



Ursula von der Leyen war zudem in Amberg und Schwarzenfeld zu Besuch


 
Soldaten zeigen, was Weiden zu bieten hat. Sie beladen die „Panzerhaubitze 2000“ mit Munition. Im Simulatorraum nebenan sehen Artilleriebeobachter, wo die Munition einschlägt. Wie in einem großen Kino.Es kracht und raucht. Natürlich nur virtuell. Die Ministerin hört stets zugewandt zu. Man lernt: Wenn’s in Grafenwöhr rumpelt, ist das nicht immer „der Amerikaner“. Das kann die Weidener Artillerie auch ganz gut.



15 Minuten sind für das "Statement" an die Presse eingeplant. Von der Leyen dankt der Truppe und der Bevölkerung am Standort Weiden, erwähnt die 17 000 Besucher beim "Tag der offenen Tür". "Die Bundeswehr ist hier willkommen." Nach 25 Jahren Schrumpfung sei die Trendwende eingeleitet. Sie verspricht mehr Personal und bessere Ausrüstung. Am Standort Weiden würden in den nächsten fünf Jahren 30 Millionen Euro in die Infrastruktur gesteckt. "Hier in Weiden haben wir einen Standort mit Zukunft." MdB Albert Rupprecht wertet das als "großartige Aussage für unsere Region".

Drei Fragen sind zugelassen. Eine zielt erwartungsgemäß auf die Stimmung in der Truppe ab. Von der Leyen spricht „von fantastischen Soldaten und Zivilbeschäftigten“. Genau aus diesem Grund dürften „die Vorfälle“ eben nicht unter den Teppich gekehrt werden. „Soldat sein ist kein Beruf wie jeder andere.“ Im Zweifelsfall setzen Soldaten für die Freiheit ihr Leben ein. Wie die Stimmung in der Ostmarkkaserne ist, erfahren die Medienvertreter dann nicht. Beim Gespräch mit 150 Soldaten im Filmsaal bleiben die Journalisten draußen. Die Ministerin will, dass offen gesprochen wird. „Ungefiltert.“
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