09.02.2018 - 20:00 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Grippe und andere Viren halten Ärzte auf Trab "Bei uns ist die Hölle los"

180 Patienten hat die Arztpraxis von Roland Renz in Weiden versorgt - allein am vergangenen Wochenende. Die Grippe hält aber nicht nur ihn und sein Personal auf Trab.

Flachliegen: Dieses Schicksal teilen gerade viele. Die Grippe hat sie fest im Griff. Besonders Schulkinder sind aktuell betroffen. Bild: Schönberger
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Weiden/Neustadt/WN. Wer versucht, die Praxis von Dr. Roland Renz telefonisch zu erreichen, muss geduldig sein. "Bei uns ist die Hölle los", bestätigt der Kinderarzt. In den letzten acht Tagen seien "überdurchschnittlich viele Schulkinder" in die Praxis gekommen. In vielen Fällen handle es sich um eine Influenza-Infektion, erzählt er. "Da sind auch nachgewiesene Fälle dabei, aber die Dunkelziffer ist groß." Denn Labortests sind nicht verpflichtend. "Es sind viele Viren unterwegs", darunter Noro- und RS-Viren. Es gebe daher eine "Häufung vieler verschiedener Infekte, zum Teil auch lang anhaltende über acht bis zehn Tage", erzählt der Arzt. "Man sollte nicht nervös werden, wenn die Kinder länger kraftlos sind."

Er rät Eltern, den Kleinen Ruhe zu gönnen. "Wenn es keine Komplikationen gibt, wie zum Beispiel starke Ohrenschmerzen oder Geräusche auf der Lunge, sollten sich die Kinder zu Hause auskurieren." Ein Arztbesuch sei außer bei Komplikationen, und wenn es sich um einen Säugling handelt, häufig gar nicht nötig. Vor allem "in Anbetracht der langen Wartezeiten und vollen Wartezimmer. Wir können ja auch nicht zaubern."

Sein Praxis-Team arbeite "an der Obergrenze. Aber wir sind auch drauf eingestellt. Es ist ja jedes Jahr das Gleiche, auch wenn es jetzt etwas mehr Influenzafälle gibt als in den letzten zwei bis drei Jahren", so Renz. Die Hochphase werde erfahrungsgemäß noch den ganzen Februar dauern. Kranken rät er, sich zu schonen, viel zu trinken, vitaminreich zu essen. Und Gesunde könnten vorbeugen, indem sie größere Menschenansammlungen meiden. "Die Faschingsveranstaltungen spielen da schon eine Rolle. Da werden die Viren richtig schön verteilt."

Erschöpfte Kapazitäten

Von einer "Hochbelegungsphase" spricht Dr. Thomas Egginger, Ärztlicher Direktor der Kliniken AG. Derzeit befinden sich im Klinikum teils so viele Patienten, dass man bei der Integrierten Leitstelle stundenweise infektiologische Betten abmelden muss, weil diese schlicht nicht mehr verfügbar sind. "Das sind Betten in isolierten Zimmern. Hier liegen zum Beispiel Patienten mit Grippe, Durchfall und multiresistenten Erregern. Solche Kapazitäten erschöpfen sich schnell." Grund zur Beunruhigung ist das aber nicht. Die Engpässe gäbe es um diese Jahreszeit vor allem vormittags für ein paar Stunden, wenn zu verlegende oder entlassende Patienten noch nicht weg sind und schon wieder neue hereinkommen. Mit Influenza ins Krankenhaus kämen Patienten mit extrem hohem Fieber und stark beeinträchtigtem Allgemeinzustand: "Wenn man nicht mehr selbstständig trinken oder essen kann und eine Flüssigkeitszufuhr über Infusionen nötig wird." Das betreffe vor allem ältere Menschen. "Wohl dem, der eine Schutzimpfung hat", betont der Arzt. "Solche Patienten verkraften das Ganze leichter."

Dass die Impfung greift, weiß auch Roman Wijenayake, kommissarischer Leiter der Zentralen Notaufnahme im Klinikum. Er ist selbst geimpft und gesund. Wie Roland Renz spricht er von mehreren Viren, die derzeit umgehen. Influenza ("etwas mehr als im letzten Jahr"), aber auch der RS-Virus, der Superinfektionen auslösen könne. Zu tun habe er insbesondere mit "immungeschwächten älteren Patienten. Die jüngeren kurieren das meist selbst aus." Die erste Anlaufstelle seien ohnehin die Ärzte, nicht die Notaufnahme. 

Nachgefragt: Krankheitsfälle

Grundschule Parkstein/Schwarzenbach:

"In den letzten Wochen war es ein Auf und Ab", sagt Rektor Armin Aichinger. 120 Kinder gibt es an der Schule. "Es ist für uns schwer zu sagen, ob es sich um Grippe oder Erkältungen handelt. Aber derzeit sind circa zehn Kinder krank." Die Lehrer dagegen seien "top-gesund und robust". Aichinger rät den Eltern, die Kinder zu Hause richtig auskurieren zu lassen. "Wir haben oft damit zu kämpfen, dass sich die Kinder gegenseitig anstecken, weil die Eltern zu ,schulfreundlich' sind und die Kinder zu früh zurück schicken. Die anderen Kinder liefern die Hausaufgaben in der Regel nach Hause. Da bleibt also nichts auf der Strecke."

Waldkindergarten "Wilde Wichtel", Vohenstrauß:

"Ich mache das jetzt seit 32 Jahren und habe auch den Vergleich zwischen Haus- und Waldkindergarten", erzählt Erzieherin Sonja Janker. "Bei uns gibt's gravierend weniger Krankheiten, im Team und bei den Kindern. Wenn die Kinder mal krank werden, dann haben sie es meist aus einer Ferienzeit oder von ihren Geschwistern, die zur Schule gehen. Und sie sind auch nicht gleich nach einer Erkältung schon wieder krank." Das liege am höheren Sauerstoffgehalt im Blut und am "durch Bewegung und frische Luft gestärkte Immunsystem" der Waldkinder. "Aber das stärkere Immunsystem muss man natürlich lange aufbauen." Im Waldkindergarten achte man auf warme und trockene Kleidung. "Im Haus-Kindergarten haben Sie die Tröpfchen, über die sich die Kinder infizieren, auf Stühlen, Stiften und Möbeln. Das haben wir bei uns nicht."

Kindertagesstätte Don Bosco, Vohenstrauß:

"Bei uns ist - noch - alles normal. Bei den Kindern und beim Personal", sagt die Leiterin der Tagesstätte, Luise Dietl.

Narrhalla Weiden:

Im Faschingsverein halten sich die Infektionen "in Grenzen", sagt Vizepräsident Christian Würdinger. Auch wenn bei der "lustigen Mitgliederversammlung" des Heimatrings am Dienstag gleich drei Tänzerinnen ausgefallen waren. "Da war's extrem, wir mussten umstellen. Es musste wer einspringen." Ein Problem sei vor allem, wenn in einem Tanzpaar jemand ausfällt. Dann sei das Ersatz-Paar nicht eingespielt. "Aber wir haben das am Dienstag gut gemeistert." Die Infektionen seien nicht stärker als in den Vorjahren, auch wenn der viele Kontakt mit anderen die Narren anfälliger mache. (jak)

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