15.08.2017 - 19:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Geschäftsinhaber in der Sedanstraße entrüstet Über Sperre spät informiert

Keine Information, keine Absprache mit den Anliegern. "Schlimmer geht's nimmer", klagt "Bazooka"-Shopmanager Miroslaw Wuzik über die Sperrung der Sedanstraße. Die Baustelle sei fürs "Bazooka" sogar existenzbedrohend. "Wir fühlen uns abgeriegelt."

Autos in der Sedanstraße: Vom täglichen Stau ab Mittwoch in die Vollsperrung Bild: Schönberger
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Für Wuzik ist dabei besonders dramatisch, dass er in der vergangenen Woche sein Geschäft geschlossen hatte, um einen Wasserschaden im Keller des Anwesens Sedanstraße 12 beheben zu lassen. "Das Ganze ist ein Witz. Hätten wir gewusst, dass jetzt vor der Ladentür gebaut wird, hätten wir unsere Trockenlegungsarbeiten verschoben und dann eingetaktet: Ich habe mit dem Umsatzausfall einer Woche gerechnet. Jetzt aber müssen wir die Verluste aus vier Wochen verkraften. Das wird für uns echt schwierig. Sollen wir Mitarbeiter entlassen?"

Das "Bazooka" sei ein sehr jugendlich orientiertes Fachgeschäft. In den Ferien, vor allem aber in den beiden Wochen vor Schulbeginn, herrsche Hochkonjunktur. "Heuer sind wir vollkommen aus dem Spiel. Es ist schon extrem grenzwertig, dass man uns nicht vorab von der Baustelle informiert hat." Dadurch sei ihm etwa die Chance genommen worden, auf Bannern darauf hinzuweisen, dass er während der Bauarbeiten geöffnet habe und wie er zu erreichen sei. "Jetzt müssen wir überlegen, wie wir die Kunden zu uns führen können."

Geschäfte gehen kaputt

Bei seinen Anrufen und Nachfragen im Rathaus fühlte er sich an eines erinnert: "Die Methode Buchbinder-Wanninger. Keiner hat zunächst was gewusst. Schließlich kam man drauf: Das ist Kanalbau, das sind die Stadtwerke", berichtet Wuzik, der wie er betont, richtig sauer ist: "Wenn man jetzt schon anfangen will, die kleinen Geschäfte kaputtzumachen, noch bevor die Stadtgalerie geöffnet hat, dann sollen sie es uns doch ins Gesicht sagen."

Gegenüber, im "Café Büttner", hat Carolyn Holweg bereits reagiert. Sie geht mit ihrer Mannschaft vom 14. bis 28. August planmäßig in den verdienten Betriebsurlaub.

Ein Gebäude weiter, bei "Crooklyn" in der Postgasse, bemerkt Rainer Wild zunächst, dass eine Baustelle vor dem Haus für kein Geschäft optimal sei. "Die Kunden-Frequenz nimmt ab. Das wird wieder richtig in die Bilanzen durchschlagen. Aber in der Stadt Weiden setzt man offenbar weiter darauf, dass sich die Bürger über wesentliche Veränderungen selbst informieren müssen", sagt der Amberger Geschäftsmann.

Nur einem Zufall, dem Gespräch mit einem Bauarbeiter nämlich, verdankt es Karin Jäger, Geschäftsleiterin von C&A, dass sie noch rechtzeitig reagieren konnte. "Ich bin dagestanden und habe wirklich von nichts gewusst." Der Gast habe sie darauf hingewiesen, dass ihr Lieferwagen ab Mittwoch nicht mehr in die Weißenburgstraße einfahren könne. Inzwischen erklärte die Stadt, dass der Lkw vor dem Haupteingang entladen dürfe: ab 6.15 Uhr, eine halbe Stunde lang.

Damit werde der Busverkehr nicht allzu stark beeinträchtigt, sagt Karin Jäger, die der Stadt für die mündliche Zusage dankt und anmerkt, dass es einfacher gewesen wäre, wenn man die unmittelbar von der Baumaßnahme betroffenen Geschäfte informiert hätte. "Es ist doch logisch, gegen notwendige Baumaßnahmen haben wir nichts. Aber es wäre wünschenswert, dass wir die Möglichkeit bekämen, uns darauf einstellen zu können."

Mit den Beeinträchtigungen durch die Stadtgalerie-Baustelle im Rücken zu leben lernen mussten Mohren-Apotheker Andreas Biebl und seine Kunden. Die können übrigens von Ring- oder Leibnizstraße her, vorbei am Volksbank-Brunnen in die Weißenburgstraße bis auf Höhe Mohrenstraße einfahren. Biebl setzt wacker auf das Prinzip Hoffnung: "Diejenigen, die jetzt durch die Nähe zur Stadtgalerie-Baustelle am meisten leiden, sollten nach der Eröffnung auch am meisten davon profitieren."

Stadtwerke wollen Anliegern helfen

"Wir helfen, wo wir können", verspricht Stadtwerke-Chef Johann Riedl den Anliegern, die von der erneuten Sperrung der Sedan-/Bürgermeister-Prechtl-Straße betroffenen sind. "Alle Grundstücke bleiben erreichbar, auch das ,Bazooka'." Der Kanalbau in der Sedanstraße sei bereits für das vergangene Jahr vorgesehen gewesen. Der Termin für den bis in drei Metern Tiefe reichenden Kanalbau "sei von außen vorgegeben". "Wir müssen warten, bis die Spundwände der Stadtgalerie gezogen sind", erklärt Riedl. Dafür werde trotz des eingesetzten schweren Gerätes in der Sedan- und Weißenburgstraße diese Woche benötigt. Erst ab Montag beginne die Kanalbaufirma in der Sedanstraße. Die Baustelle rücke dann von der Einmündung der Bürgermeister-Prechtl-Straße weiter zur Luitpoldstraße. "Unser Baubereich ist nicht groß, aber technisch eine hohe Herausforderung." (wd)

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