11.07.2017 - 18:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Grünzug hinter Naabwiesen-Parkdeck wird zur nächtlichen Party-Meile "Schlimmste Ecke der Stadt"

Nicht nur die braven Bürger schätzen dieses Fleckchen: Hinterm Parkdeck Naabwiesen plätschert der Stadtmühlbach, dazwischen sattes Grün. Die Jubiläumsbäume säumen den Weg. Was bei vielen als schönster Abschnitt im Grünzug entlang der Innenstadt gilt, ist für Günther Kamm die "schlimmste Ecke der Stadt".

Obwohl Privatweg, soll der Bereich zwischen Naabwiesen-Parkdeck und Stadtmühweg für die Öffentlichkeit nutzbar bleiben. Die Grünen-Stadträte rühmen die hohe Aufenthaltsqualität. Sie sehen aber auch ein, dass die Stadt der SGW Stadtbau als neue Eigentümerin des Grünzuges beim Unterhalt helfen muss. Bild: Schönberger
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Die Bürger sollen und dürfen davon nichts merken. Nichts vom Unrat, den hier die nächtlichen Besucher hinterlassen, nichts von den Bierdosen, von den Drogenspritzen. Mindestens zweimal pro Woche muss der Geschäftsführer der SGW Stadtbau den Hausmeister-Trupp losschicken. Über vier Stunden räumen die Saubermänner jeden Montag "den ganzen Dreck" von "einer der größten Müllhalden der Stadt" weg. "Nachts sind 30 bis 40 junge Leute am Feiern", klagt Kamm.

Der Kreisverband der Grünen sorgt sich "um den Erhalt des öffentlichen Weges", "der schon längst zum Privatweg geworden ist", kontert Kamm bei der Ortsbesichtigung am Montag den 16 Grünen-Mitgliedern, darunter Fraktionssprecher und Stadtrat Karl Bärnklau sowie die Stadträte Gisela Helgath und Veit Wagner. Die SGW habe mit der Übernahme der Allee-Tiefgarage und der Parkdecks Friedrich-Ebert-Straße und Naabwiesen auch diesen Grünbereich erworben - "und zwar als Bauland". Dies gehe eindeutig aus dem Wertgutachten von 2,6 Millionen Euro hervor.

Der aufwendige Unterhalt (im Jahr 2016 fiel ein hoher fünfstelliger Betrag an) macht den Grünzug inzwischen zur teuersten Fläche der SGW überhaupt. Zumindest solange das Parkdeck bleibe, wolle er den Fußweg erhalten. Allerdings, so betont Kamm, müsse sich die Stadt an den Kosten für den Unterhalt beteiligen.

Hohe Aufenthaltsqualität

Stephan Korb, zweiter Kreissprecher der Weidener Grünen und Nachbar, bestätigte die Aussagen Kamms über die ungewollte nächtliche "Nutzung" der Grünanlage, die oft genug zur "Party-Meile" mutiere. Stadtrat Karl Bärnklau rühmte hingegen die hohe Aufenthaltsqualität des Grünzuges entlang des Stadtmühlbaches.

Da die SGW Stadtbau an der Leibnizstraße, zwischen Stadtmühlbach und Parkdeck, ihre neue Zentrale errichten wolle, stelle sich die Frage nach dem Verbleib des Grünzugs, begründete Korb die Ortsbesichtigung.

Bärnklau und Wagner berichteten, dass der Bauausschuss vor eineinhalb Jahren für den Aufhebungsbeschluss für diesen Teilbereich des Bebauungsplanes Naabwiesen gestimmt habe. Allerdings wurde das Verfahren "nicht mit Hochdruck" betrieben. Im Bau- und Planungsausschuss am Donnerstag wird über diesen Sachstand informiert, aber auch der Aufstellungsbeschluss des von der SGW angestoßenen vorhabenbezogenen Bebauungsplans gefasst.

Bereits eine Viertel Million Euro investierte die Stadtbau in die Vorbereitung ihres Neubaus. Immer wieder waren Umplanungen aufgrund neuer Erkenntnisse (Hochwasser, Frischluftschneise) erforderlich. "Wir müssen bauen." Zwischen Bürogebäude und Parkdeck bleibe auch künftig die Wegeverbindung erhalten, versichert Kamm. Die drei Grünen-Stadträte betonen, dass die Stadt der SGW im Gegenzug beim Wege-Unterhalt helfen müsse. Kamm erwartet vom Stadtgalerie-Parkdeck Auswirkungen auf das Naabwiesen-Parkhaus. Auch deshalb und um die Anlieger in den Straßen zu entlasten, so Gisela Helgath und Stephan Korb, sei die Bewirtschaftung aller Parkplätze nötig.

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