11.01.2018 - 16:48 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gewalttätiger 33-Jähriger aus Psychiatrie entlassen Kritik an Bezirkskrankenhaus

Deutlich kritisiert Landgerichtspräsident Walter Leupold das Bezirkskrankenhaus. Mehrmals hatte die Polizei Weiden einen gewalttätigen 33-jährigen Iraker ("Ich bin Hitler") in die Psychiatrie gebracht - und Wöllershof ließ ihn wieder gehen.

Paragrafen-Symbole sin an Türgriffen am Eingang zum Landgericht in Bonn angebracht.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Zuletzt hatte er im Juni 2016 ein Mädchen mit einer Beißzange und einem Messer bedroht. Nichtsdestotrotz entließ Wöllershof den Mann nach 24 Stunden. Als ein Polizeibeamter telefonisch nachhakte ("Wieso lassen Sie den raus?"), bekam er nach eigenen Angaben von der behandelnden Ärztin zur Antwort: "Der ist nicht krank, der spinnt nur." Leupold dazu an die Adresse von Wöllershof: "Sie sind nicht dazu da, dass sie Kranke abwimmeln."

Und krank ist der Mann. Daran lässt der psychiatrische Gutachter Dr. Johannes Schwerdtner vom Bezirkskrankenhaus Mainkofen (Niederbayern) keinen Zweifel: "Es liegen aus medizinischer Sicht alle Voraussetzungen für eine Unterbringung vor."

"Extrem gefährlich"

In seinem Haus ist der 33-Jährige derzeit untergebracht und unter dem Eindruck eines starken Antipsychotikums "lammfromm". Aber selbst unter Medikation könne die Psychose nach Monaten oder Jahren wieder aufflammen. "Dann ist durchaus mit schweren Körperverletzungen, schlimmstenfalls mit Todesfolge zu rechnen." Laut Schwerdtner wäre es zu ein bis zwei Taten nicht mehr gekommen, hätte die Kollegen in Wöllershof den Iraker "zumindest behandelt": "Ich bin erschrocken, dass das nicht ernst genommen wurde."

Staatsanwalt Florian Bauer ging am Mittwoch in seinem Plädoyer auf Unterbringung von einer "extremen Gefährlichkeit für die Allgemeinheit" aus. Gerade auch, weil der Beschuldigte einen Hang zu Messern hat. Bei drei Taten waren Messer im Spiel. So zog er gegenüber vier Polizisten am Bahnhof im fränkischen Röttenbach ein Campingmesser von beachtlichen Ausmaßen. Ein Polizist konnte ihm die Waffe aus der Hand schlagen. Verteidiger Stephan Schütz plädierte auch auf Unterbringung, aber zur Bewährung ausgesetzt. Als Auflage schlug er Drei-Monats-Depotspritzen gegen die psychische Störung vor. Medizinisch möglich, sagte Psychiater Schwerdtner, aber in diesem Fall zu gefährlich: "Es fehlt an jeglicher Einsicht." Am Montag, 9 Uhr, fällt die Strafkammer ihr Urteil.

Der Beschuldigte bezeichnete sich über Wochen als Adolf Hitler. Und er hat ein Faible für Angela Merkel. Drei Psychiatern erzählte er von seiner Verbindung zur Kanzlerin, die er auf einem Fest im Sommer 2016 persönlich kennengelernt habe. Sie sende ihm Nachrichten durch das Radio. Der Urgroßvater von Merkel sei Araber gewesen. Er selbst sieht sich als Opfer einer Verschwörung von Polizei und Staatsanwaltschaft Weiden, die mit dem IS zusammenarbeite.

Tod eines Buben verursacht

Zu seiner Vorgeschichte ist wenig bekannt. Der 33-Jährige sagt, er käme aus gut situiertem Elternhaus im ölreichen Süd-Irak. Eine Schwester lebe in den USA. 2015 sei er mit 10.000 Euro aus dem Irak nach Deutschland geflohen, nachdem er einen neunjährigen Buben totgefahren habe und "Blutrache" fürchtete. Überprüfen lässt sich das alles nicht. Es ist auch nicht bekannt, ob schon im Irak die attestierte "schizoaffektive Störung" auftrat. Richter Marco Heß: "Wir wissen nicht, was vor 2015 war."

Im "letzten Wort" schwor der Iraker - einmal mehr - auf den Koran, dass er seine Tabletten immer nehmen werde. "Sollte ich hier herauskommen, gehe ich in die USA. Meine Schwester hat ein Visum für Kentucky beantragt. Wenn das nicht klappt, kehre ich in den Irak zurück."

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