Gisela May pflegte eine langjährige Freundschaft mit dem Weidener Peter Wittmann ...
Es wechseln die Zeiten

"Für Peter, den singenden Arzt und Freund": Diese Widmung schrieb Sängerin Gisela May 2004 für den Weidener Peter Wittmann. Bild: ske

Anfang Dezember starb mit 92 Jahren in Berlin Schauspielerin und Brecht-Interpretin Gisela May. Seit 1951 spielte sie am Deutschen Theater, ab 1992 über 30 Jahre am Berliner Ensemble. Sie trat an der Mailänder Scala und in der Carnegie Hall auf. Ihr Tod wird auch in Weiden betrauert.

(ske) Sänger Peter Wittmann (Ballhausorchester) war Schüler der Sängerin mit Weltkarriere.

Wann und wie haben Sie Gisela May kennengelernt?

Peter Wittmann: Das habe ich meinem Pianisten Horst Ploessner zu verdanken. Er hatte sich 2000 zu einem Jazz-Workshop an der Sommerakademie in Neuburg an der Donau angemeldet und mir erzählt, dass es dort einen Meisterkurs für Chanson gäbe, gehalten von Gisela May. Und da habe ich mich auch gleich angemeldet. Es wurden dann sogar insgesamt sieben Kurse. Es entstand eine Freundschaft mit Gisela May.

Sie war Ihre Lehrerin. Worin hat sie Sie unterrichtet?

Gisela May unterrichtete im Fach Chansongesang. Wir waren bei diesen Kursen etwa 10 bis 12 Teilnehmer und jeder hatte zwei bis drei Lieder vorzubereiten, vorzugsweise natürlich Lieder von Kurt Weill, Hanns Eisler, Paul Dessau und auch Friedrich Holländer. Gisela war ausgewiesene Spezialistin für diese Komponisten. Hanns Eisler hatte sie als Sängerin entdeckt und persönlich mit ihr gearbeitet und sie gefördert. In den Kursen wurde dann sehr differenziert an den jeweiligen Liedern gearbeitet. Da ich zu ihren Lieblingsschülern zählte, hat sie die Liedertitel, die sie mit mir erarbeitet hat, oft selbst ausgesucht. Das waren meist ziemlich schwierige Lieder, zum Beispiel "Das Deutsche Miserere", aber auch giftige Kabarett-Chanson wie "Anna Luise", das ich dann dank ihr auch am Deutschen Theater in Berlin gesungen habe. Sie war durchaus eine sehr strenge Lehrerin, von der man aber auch eine ganze Menge lernen konnte.

Hatten Sie in den vergangenen Jahren weiterhin Kontakt?

Ich habe Gisela May öfters in Berlin besucht. In ihrer Wohnung, in der sie bis vor zwei Jahren gelebt hat, oder in einem Café. Ich erinnere mich daran, dass wir auch einmal im Adlon gewesen waren. Auch haben wir während des Jahres ab und zu miteinander telefoniert.

Sie nannten sie einmal "eine Persönlichkeit". Wie und wer war Gisela May?

Gisela May was sicherlich eine starke und beeindruckende, manchmal etwas unnahbare Persönlichkeit. Wenn man aber das Glück hatte, sie näher kennenlernen zu können, dann zeigte sich hinter der Schale doch auch ein sehr sensibler und warmherziger Mensch. Es ist ein bisschen schade, dass sie dem West-Publikum nur als "Muddi" in "Adelheid und ihre Mörder" bekannt war. Sie litt darunter, dass man sie nach der "Wende" am Berliner Ensemble in die Rente "entsorgt" hat. Sie hatte übrigens auch ein Lieblingslied und zwar "Die Moldau", komponiert von Hanns Eisler mit einem Text von Bertold Brecht. Der Titel ihrer Biografie "Es wechseln die Zeiten" stammt aus diesem Lied.
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