Grippewelle bricht früher aus
Im Visier der Viren

Eine Tasse Tee schadet nie - ob bei Grippe oder dem Noro-Virus. Archivbild: Hartl
 
Melanie Huml. Archivbild: Hartl

Man weiß nie, wann sie kommen. Sind Grippe- und Noro-Viren aber erst einmal da, machen sie vor kaum jemandem Halt. Diesmal schlagen sie sogar früher als im Vorjahr zu.

Weiden/Amberg. Schon im Dezember gingen beim Gesundheitsamt Neustadt/Weiden die ersten Meldungen von Influenza-Erkrankungen ein. "In der vorherigen Saison wurden sie uns erst im Februar bekannt", erinnert sich Johannes Weig, stellvertretender Abteilungsleiter des Gesundheitswesens.

Es sei außerdem eine vergleichsweise milde Saison gewesen: Während Ende Dezember 2015 noch eine relativ Grippe-freie Zeit war, lag die Zahl Ende 2016 bei 25. Doch Winterzeit ist eben Grippezeit, und die beginnt meistens in Portugal und Spanien. "Wann die Welle bei uns ankommt, kann man deshalb nie genau vorhersagen." Auch Viren der Magen-Darm-Grippe sind diesmal früher aktiv geworden: 28 Betroffene aus dem Landkreis Neustadt/WN und der Stadt Weiden haben sich bis Ende Dezember 2016 den Noro-Virus eingefangen. Im Jahr zuvor waren es nur 4.

Fasching im Bett

Ist eine Grippe erst einmal ausgebrochen, geht sie hartnäckig über Monate hinweg um. "Am schlimmsten grassiert sie meistens in der Faschingszeit", informiert Weig. Habe sie ihren Höhepunkt erreicht, klinge sie aber relativ schnell wieder ab. "Das gilt sowohl für Influenza als auch Magen-Darm-Grippe."

Auch Tirschenreuth schlägt sich früher als sonst mit dem Noro-Virus herum. 20 Fälle sind dem örtlichen Gesundheitsamt seit Oktober 2016 bekannt. "Inzwischen sind es natürlich mehr geworden", erklärt Mitarbeiterin Nadine Tretter. Im Vorjahr seien es zur gleichen Zeit nur circa 10 gewesen. Wie viele Krankheitsfälle es genau gibt, könne man nicht sagen. "Bei den Zahlen handelt es sich lediglich um eine Schätzung", räumt Tretter ein. Denn nicht jeder geht zum Arzt, wenn es ihn erwischt. "Eine Magen-Darm-Grippe setzt Betroffene ein bis zwei Tage außer Gefecht. Viele sind in der Zeit zu schwach, um sich in eine Praxis zu schleppen."

Die Zahl der Influenza-Erkrankungen sei laut Tretter im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls angestiegen. "Wobei die Tendenz jedes Jahr etwas weiter nach oben geht." Für die Wintersaison 2016/17 liegen dem Tirschenreuther Gesundheitsamt bisher etwa 24 Influenza-Fälle vor, im Vorjahr waren es 4. "Die aktuelle Zahl ist inzwischen aber sicher gestiegen."

Das Schwandorfer Gesundheitsamt kann die Zahl der Krankheitsfälle ebenfalls nur schätzen. Denn auch hier geht nicht jeder zum Arzt, sobald ihn Übelkeit, Durchfall oder Husten plagen. "Und nicht alle Erkrankten bekommen auch tatsächlich eine diagnostische Abklärung", erklärt Mitarbeiterin Dr. Daniela Hierhammer. Im Dezember 2016 hat es im Landkreis 44 Betroffene gegeben, die die Magen-Darm-Grippe außer Gefecht setzte. Die gemeldeten Influenza-Erkrankungen lagen bei 9. "Die meisten Fälle hat es in der zweiten Monatshälfte gegeben", erinnert sich Hierhammer. Im Dezember 2015 dagegen hat es besser ausgesehen: Nur 14 Noro-Virus-Erkrankungen waren dem Gesundheitsamt bekannt, Influenza-Fälle wurden keine gemeldet.

Schwache Abwehr

Auch in Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach steigt die Zahl der Kranken. "Momentan gehen bei uns vermehrt Meldungen ein", so Dr. Doris Holl vom zuständigen Gesundheitsamt. Rund 205 Influenza-Erkrankungen liegen dem Amt seit Dezember 2016 vor, im Vorjahr waren es bis Dezember 475. Die Zahl der diagnostizierten Magen-Darm-Grippefälle liege aktuell bei 185. Im Jahr davor waren es bis Dezember 2015 rund 118.

Husten, Schnupfen oder Übelkeit in den Wintermonaten würde Holl nicht als ungewöhnlich bezeichnen. "Während dieser Zeit ist das menschliche Immunsystem allgemein schwächer", betont sie. Da hätten Grippe-Viren leichtes Spiel. Ihr Trost: "Ab März sieht das meistens wieder anders aus."

Den Krankheitserregern keine ChanceJeder weiß, wie man Viren und Bakterien umgeht. Aber nicht jeder hält sich im Alltag daran. "Deshalb kann man nicht oft genug erklären, wie man sich vor allem in der kalten Jahreszeit verhalten soll", betont Nadine Tretter vom Gesundheitsamt Tirschenreuth. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt folgende Tipps, um gesund zu bleiben:

Regelmäßig Hände waschen: Es versteht sich von selbst, sich nach dem Toilettengang, Husten, Niesen und Naseputzen die Hände zu waschen. Auch wer mit Kranken oder Tieren Kontakt hatte, sollte an Wasser und Seife nicht sparen. Das Gleiche gilt, bevor man kocht oder isst.

Keine Katzenwäsche: Viren bekommt man am Besten unter fließendem Wasser und mit genügend Seife los. Die Hände mindestens 20 Sekunden einseifen, gründlich abwaschen und mit einem sauberen Tuch trocken.

Abstand halten: Kranke sollten sich zu Hause auskurieren und auf Körperkontakt verzichten. Ist das Ansteckungsrisiko hoch, sind separate Räume sinnvoll.

Hände aus dem Gesicht: Nicht mit ungewaschenen Händen an Mund, Nase oder Augen fassen.

Richtig niesen und husten: Wer kein Taschentuch zur Hand hat, sollte sich die Armbeuge vor Mund und Nase halten. Sind andere Personen in der Nähe, dreht man sich weg.

Wunden schützen: Offene Wunden mit einem Pflaster oder Verband abdecken.

Auf ein sauberes Zuhause achten: Vor allem Küche und Bad gründlich reinigen. Putzlappen danach gut trocknen und regelmäßig wechseln.

Lebensmittel hygienisch behandeln: Empfindliche Lebensmittel gut gekühlt lagern. Bevor Fleisch auf dem Teller landet, sollte es auf mindestens 70 Grad erhitzt werden. Obst und Gemüse vor dem Verzehr waschen.

Geschirr und Wäsche heiß waschen: Küchenutensilien sollten heißt abgespült oder bei mindestens 60 Grad in der Maschine gereinigt werden. Lappen, Unter- oder Bettwäsche ebenfalls bei mindestens 60 Grad waschen.

Regelmäßig lüften: Geschlossene Räume mehrmals täglich lüften.


Letztes Jahr gab es erst im Februar die ersten Kranken.Johannes Weig, Gesundheitsamt Neustadt/Waldnaab und Weiden


GrippewelleBloß nicht ohne Mütze oder gar mit nassen Haaren in die Kälte! Dem Volksmund nach kann ein kalter Kopf Krankmacher sein - wer sich nicht warm genug angezogen hat, trägt demnach selbst Schuld für triefende Nase, Fieber und Husten. Drohen angesichts des aktuellen Wintersturmtiefs mit klirrender Kälte nun auch mehr Erkältungen und Grippefälle in Deutschland? Zwar macht Kälte allein Experten zufolge nicht unbedingt krank - irrelevant sind die Temperaturen aber nicht. Denn Viren haben bei Kälte leichteres Spiel.

Grippeviren beispielsweise überlebten länger in der äußeren Umgebung, je trockener und kälter es ist, sagt Silke Buda vom Robert Koch-Institut (RKI) auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings ist die Grippewelle dieses Winters unabhängig von der aktuellen Kälte losgerollt: Experten sehen den Beginn einige Wochen früher als in den vergangenen beiden Saisons, und zwar kurz vor Weihnachten 2016.

Bei rund 2600 Menschen haben Laboruntersuchungen nach Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza am RKI von Beginn der Grippewelle bis Anfang Januar eine Grippeerkrankung bestätigt. Längst nicht alle Erkrankungen werden gemeldet. "Es gibt schon eine deutliche Viruszirkulation", betont Buda. Betroffen sind demnach bislang ältere Menschen insbesondere bei schweren Krankheitsverläufen.

Gemeldet wurden mehrere Ausbrüche in Krankenhäusern in verschiedenen Bundesländern - und neun Todesfälle, davon acht bei Menschen ab 60 Jahren. "Das erinnert auch an die Saison 2014/15", sagt Buda. Damals starben nach RKI-Schätzungen rund 20 000 Menschen an Grippe. Buda will die aktuelle Situation nicht überbewerten: "Aber wir haben da schon ein Auge drauf. Ein besorgtes." Bayern ist bisher ein Schwerpunkt des Geschehens. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) weißt darauf hin, dass eine Impfung auch jetzt noch sinnvoll sei. "Grippe ist keine harmlose Erkältung", warnt sie. (dpa)
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